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Im Gemeinschaftsgarten auf dem Tempelhofer Feld gärtnern rund 500 Menschen.
© Doris Spiekermann-Klaas

Gemeinschaftsgärtnern auf dem Tempelhofer Feld: Der Berliner Allmende Kontor feiert zehnjähriges Jubiläum

Gärtnern, wo früher Flugzeuge landeten: Seit zehn Jahren gibt es den Gemeinschaftsgarten. Für die Zukunft gesichert ist er allerdings nach wie vor nicht.

Vor fast 13 Jahren wurde der Flughafen Tempelhof geschlossen. Menschen und verschiedene Kulturen verbindet er aber nach wie vor. Eines der ersten Projekte, die sich auf dem ehemaligen Flugfeld ansiedelten, war der Allmende-Kontor. Das Gemeinschaftsgartenprojekt feiert in diesem Jahr zehntes Jubiläum.

Ursprünglich sollte der Allmende-Kontor eine Art Knotenpunkt verschiedener Projekte aus der Urban-Gardening-Szene werden, erzählt Kristin Hensel, die sich selbst als „Gärtnerin der ersten Stunde“ bezeichnet. Wie die verschiedenen Projekte damals eigentlich zusammengefunden hätten, sei ein Mythos, sagt Hensel. 

Klar ist aber: Irgendwann entstand die Idee einer berlinweiten Vernetzungsstelle. Daher stammt auch der Name „Kontor“, eine altdeutsche Bezeichnung für Niederlassung oder Büro, die bis auf die spätmittelalterliche Hanse zurückgeht. Der Garten selbst sei zunächst nur eine Art Beiprojekt gewesen, sagt Kristin Hensel. „Mit der Popularität des Feldes wurde daraus aber ein Riesenprojekt.“ In kürzester Zeit seien immer neue Beete entstanden, bereits nach wenigen Monaten war das Gelände voll.

Über die Jahre gab die Gründungsgruppe immer mehr Verantwortung an die Gärtner:innen ab, die irgendwann auch einen eigenen Verein bildeten. Mittlerweile gibt es über 250 registrierte Hochbeete, die von mehr als 500 Menschen mehr oder weniger regelmäßig begärtnert werden. Die Beete haben unterschiedliche Organisationsformen: Manche werden von einer einzigen Person bewirtschaftet, zu anderen gehören größere Gruppen. 

„Die Idee von Urban Gardening ist ja ein soziales Zusammenarbeiten und der Aufbau einer Gemeinschaft“, sagt Kristin Hensel. Das sei natürlich bei der Vielzahl beteiligter Personen nicht immer einfach: Jede:r bringe eigene Ideen und Vorstellungen ein, die am Ende aber ein gemeinsames Projekt ergeben müssen.

Der Garten befindet sich direkt neben dem ehemaligen Rollfeld.
Der Garten befindet sich direkt neben dem ehemaligen Rollfeld.
© Christophe Gateau/dpa

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Der Allmende-Kontor selbst ist nach wie vor nur ein Zwischennutzungsprojekt, der dazugehörige Verein muss regelmäßig den Pachtvertrag verlängern. „Wir haben gewisse Auflagen und über uns hängt noch dieses Zwischennutzungs-Damokles-Schwert, auch wenn wir das Gefühl haben, dass wir angekommen sind“, sagt Kristin Hensel. 

[Weitere Informationen zum Allmende-Kontor und den Möglichkeiten, selbst mitzugärtnern, sind hier zu finden. Hier gibt es auch eine Chronik über die Entwicklungen im Projekt in den vergangenen zehn Jahren.]

Natürlich solle der Garten dauerhaft bleiben. „Aber das hängt auch immer von den Leuten ab, die dahinterstehen und eine langfristige Gruppe aufbauen müssen.“ Generell sei die Fluktuation bei den Gärtner:innen recht hoch: Meist zu Beginn der Saison, in diesem Jahr coronabedingt wohl erst im Juni, werden freigewordene Beete neu vergeben. Wenn sich unter all den Interessierten keine eigenen Grüppchen bilden, würfelt das Orgateam die Beetgemeinschaften einfach zusammen.

[Dieser Text stammt aus dem Newsletter für Neukölln. Den kompletten Newsletter gibt es jetzt kostenlos hier: leute.tagesspiegel.de]

Die ganze Organisation läuft ehrenamtlich, stellt das Kollektiv aber auch vor viele Herausforderungen. „Wir haben mit einer unglaublichen Überlastung zu kämpfen auf diesem Feld, aber gleichzeitig macht genau das den Garten aber ja auch aus“, sagt Hensel. 

Das gelte aber auch andersherum: Auch das Tempelhofer Feld lebe von dem Engagement der Projekte. Da sieht Kristin Hensel durchaus noch Luft nach oben: Denn laut Tempelhofer-Feld-Gesetz könnten im gesamten äußeren Ring Gemeinschaftsgärten entstehen. „Es muss nur jemand die Initiative ergreifen und diese Flächen gestalten“, sagt Kristin Hensel.

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