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„Dauerhafte Berliner Gedenkstätte“: Hatun Sürücü wird umgebettet – der Erinnerungsort auf dem Friedhof bleibt
2005 wurde sie von ihrem Bruder in Berlin getötet – ein „Ehrenmord“, an den bis heute entsetzt erinnert wird. Dem Grab drohte 2026 die Einebnung. Das Rathaus Spandau hat jetzt verhindert, dass der Erinnerungsort plattgemacht wird.
Stand:
Vor gut 20 Jahren ist Hatun Sürücü von ihrem Bruder in Berlin getötet worden – ein „Ehrenmord“, über den bis heute in der Stadt entsetzt diskutiert wird. Dem Grab auf dem Landschaftsfriedhof Gatow drohte 2026 die Einebnung.
Doch das Rathaus Spandau hat jetzt verhindert, dass die Erinnerung so leicht weggeräumt wird wie die Pflanzen und der Grabstein an ihrer Ruhestätte. Damit endet eine lange Diskussion, über die der Tagesspiegel seit mehr als einem Jahr berichtet.
An Hatun Sürücü erinnert künftig eine feste Gedenkstätte: „Die geplante Gedenkstätte soll das Grab dauerhaft sichern und als Ort des Erinnerns sichtbar machen“, teilte das Büro von Stadtrat Thorsten Schatz, CDU, dem Tagesspiegel mit.
„Nach der Frostperiode im Frühjahr 2026 soll das Grab neu eingefasst und bepflanzt werden. Zusätzlich erhält es einen Gedenkstein. Erste vorbereitende Maßnahmen wurden bereits eingeleitet. Dazu gehört auch die Umbettung an einen neuen Ort innerhalb des Friedhofs.“

© André Görke
Ihr aktuelles Grab befindet sich weit hinten auf dem riesigen Gelände und liegt etwas versteckt, doch ihren Namen kennt fast jeder in der Stadt: Hatun Sürücü war am 7. Februar 2005 im Alter von 23 Jahren in Berlin-Tempelhof von ihrem Bruder ermordet worden. Sürücü wollte frei leben. Sie war junge Mutter, stand kurz vor der Gesellenprüfung zur Elektroinstallateurin.
Nach 20 Jahren lief allerdings im Frühjahr 2025 das Nutzungsrecht auf dem islamischen Friedhof in Gatow aus, was der Politik im Rathaus von Berlin-Spandau rechtzeitig auffiel. Der Familie Sürücüs wird kein großes Interesse am Grab nachgesagt. Selbst der Steinmetz blieb lange auf den Kosten für den Grabstein sitzen. „1600 Euro sind seit vier Jahren offen!“, klagte er damals im Tagesspiegel.

© dpa/Jens Kalaene
CDU und Grüne – beide bilden in Spandau seit 2023 eine Zählgemeinschaft, also eine Art Koalition auf Bezirksebene – brachten den Fall, wie im Tagesspiegel berichtet, auf die Rathausagenda und wollten „ihre letzte Ruhestätte weiterhin als einen Ort des Gedenkens und auch für ihren Sohn erhalten“. Unterstützung kam parteiübergreifend.
Weil es den Kriterien eines Berliner Ehrengrabs nicht entsprach, suchte das Rathaus alternative Möglichkeiten. Tagesspiegel-Leser und Wirtschaftsverbände boten Geldspenden zur Rettung des Grabes an. Auch eine Umbettung wurde 2025 im Tagesspiegel erstmals als Möglichkeit genannt. So kommt es jetzt auch.
Der Tod von Hatun Sürücü war grausam und hat viele Menschen bis heute tief erschüttert. Diese Gedenkstätte soll ein Ort des stillen Erinnerns sein.
Stadtrat Thorsten Schatz
„Mit der Gedenkstätte entsteht ein dauerhafter Ort des Gedenkens, der Mahnung und der öffentlichen Auseinandersetzung. Bezirksbürgermeister Frank Bewig und mir war es wichtig, dass das Grab von Hatun Sürücü auf dem Landschaftsfriedhof Gatow erhalten bleibt. Deshalb habe ich entschieden, dass das Grab zur Gedenkstätte wird“, sagte Baustadtrat Thorsten Schatz, CDU, am Freitag.
„Der Tod von Hatun Sürücü war grausam und hat viele Menschen bis heute tief erschüttert. Diese Gedenkstätte soll ein Ort des stillen Erinnerns sein – für Hatun Sürücü, für ihr Leben und für all jene, die Gewalt erfahren haben, weil sie selbstbestimmt leben wollten. Wir dürfen nicht wegsehen und wir dürfen nicht vergessen.“
Zu der geplanten Gedenkfeier werde das Bezirksamt zu einem späteren Zeitpunkt gesondert einladen.
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