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Reparaturarbeiten nach dem Anschlag am Kraftwerk Lichterfelde.

© dpa/Sebastian Gollnow

Berlins Stromnetz-Chef verteidigt Sicherheitskonzept: Am Anschlagsort lief ein Projekt zur Kabelverlegung

Am Kraftwerk Lichterfelde waren schon Ende 2024 Kabel verlegt worden, um diesen „neuralgischen Punkt“ der Stromversorgung zu entschärfen. Doch das Projekt konnte nicht abgeschlossen werden.

Stand:

Die Anschläge auf das Berliner Stromnetz sind nach Darstellung von Stromnetz-Chef Erik Landeck trotz einer Intensivierung der Sicherheitsvorkehrungen geschehen. Im Wirtschaftsausschuss des Abgeordnetenhauses erklärte Landeck am Montag, der Personaleinsatz zur Bestreifung gefährdeter Anlagen im Stromnetz sei 2025 um 260 Prozent erhöht worden, die Videoüberwachung um 500 Prozent.

Auch die Kabelbrücke am Kraftwerk Lichterfelde, dem Tatort des Anschlags, sei von externen Sicherheitsfirmen bestreift worden. Wie oft, blieb allerdings unklar. An Umspannwerken seien bereits 144 Videotürme zur Überwachung installiert worden. Angestrebt werde eine vollständige Ausstattung von Netzknoten und Umspannwerken mit Videoüberwachung.

144
Videotürme sind laut Stromnetz Berlin an Umspannwerken installiert.

An öffentlichen Straßen, die nicht ohne Weiteres mit Videoüberwachung und Sensorik ausgestattet werden könnten, würden Einhausungen von Anlagen diskutiert, sagte Landeck.

Am konkreten Anschlagsort sei bereits ein Projekt zur Resilienz des Netzes angelaufen, indem Kabel verlegt werden. Ende 2024 sei „ein System“ von der Kabelbrücke entfernt worden, sagte Landeck. Dadurch seien „50 Prozent dieses neuralgischen Punkts entschärft worden“. Wann weitere Kabel verlegt werden sollten, ließ Landeck offen.

Berlin ist beim Thema Sicherheit „weit vorne“

Bei der Sicherheit des Stromnetzes liege Stromnetz Berlin im Vergleich mit anderen Netzbetreibern „weit vorn“, sagte Landeck. Alle neuralgischen Punkte im Stromnetz, also Knotenpunkte mit einer Anhäufung von Stromkabeln, würden in Zukunft behoben, das koste allerdings viel Zeit und Geld.

Die Entflechtung von Kabelknoten an der Königsheide in Treptow koste 13,8 Millionen und soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Die Neuordnung der Kabeltrassen in Lichterfelde laufe schon seit 2019 und koste insgesamt 24,6 Millionen Euro.

09.09.2025, Berlin: Erik Landeck, Geschäftsführer der Stromnetz Berlin GmbH, informiert vor dem beschädigten Strommast im Königsheideweg zur Presse. Foto: Jens Kalaene/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Erik Landeck, Geschäftsführer der Stromnetz Berlin GmbH, informiert die Presse im September nach dem Anschlag in Treptow.

© dpa/Jens Kalaene

Laut Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) ist es nicht möglich, das Stromnetz zu 100 Prozent abzusichern. Beim Anschlag in Lichterfelde seien fünf Hochspannungskabel und zehn Mittelspannungskabel zerstört worden. Die Mittelspannungskabel seien bereits in der darauffolgenden Nacht provisorisch repariert worden. Bei den Hochspannungskabeln sei die Reparatur erheblich komplizierter.

„Nicht an jeder Kabelbrücke kann man solch einen Schaden verursachen“, sagte Giffey. Die Kabelbrücken hätten also eine unterschiedlich hohe Priorität bei der Sicherung.

Eine zweistellige Zahl neuralgischer Punkte im Berliner Stromnetz habe diese hohe Priorität, die würden derzeit von der Polizei überwacht. Auch Zaunanlagen und Torsicherungen wichtiger Anlagen seien nach dem Anschlag in Treptow verstärkt worden.

Landeck erklärte, die Stromnetz Berlin könne die Sicherheit von Anlagen nicht alleine gewährleisten. In diesem Zusammenhang nannte er das Beispiel von Drohnenflügen zur Überwachung.

Wie groß die Schäden von Unternehmen und Forschungseinrichtungen durch den Stromausfall in Zehlendorf sind, konnte Giffey nicht beziffern. Sie seien aber wahrscheinlich geringer als beim Anschlag in Treptow, als viele Hochtechnologiefirmen in Adlershof tagelang keinen Strom hatten. Dort bezifferte Giffey den Schaden auf eine zweistellige Millionenhöhe.

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