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Lufthansa in TXL.

© dpa/Wolfgang Kumm

100 Jahre Lufthansa : Flughafen Berlin-Tegel und Lufthansa – eine wilde Beziehung

Kraniche am „Kutschi“, Currywurst in der Senator Lounge und eine wilde Lufthansa-Party 1990: Ein kleiner Berlin-Rückblick zum Konzernjubiläum. Aber was bleibt am Ende in TXL?

Stand:

Lufthansa und Berlin, das war schon immer eine ganz spezielle Beziehung. Vor 100 Jahren, am 6. Januar 1926, wurde der weltbekannte Flugkonzern in der Stadt gegründet – damals noch unter dem Namen „Luft Hansa“ und in Tempelhof, weil der Flugplatz TXL erst später zu seiner wahren Berliner Größe gefunden hat. TXL, das war das Kürzel für Berlin-Tegel.

100 Jahre Lufthansa, das sind auch 100 Jahre Kopfkino. Viele Berliner werden an den blau-gelben Kranich denken, der immer so laut über die BVG-Haltestellen am Kurt-Schumacher-Platz donnerte, liebevoll „Kutschi“ genannt.

Flugzeug am Kurt-Schuhmacher-Platz in Berlin-Tegel beim Anflug zur Landung auf dem Fughafen Tegel. Foto: Thilo Rückeis
Alltag am Kutschi.

© Thilo Rückeis TSP

Oder an die „Senator-Lounge“ mit Ledersessel, Currywurst und, na klar!, gedrucktem Tagesspiegel im Zeitungsregal. Terminal A.

Oder an alle Flüge von TXL in die ganze Welt. New York, Rio, irgendwo. Das kleine Tegel war eine Weltadresse.

Oder an den riesigen Lufthansa-Hangar, wo die Berliner Feuerwehr so gern mit ihrer Akademie einziehen will, nicht nur wegen der orange-roten Türen.

Flughafen Tegel
Der alte Lufthansa-Hangar.

© Valentin Petri

Oder an die alte Lufthansa-Boeing an der Landebahn, die man nach einem schönen Waldspaziergang von der Bernauer Straße neben der Landebahn sah: ein Übungsflugzeug der Feuerwehr und eine besonders wilde Berlin-Geschichte! (Lesen Sie mal hier im Tagesspiegel, mit vielen Bildern).

Das Cockpit der alten Boeing 707 verlässt auf einem Sattelschlepper den Ex-Flughafen Tegel. Foto: Lutz Esser 

Über Jahrzehnte verrotete eine Boeing 707 in Tegel.
Jetzt wird sie abgewrackt – bis auf Einzelteile
Das Lufthansa-Cockpit der alten Boeing 707, die viele Jahre am Waldrand stand

© Lutz Esser

Oder an die müde Berlin-Häme, die später irgendwelche Lufthansa-Manager über der Stadt auskübelten, nachdem sie das Flugangebot immer weiter zusammengestrichen und anderen in TXL das (Flug-)Feld überlassen hatten.

Eine vollbesetzte Caravelle der französischen Fluggesellschaft Air France rollt am 10.06.1974 am Flughafen Tegel in Berlin am neuen noch nicht ganz fertiggestellten Terminal-Gebäude und Tower vorbei. Das neue Terminal wurde am 23.10.1974 eingeweiht. Die Lufthansa drängt nach dem erneut geplatzten Starttermin für den Hauptstadt-Airport BER auf eine Ertüchtigung des alten Flughafens Berlin-Tegel. Foto: Konrad Giehr/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Als Tegel 1974 in Betrieb ging, durfte die Lufthansa nicht landen. Erst nach dem Mauerfall.

© dpa/Konrad Giehr/dpa

Zu DDR-Zeiten hatte der blau-gelbe Kranich nicht in West-Berlin landen dürfen. Stattdessen: PanAm, Air France, British Airways, Berlins legendäre West-Alliierte.

Als dann die erste Lufthansa am 28. Oktober 1990 aufsetzte, fand ein schmissiges Fest in Tegel statt: Das Polizeiorchester intonierte die „Berliner Luft“, an der Gangway winkten die Ehrengäste aus Bonn. „Der Kranich ist in sein Nest zurückgekehrt“, sagte der damalige Verkehrssenator Horst Wagner, SPD. Alles lange her.

In Tempelhof erinnert bis heute eine graue Plakette an einer Hausfassade an den Gründungsort der Lufthansa vor 100 Jahren (hier ein Foto). Was wird in Zukunft wohl an die Lufthansa in Tegel erinnern? Gar nichts mehr?

Hinweis: Dieser Text erschien zuerst im Reinickendorf-Newsletter des Tagesspiegels. Der Flugplatz Berlin-Tegel befindet sich im Berliner Bezirk Reinickendorf.

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