• Betreuungsanspruch oder nicht?: Eltern in Berlin vermissen klare Regeln beim Kita-Notbetrieb

Betreuungsanspruch oder nicht? : Eltern in Berlin vermissen klare Regeln beim Kita-Notbetrieb

Der Notbetrieb in Kitas wird erweitert, Vorrang hat aber immer noch die häusliche Betreuung. Was heißt das nun für Eltern – etwa im Homeoffice?

In der Krise haben bestimmte Eltern Anrecht auf eine Kita-Notbetreuung. Etwa, wenn sie in systemrelevanten Berufen arbeiten.
In der Krise haben bestimmte Eltern Anrecht auf eine Kita-Notbetreuung. Etwa, wenn sie in systemrelevanten Berufen arbeiten.Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Die Eltern, die an diesem Morgen ihr Kind zur Kita in Prenzlauer Berg bringen, sind ein bisschen nervös. Ein fröhliches „Guten Morgen“ hört man heute eher nicht. Auch das übliche gegenseitige Türaufhalten entfällt.

Die Flure sind ruhig, kein Toben, keine Freudenschreie sind zu hören. Wegen des schönen Wetters sollen alle Kinder gleich draußen spielen und dort auch abgegeben werden.

Der Hof ist in Zonen unterteilt, damit zwischen den klein gehaltenen Gruppen so wenig Kontakt wie möglich entsteht. Die Kinder stehen ein bisschen unschlüssig herum und beobachten, welche von den vertrauten Gesichtern noch dazukommen. Vielleicht sogar ein Freund oder eine Freundin?

Manche Eltern bringen ihre Kinder nicht in die Kita, obwohl sie die Notbetreuung in Anspruch nehmen könnten. Die Angst vor einer Infektion ist groß.

Und auch nicht alle Eltern, die sich nach der Senatsentscheidung, die Notbetreuung für mehr Kinder zu öffnen, schon gefreut haben, ihre Kinder wieder in die Kitas zu bringen, können diese nun nutzen. Denn einige Eltern berichten, dass ihre Kitas ihnen eine Notbetreuung nicht gewähren, wenn beide Eltern im Homeoffice arbeiten – auch dann nicht, wenn sie in systemrelevanten Jobs arbeiten.

Eltern müssen bei Kitas glaubhaft machen, dass sie nicht zu Hause betreuen können

Offenbar herrscht sowohl bei Eltern als auch Kitas momentan noch ein Informationsdefizit, was denn nun geht und was nicht. Roland Kern vom Dachverband der Kinder- und Schülerläden (DaKS) berichtet, dass seit vergangener Woche zahlreiche Eltern mit Fragen anrufen würden. Gleichzeitig hätten die Kitas alle Hände voll zu tun, um auf die Schnelle einen erweiterten Notbetrieb zu organisieren.

Die Senatsbildungsverwaltung stellt nun in einem Brief an die Eltern klar, dass nach wie vor der „Vorrang der häuslichen Betreuung“ besteht. Zwar können nun Alleinerziehende die Notbetreuung nutzen, außerdem wurde die Liste der systemrelevanten Berufe erweitert, und es reicht, wenn ein Elternteil in einem solchen arbeitet. 

Aber dennoch müssen die Eltern bei den Kitas glaubhaft machen, dass sie ihre Kinder nicht zu Hause betreuen können.

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Was heißt das nun für Eltern im Homeoffice? Iris Brennberger, Sprecherin der Bildungsverwaltung, sagt, dass es auf den Einzelfall ankomme. Wenn Eltern erklären können, dass für sie eine Kinderbetreuung im Homeoffice nicht möglich sei, beispielsweise weil ihre Arbeitszeiten nicht flexibel sind, dann könne mit der Kita eine Betreuungslösung gefunden werden.

Auch Alleinerziehende, die studieren oder sich in Ausbildung befinden, hätten einen Anspruch.

Es komme aber auch auf die Bedingungen der Kitas vor Ort an, wie viele Kinder aufgenommen werden können. Möglich sei auch, eine tage- oder stundenweise Betreuung zu vereinbaren. Eltern sollten zudem prüfen, ob eine „nachbarschaftliche private Betreuung“ für sie infrage komme. Eine solche ist nun für bis zu drei Kinder erlaubt.

„Ich werbe dafür, dass man jeweils für die andere Seite Verständnis hat. Wir sind immer noch in einer Ausnahmesituation, die Fachkräften und Eltern viel abverlangt“, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).

Wie viele Kinder die Notbetreuung nutzen, werde sich erst im Laufe der Woche herausstellen, sagte Brennberger. Bisher kamen weniger als zehn Prozent. Wenn Fragen zur Notbetreuung nicht zwischen Eltern und Kitas geklärt werden können, könnten sich Eltern auch per Mail an Kita.Notfallbetreuung@senbjf.berlin.de wenden.

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