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Die beiden Pfarrerinnen Jasmin El-Manhy (links) und Susann Kachel wollen mit dem Segensbüro zwischen Mensch und Kirche vermitteln. 

© Evangelischer Kirchenkreis Neukölln

Evangelische Kirche in Berlin: Das Segensbüro soll zwischen Mensch und Kirche vermitteln

Die Zahl der Kirchenmitglieder nimmt ab. Der Evangelische Kirchenkreis in Neukölln experimentiert mit neuen Formaten, um wieder mehr Menschen zu erreichen. 

Seit vielen Jahren nimmt die Zahl der Mitglieder der Kirchengemeinden deutschlandweit ab. Um auf diesen Trend zu reagieren und auch jene Menschen zu erreichen, die keine regelmäßigen Kirchengänger:innen sind, experimentiert der Evangelische Kirchenkreis Neukölln jetzt mit einem neuen Format: Seit Beginn des Jahres gibt es in der Kirchengemeinde Genezareth am Herrfurthplatz ein Segensbüro, das zwischen den Menschen und der Kirche vermitteln soll. Seit kurzem ist es auch online erreichbar.

Die Pfarrerinnen Jasmin El-Manhy und Susann Kachel wollen damit eine Anlaufstelle sein für jene, die sich einen Segen und kirchliche Begleitung wünschen, aber beispielsweise keiner festen Gemeinde angehören. „Viele Menschen, die noch in der Kirche sind, lassen ihre Kinder nicht mehr taufen oder heiraten nicht mehr evangelisch oder lassen ihre Angehörigen nicht mehr kirchlich beerdigen“, beschreibt Susann Kachel die Ausgangslage. 

„Wir wollen die Menschen ansprechen und sagen: Wir sind für euch da, wir gehen mit euch dahin, wo ihr hinwollt, wir sprechen eure Sprache und ihr müsst nicht erst hinter große, dunkle Kirchenmauern kommen, um uns zu erreichen.“

Das Segensbüro soll ein niedrigschwelliges Angebot sein und auch Menschen ansprechen, die gar nicht Teil der evangelischen Kirche sind. „Viele Menschen kennen die Angebote der Kirche nicht und wissen zum Beispiel nicht, ob sie einen Anspruch auf eine kirchliche Trauung haben“, sagt Susann Kachel. 

Manche würden auch, abseits der klassischen Feste, einfach einen Zuspruch benötigen, einen Segen etwa vor einem Umzug oder einem Jobwechsel. Jasmin El-Manhy und Susann Kachel beraten, suchen nach passenden Orten, Musik und passenden Pfarrer:innen. Das Angebot ist nicht auf Neukölln begrenzt, sondern gilt für alle Berliner:innen und auch für den Kreis der Evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg Oberlausitz (EKBO).

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Welche Rolle spielt der Segen eigentlich in der Glaubensgemeinschaft? „Segen ist für Menschen, die glauben, ein Stärkungswort, die Kraft Gottes, die einem zugesprochen wird“, sagt Susann Kachel. Der Segen Gottes werde über die Pfarrer:innen weitergegeben und über den Menschen ausgesprochen, um sie zu bestärken und frei zu machen. 

Traditionell endet auch jeder Gottesdienst mit einem Segen. Dabei sei dieser aber nicht auf Pfarrer:innen begrenzt: „Jede und jeder kann segnen, der Segen ist für alle da“, sagt Susann Kachel.

Das Segensbüro ist Teil einer Initiative, die die Genezareth-Kirche stärker für den Kiez öffnen will. Das Projekt „Startbahn“ soll im Schillerkiez, am Rande des ehemaligen Flughafens Tempelhof, einen Freiraum schaffen für Menschen, die innovative Formate in der Kirche ausprobieren wollen. 

Dazu wird etwa auch der Innenraum der Genezarethkirche mit Hilfe von Künstler:innen neu gestaltet. Ein spirituelles Start-up, „Spirit and Soul“ und digitale Formate sollen die Kirche gewissermaßen ins 21. Jahrhundert katapultieren. 

Neben dem Evangelischen Kirchenkreis Neukölln sind unter anderem auch die Kirchenkreise Tempelhof-Schöneberg und Stadtmitte an der „Startbahn“-Initiative beteiligt.

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Mit den neuen Angeboten wollen die Pfarrerinnen eine Lücke füllen: „Viele Gemeinden bemühen sich, mit ihren Angeboten genau auf die Bedürfnisse der Menschen einzugehen, aber das wird dann oft doch nicht wahrgenommen“, sagt Susann Kachel. 

Manchmal passe einfach auch die äußere Form oder die Sprache nicht zu den Menschen, gerade wenn diese jünger sind. „Dafür wollen wir offen sein – wir verstehen uns ja auch als urbane Menschen und wollen das in die eigene Theologie eintragen“, sagt Susann Kachel.
Weitere Infos gibt es unter segensbuero-berlin.de.

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