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Betonschwellen bereiten der Deutschen Bahn und der Behala derzeit Ärger.
© dpa/Jens Büttner

Westhafen vom Bahnnetz abgeschnitten: Deutsche Bahn tauscht Betonschwellen in Berlin – nach Zugunglück in Bayern

Nach dem Zugunglück in Bayern werden bundesweit Betonschwellen ausgetauscht. Berlins wichtigstes Logistik-Drehkreuz ist deshalb nicht mehr per Zug erreichbar.

Die Probleme der Deutschen Bahn mit Betonschwellen an ihren Gleisen nach dem Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen treffen auch Berlins wichtigstes Logistikdrehkreuz. Wegen einer kurzfristigen Streckensperrung durch die Bahntochter DB Netz AG ist der Westhafen, größter Standort der Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft (Behala), derzeit nicht mehr von der Schiene aus erreichbar. Das bestätigte Behala-Chefin Petra Cardinal dem Tagesspiegel. Zunächst hatte die „Berliner Zeitung“ darüber berichtet.

„Die Streckensperrung umfasst die Zufahrt vom Bahnhof Berlin Moabit bis zum Berlin Hamburg Lehrter Güterbahnhof“, teilte Cardinal mit. Die Kehre ist die einzige Verbindung für Züge von der Ringbahntrasse auf das Logistikgelände. Bereits seit dem 13. Juli sei der Westhafen schienenseitig vom Verkehr abgehängt – und das soll noch eine ganze Weile so bleiben.

Nach derzeitigem Stand werde die Sperrung bis zum 12. August andauern, erklärte Cardinal. Die täglichen Güterzugverbindungen nach Moabit fallen damit aktuell aus und damit die Warenlieferungen für die Kunden des Logistikunternehmens. „Alle unsere direkten, aber auch die indirekten Kunden sind von der Sperrung betroffen“, erklärte Cardinal.

Behala-Chefin: Mit Sicherheit Lieferausfall durch Bauarbeiten

Teilweise könnten die Güter stattdessen per Lkw über die Straße oder mit Schiffen transportiert werden. Allerdings sei dies „mit hohem Organisations-, Personal- und finanziellem Aufwand verbunden“, machte die Behala-Chefin klar. Und auch trotz dieser Möglichkeiten fielen mit Sicherheit Lieferungen aus. „Eine Möglichkeit der vollständigen Kompensation sehen wir nicht.“

Der Westhafen ist der größte Güterbahnhof in Berlin. Wegen seiner zentralen Lage direkt an der Ringbahn in Moabit ist er von besonderer Bedeutung für den Gütertransport in die Innenstadt. Versandunternehmen wie die DHL transportieren auf diesem Weg einen Teil ihrer Sendungen, aber auch Einzelhandelsunternehmen wie Galeria Karstadt Kaufhof werden über das Drehkreuz auf dem Schienenweg mit Waren versorgt.

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Nach dem Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen, bei dem fünf Menschen getötet und mehr als 60 verletzt wurden untersucht die Bahn derzeit bundesweit ihr Streckennetz. Als mögliche Ursache für den Unfall gelten die verwendeten Betonschwellen. Rund 200.000 Exemplare des gleichen Bautyps lässt das Unternehmen daher derzeit bundesweit überprüfen und austauschen.

Schwellenproblem betrifft auch Personenverkehr in und um Berlin

Auch andere Strecken in Berlin sind davon betroffen. So hat die DB Netz AG den Abschnitt der Linie RB26 zwischen Lichtenberg und Mahlsdorf seit dem 15. Juli gesperrt. Dort stehen die Arbeiten jedoch kurz vor dem Abschluss.

„Es sieht so aus, dass wir Sonnabend mit ein paar Einschränkungen wieder fahren können“, sagte Holger Reimann von der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB), die die Linie betreibt. Nur morgens und abends sollen am Sonnabend und Sonntag wegen letzter Arbeiten noch mehrere Verbindungen ausfallen.

Mit dem Schwellen-Problem kämpft die NEB auch auf einer ihrer eigenen Strecken. Um Schwellen auszuwechseln ist nun auch die Linie RB60 zwischen Letschin und Werbig nahe der deutsch-polnischen Grenze unterbrochen. Die wegen geplanter Bauarbeiten zwischen Werbig und Frankfurt (Oder) bereits bestehende Ersatzverkehr mit Bussen werde dazu entsprechend verlängert, erklärte Reimann.

Wie lange die zusätzlichen Einschränkungen dauern werden, sei der NEB von der Deutschen Bahn nicht mitgeteilt worden. Regulär dauert die Sperrung zwischen Frankfurt 8Oder) und Werbig noch bis zum 21. August an.

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