• Brandenburger Spuren im Fall Madeleine: Polizei sucht nach Oranienburger Drogendealerin namens „Julia“

Brandenburger Spuren im Fall Madeleine : Polizei sucht nach Oranienburger Drogendealerin namens „Julia“

Im Fall des 2007 in Portugal verschwundenen Mädchens prüfen Ermittler nun Spuren in Brandenburg. Der Tatverdächtige soll Kontakt zu einer Dealerin gehabt haben.

Das Mädchen Madeleine verschwand 2007 aus einer Apartmentanlage im portugiesischen Praia da Luz.
Das Mädchen Madeleine verschwand 2007 aus einer Apartmentanlage im portugiesischen Praia da Luz.Foto: AFP PHOTO / METROPOLITAN POLICE

Bei den Ermittlungen gegen Christian B. im Fall des 2007 in Portugal verschwundenen britischen Mädchens Madeleine „Maddie“ McCann prüft die Polizei nun auch Spuren in Brandenburg.

Die Polizei sucht nach einer Drogendealerin namens „Julia“ aus Oranienburg (Oberhavel). Das berichtet die „Märkische Oderzeitung“ (MOZ).

Der Tatverdächtige Christian B. soll nach den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler mehrere Monate mit der Drogendealerin Kontakt gehabt haben, nachdem das damals dreijährige Mädchen verschwunden war.

Dem Bericht zufolge hatte Christian B. vor, Drogen nach Sylt zu schmuggeln. Bei der besagten „Julia“ in Oranienburg soll er von Sommer 2007 bis Frühjahr 2008 mehrfach Marihuana gekauft haben. Im Sommer 2007 etwa zwei Kilogramm Marihuana für 8000 Euro, bis zum Frühjahr 2008 soll er acht weitere Mal jeweils mindestens ein Kilogramm Marihuana für je 4000 Euro gekauft haben.

Im Oktober 2011 wurde er wegen Drogenhandels zu einer Bewährungsstrafe verurteilt – wegen einer günstigen Sozialprognose.

Ermittler vermuten, der Name könnte ein Synonym sein

Laut Staatsanwaltschaft konnte „Julia“ bislang jedoch nicht identifiziert und gefunden werden. Als B. für den Drogenhandel verurteilt wurde, sagte er im Prozess nichts Näheres zu „Julia“. Der Name, so vermuten die Ermittler, könnte auch ein Pseudonym gewesen sein.

Die Brandenburger Polizei hofft nun, besagte „Julia“ doch noch zu finden. Denn es ist nicht ausgeschlossen, dass sich B. gegenüber der Drogenverkäuferin auch zu Madeleine geäußert haben könnte.

Video
'Fall Maddie': Deutscher Sexualstraftäter unter Mordverdacht
'Fall Maddie': Deutscher Sexualstraftäter unter Mordverdacht

Sollte die Dealerin Angst haben, selbst wegen des Drogenhandels verfolgt zu werden, hofft die Polizei zumindest auf anonyme Hinweise.

Der Appell der Polizei: Jeder Hinweis könnte helfen, das Verbrechen an der verschwundenen Madeleine McCann aufzuklären. Auch andere Personen aus der Oranienburger Drogenszene aus den Jahren 2007 und 2008 könnten Details kennen, die die Ermittlungen gegen B. voranbringen könnten.

Das Mädchen war aus einer Apartmentanlage im portugiesischen Praia da Luz am 3. Mai 2007 verschwunden. Die Eltern waren in einem nahe gelegenen Restaurant.

Christian B. war mehrfach wegen Sexualstraftaten auch an Kindern vorbestraft

Christian B. hielt sich zwischen 1995 und 2007 regelmäßig in der Algarve auf. Sowohl in Deutschland als auch Portugal wurde er mehrmals straffällig.

Mehr als 13 Jahre nach dem Verschwinden des Mädchens teilten das Bundeskriminalamt (BKA) und die Staatsanwaltschaft Braunschweig Anfang Juni mit, dass B. unter Mordverdacht steht.

[Was ist los in Brandenburg? Die Potsdamer Neuesten Nachrichten informieren Sie direkt aus der Landeshauptstadt. Mit dem neuen Newsletter Potsdam HEUTE sind Sie besonders nah dran. Hier geht's zur kostenlosen Bestellung.]

Die Staatsanwaltschaft fand anhand von Handydaten heraus, dass B. damals in der Nähe des Tatorts war. Er ist mehrfach wegen Sexualstraftaten auch an Kindern vorbestraft und sitzt bis Frühjahr 2021 in Kiel eine Strafe wegen Drogenhandels ab. Parallel ist gegen ihn eine Untersuchungshaft angeordnet.

Das Landgericht Braunschweig hatte ihn im Dezember wegen schwerer Vergewaltigung unter Einbeziehung früherer Strafen zu sieben Jahren Haft verurteilt. Er hatte 2005, rund eineinhalb Jahre vor dem Verschwinden Madeleines, in Praia da Luz eine 72-jährige Amerikanerin vergewaltigt.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Revision liegt beim Bundesgerichtshof.

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen Tagesspiegel Plus 30 Tage gratis!