• Civey-Umfragen für den Tagesspiegel: Die politische Stimmung in Berlin hat sich gedreht

Civey-Umfragen für den Tagesspiegel : Die politische Stimmung in Berlin hat sich gedreht

2019 startete der Berlin-Monitor in überarbeiteter Form neu. Lesen Sie hier im Überblick die Ergebnisse der Jahre 2017 und 2018.

Berlin leuchtet. Umfragen zeichnen aber ein differenziertes Bild
Berlin leuchtet. Umfragen zeichnen aber ein differenziertes BildFoto: Dirk Sattler/imago

Seit Frühjahr 2017 erkunden die Meinungsforscher von Civey im Auftrag des Tagesspiegel politische Trends in Berlin. Der Berlin-Monitor informiert seit eineinhalb Jahren über die Ergebnisse. Jetzt stellen wir die Langzeit-Trends zusammenfassend dar.

Civey ist ein 2015 in Berlin gegründetes Start-up, das inzwischen bundesweit tätig ist und Umfragedaten online erhebt. Die Ergebnisse sind repräsentativ. Achtung: Die Erhebung erfolgen in Echtzeit, weshalb sich leichtere Änderungen zu den Angaben im Text ergeben können.

Seit März 2017 behauptet Rot-Rot-Grün die Mehrheit und hält in der Langzeit- Umfrage die Opposition auf Abstand. Allerdings verlor die SPD ihre führende Rolle. Der Bundestrend verhalf den Grünen zur Spitzenposition, gefolgt von den Linken, die bis Oktober vorn lagen.

Linke und Grüne haben auch die CDU überholt, die lange Zeit stärkste Partei war. Dagegen zeigt die AfD aufsteigende Tendenz. Die FDP hält sich stabil über der Fünfprozenthürde. Die aktuellen Werte für die Sonntagsfrage: Grüne (21,4 Prozent), Linke (18,8), CDU (18,2), SPD (15,8), AfD (11,9) und FDP (6,7). 29 Jahre nach dem Mauerfall gibt es immer noch eine politische Grenze. Grüne, CDU und SPD schneiden im Westen deutlich stärker ab als im Ostern. Bei Linken und AfD ist es andersherum. Es gibt noch mehr Unterschiede.

Grüne: Fast 30 Prozent der unter 40-Jährigen wählen grün. Studierende, aber auch gut verdienende Angestellte, die in der Innenstadt wohnen, bevorzugen die Partei. Gleiches gilt für Frauen und für Menschen mit Kindern.

Linke: Wähler unter 30 und Rentner wählen sie besonders häufig. Arbeiter und Arbeitslose, Azubis und Studierende sind ein stabiles Wählerreservoir, das mehrheitlich männlich ist.

CDU: Berliner ab 40, aber besonders Rentner bevorzugen die Union. Beliebt ist sie bei Beamten und einkommensstarken Familien in den Randbezirken.

SPD: Bei Berlinern über 65 Jahre hat sie die besten Chancen, zudem bei gut ausgebildeten Angestellten mit höheren Gehältern, aber nicht bei Arbeitern sowie Frauen und Eltern von Kindern.

FDP: Akademiker, Beamte und Selbstständige mit hoher Kaufkraft bilden das klassische Wählerklientel der Liberalen.

AfD: Besondern gut schneidet sie bei Berlinern über 50 ab, dazu bei Facharbeitern und Selbstständigen.

Die jetzigen Spitzenkräfte schneiden schlecht ab: Klaus Lederer, Linke (11,3 Prozent), Monika Grütters, CDU (10,3), Michael Müller, SPD (8,5) und Ramona Pop, Grüne (5,6). Im März 2017 stand Müller mit 13,9 Prozent noch vorn. Nur rund 45 Prozent der Linken-Wähler würden Lederer direkt wählen, 45 Prozent der SPD-Anhänger entschieden sich für Müller. 40 Prozent der CDU-Wähler würden für Grütters und knapp 20 Prozent der Grünen-Wähler für Pop stimmen.

Der Anteil der Unzufriedenen hat sich in den letzten eineinhalb Jahren allmählich auf 70 Prozent erhöht. Nur jeder vierte Wähler (26,9 Prozent) ist mit der Politik von Rot-Rot-Grün einverstanden. Milder gestimmt sind Berliner unter 30, da beträgt die Zufriedenheitsquote fast 40 Prozent. Auch die Anhänger der Regierungsparteien sind zufriedener. Von den Wählern der SPD sind rund 65 Prozent zufrieden, bei den Linken etwa 50 Prozent und bei den Grünen gute 40 Prozent.

Der Wohnungsbau steht mit 37,9 Prozent klar an erster Stelle, gefolgt von Schulen (27,1), Verkehr (14,6) und Polizei (13,9), während die Bürgerämter mit 3,9 Prozent kaum eine Rolle spielen. Das Bild hat sich seit März 2017 verschoben: Zuerst waren Wohnungen und Schulen gleichrangig, aber seit einem Jahr liegt der Wohnungsbau in der Prioritätenliste weit vorn. Auch werden Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur jetzt als mindestens genauso wichtig angesehen wie eine bessere Ausrüstung der Polizei.

Für Arbeiter, Arbeitslose und Studierende ist der Bau neuer Wohnungen besonders dringlich. Das gilt auch für Innenstadtbewohner. Der Ausbau der Schulen liegt Eltern mit Kindern und besser gebildeten Schichten mit gutem Einkommen besonders am Herzen. Mehr Geld für Verkehr ist männlichen Arbeitnehmern und Berlinern, die in östlicher Stadtrandlage wohnen, besonders wichtig.

Für Wähler von Rot-Rot-Grün ist mehr Wohnungsbau die zentrale Forderung, zugleich haben die Anhänger von FDP, Grünen und CDU überdurchschnittliche Erwartungen an Schulinvestitionen. Für eine bessere Ausstattung der Polizei sind besonders CDU- und AfD-Wähler.

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