• Coronavirus und die Berliner Verwaltung: Nur jeder zehnte Mitarbeiter kann in Homeoffice arbeiten

Coronavirus und die Berliner Verwaltung : Nur jeder zehnte Mitarbeiter kann in Homeoffice arbeiten

Die Berliner Verwaltung ist auf Homeoffice-Arbeit schlecht vorbereitet. Nur für jeden zehnten Mitarbeiter gibt es die passende technische Ausrüstung.

Während der Coronavirus-Krise steigen viele Firmen auf Homeoffice-Arbeit um – so weit es geht.
Während der Coronavirus-Krise steigen viele Firmen auf Homeoffice-Arbeit um – so weit es geht.Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Angesichts der steigenden Zahl von Corona-Infizierten setzen Senatsverwaltungen und Bezirksämter auf den Schutz ihrer Mitarbeiter. „Wenn möglich, sollen die Beschäftigten ihre Arbeit im Homeoffice erledigen“, heißt es in einer Pressemitteilung der Senatsinnenverwaltung.

Die Behörde allein beschäftigt mit knapp 30.000 Mitarbeitern gut ein Viertel aller Berliner Verwaltungsangestellten. Größer ist nur die Bildungsverwaltung (46.000 Mitarbeiter). In den Bezirksämtern arbeiten zusammen rund 20.000 Menschen. Die technische Umsetzung der Homeoffice-Verordnung stellt die Behörden vor große Herausforderungen.

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Laut Innenverwaltung verfügen aktuell zehn Prozent aller Verwaltungsmitarbeiter über ein dienstliches Tablet oder Notebook. Für alle anderen würden Lösungen gesucht. Wie diese besser nicht aussehen, zeigen Fälle aus der Justizverwaltung.

Dort übertrugen ins Homeoffice geschickte Mitarbeiter Tagesspiegel-Informationen zufolge dienstliche Daten auf USB-Sticks zwischen Büro- und Heimarbeitsplatz hin und her. Eine am Montag verschickte Anweisung, genau das nicht zu tun, kam zu spät. Genau wie die in dem Rundschreiben erwähnten und ausdrücklich für den eindimensionalen Datentransport vorgesehenen neuen USB-Sticks, die nun geordert werden.

Keine sechs Monate nach der möglicherweise durch die unsachgemäße Nutzung von USB-Sticks begünstigte Virus-Attacke auf das Kammergericht ähnelt das Vorgehen einzelner Mitarbeiter einem Offenbarungseid.

Tablets und Laptops sollen „aus dezentralen Lagerbeständen“ kommen

Auf den Bericht reagierte die Innenverwaltung mit bereits erwähnter Mitteilung. Darin heißt es unter anderem, die „Arbeitsfähigkeit der wichtigsten Verwaltungsbereiche“ werde mit mobilen Endgeräten und Fernzugängen in die Arbeitsumgebung hergestellt. Beides soll „aus dezentralen Lagerbeständen in einzelnen Behörden und dem IT-Dienstleistungszentrum (ITDZ) zur Verfügung gestellt“ werden.

Laptops oder Tablets, die in den IT-technisch ohnehin unterversorgten Verwaltungseinheiten ungenutzt herumliegen, dürften sich an einer Hand abzählen lassen. Und ob das ITDZ, derzeit noch mit dem Wiederaufbau der IT am Kammergericht beschäftigt, in den kurzfristig benötigten Größenordnungen helfen kann, ist fraglich.

Durchschnittlich zehn Prozent der Mitarbeiter haben Homeoffice-Zugang

Während Senatsverwaltungen und Bezirksämter eine Tagesspiegel-Anfrage mit dem Verweis auf die Corona bedingten Herausforderungen dieser Tage aktuell nicht beantworten konnten, zeigen die wenigen Reaktionen einen klaren Trend. 

Aus Marzahn-Hellersdorf hieß es, insgesamt seien 124 Mitarbeiter mit Notebook, weitere 87 mit einem Tablet ausgestattet. 15 haben vom Smartphone einen sicheren Zugriff auf ihre Dienst-Mails.

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Das macht insgesamt 226 von 1637 Angestellten mit irgendeiner Art externem Zugriff. Immerhin mehr als der stadtweite Durchschnitt von zehn Prozent. Dennoch deutlich zu wenig. Ähnlich sind die Zahlen aus der Senatsverwaltung für Wirtschaft. Mobile Arbeitsplätze werden dort intern umverteilt, um die wichtigsten Aufgaben auch im Homeoffice erledigen zu können.

Zu Hause zur Untätigkeit verdonnert

Ein Insider spricht von zehn Heimarbeitsplätzen pro 100 Mitarbeiter. Viele derjenigen, die nach Hause geschickt worden sind, seien zur Untätigkeit verdonnert. Es habe jedoch Anweisungen gegeben, auf die Nutzung der privaten Mailadressen zum Versenden dienstlicher Dokumente zu verzichten. Vorhandenen Plattformen zum sicheren Zugriff auf Dokumente, Kalender und Mails werde die Freigabe verweigert.

Sabine Smentek (SPD), für die Informations- und Kommunikationstechnik zuständige Staatssekretärin, erklärte am Dienstag: „Wir begrüßen es, dass viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit moderner Technik mobil arbeiten können. Die Beschäftigten der Berliner Verwaltung zeigen sich hier wieder einmal sehr flexibel.“ Dass es nur zehn Prozent der Mitarbeiter sind, sagt sie nicht. Die „Flexibilität“ der Übrigen könnte für die IT-Sicherheit und den Schutz öffentlicher Daten schwere Folgen haben.

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