Berlins Baupläne : Mehr Museum, weniger Kommerz - wie der Senat den Checkpoint plant

Senatorin Lompscher stellte im Abgeordnetenhaus den Stand der Baupläne für den umkämpften Touristen-Hotspot in Mitte vor

Brache in Mitte: Wo Zelte und ein Ausstellungspavillon stehen, sollen ein Museum, Wohnungen und Bürohäuser entstehen.
Brache in Mitte: Wo Zelte und ein Ausstellungspavillon stehen, sollen ein Museum, Wohnungen und Bürohäuser entstehen.Foto: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen Berlin

Nicht alle Tage freut sich eine Senatorin, einem Fachausschuss Rede und Antwort zu stellen. Katrin Lompscher dagegen ergriff am Mittwoch „sehr gerne“ die Gelegenheit, den Stand ihrer Pläne für die Bebauung des Checkpoint Charlie darzulegen. Denn die Linken-Politikerin könnte das umkämpfte Baugebiet mit weltweiter historischer und touristischer Strahlkraft als Musterfall für die Segnungen der „Partizipation“ verbuchen.

Denn die Absprachen zwischen einem möglichen Investor, der Firma Trockland, die eine Absichtserklärung mit geheim gehaltenem Inhalt hervorbrachten, sind vom Tisch. Nach Einmischungen von Experten aus den Fraktionen der Grünen und der Linken und vor allem dem Aufstand von Sachverständigen im Beteiligungsverfahren sind auch die frühen Absichten für den Bau eines Hardrock-Hotels sowie einem weitgehend im Keller einer Gewerbeimmobilie versenkten Museums des Kalten Krieges vom Grundsatz her infrage gestellt. Und die neuen, nun in der Abstimmung zwischen den Senatsverwaltungen kursierenden Pläne sind für Lompscher vor allem eine „stadtfreundliche Rahmensetzung“ und keine „investorenfreundliche“.

Umkämpfte Baulücke: Die rot umrandete Fläche zeigt das Entwicklungsgebiet Checkpoint Charlie.
Umkämpfte Baulücke: Die rot umrandete Fläche zeigt das Entwicklungsgebiet Checkpoint Charlie.Foto: fisbroker/Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen Berlin

Konkret bedeutet das: Ein sichtbares, am historischen Kontrollpunkt stehendes Museum mit "ausreichend großem" Vorplatz ist nun geplant. Dieser öffentliche Raum "soll Informations- und Ausstellungsort sein" und westlich der Friedrichstraße 1000 Quadratmeter groß sein, östlich 350 Quadratmeter. Die Brandwände der Mauerstraße 93 und der Zimmerstraße 79 sowie 80 sollen nicht zugebaut, sondern als "Baulücke" in den Mauerjahren die Teilung Berlins optisch erlebbar machen. Auch die Neubauten sollen den Gedenkort inszenieren, indem die "Ost- und Westseite architektonisch miteinander korrespondieren", wobei das Museum gleich ins Auge fallen soll durch eine "besondere städtebauliche und architektonische" Gestaltung. Unauffälliger soll die östliche, kommerziell genutzte Immobilie in das Stadtbild eingefügt werden. Als Kompromiss an einen künftigen Investor bietet der Senat den Bau eines Hochhauses mit bis zu 60 Metern an. Dafür soll es weitere Freiflächen auf der Westseite der Friedrichstraße" geben, dazu 200 bis 300 Wohnungen, 30 Prozent davon zu günstigen Mieten. Eine bebaute Fläche von 45 400 Quadratmetern, 28 000 davon auf dem westlich der Friedrichstraße gelegenen Grundstück, wo ein bis zu 60 Meter hohes Gebäude möglich wird, sowie 15 000 Quadratmeter östlich der Straße, wo das Museum entsteht.

So soll der Checkpoint genutzt werden.
So soll der Checkpoint genutzt werden.Foto: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen Berlin

„Ob und inwieweit eine Hotelnutzung möglich sein soll oder nicht“, wie Lompscher sagte, werde noch abgestimmt. Ihre Genossin Katalin Gennburg von der Linken-Fraktion legte sich fest: Als Linke werde man „alles gegen einen Hotelneubau an diesem Standort tun“, was möglich sei. Die schlechte Auslastung der Gastgewerbe in Berlin spreche dagegen, und das Land dürfe sich nicht von Eigentümerinteressen leiten lassen.

Wobei über Eigentümer oder nicht trefflich gestritten wurde in dem Ausschuss. Während SPD- und CDU-Vertreter in einer informellen großen Koalition den Eindruck zu erwecken versuchten, dass es einen solchen gebe, erinnerten Grünen-Vertreter an die Fakten: Dass die Grundstücke im Eigentum eines Insolvenzverwalters sind, mögen auch Rechte an Altschulden, die auf dem Bauland lasten, an eine Firma namens „Originator“ verkauft sein, deren Gesellschafter hinter verschachtelten Firmenkonstruktionen verborgen seien.

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