Ein Kulturzentum für Lichtenrade : Im Dezember öffnet die Alte Mälzerei

Seit 1929 stand der große rote Backsteinbau in Lichtenrade leer. Jetzt soll neues Leben einziehen – mit Bibliothek, Musikschule, Jugendmuseum.

Ein Wahrzeichen Lichtenrades. Im Dezember sollen die Arbeiten an der "Alten Mälzerei" beendet sein.
Ein Wahrzeichen Lichtenrades. Im Dezember sollen die Arbeiten an der "Alten Mälzerei" beendet sein.Foto: Sigrid Kneist

Jahrzehntelang stand das riesige rote Backsteingebäude leer, das das Stadtbild östlich vom S-Bahnhof Lichtenrade dominiert. Abweisend, fast ein bisschen geheimnisvoll wirkt der Bau mit seinen kleinen Fenstern und den großen Schornsteinen. 1929 wurde dort zum letzten Mal der für die Bierproduktion so unerlässliche Grundstoff Malz produziert; seitdem stand die „Alte Mälzerei“ größtenteils leer. Lediglich das Erdgeschoss wurde zeitweise in den Jahren der Teilung der Stadt als Lager für die „Senatsreserve“ genutzt, also für all die Güter, die für den Fall einer erneuten Blockade oder Konfrontation mit der DDR oder der Sowjetunion gehortet wurden.

Der Baustadtrat kommt ins Schwärmen

Im Dezember zieht, wenn die Bauarbeiten im Plan bleiben, wieder Leben in dieses Denkmal des Industriebaus aus der Wilheminischen Zeit ein. Produziert wird dann dort allerdings nichts mehr. Der markante Bau wird ein großes Kulturzentrum für den südlichsten Teil des Bezirks Tempelhof-Schöneberg werden.

Ein Modell der zweigschossigen Bibliothek
Bücher statt Bier. So soll die geplante Bibliothek in der Alten Mälzerei aussehen.Foto: Promo

Baustadtrat Jörn Oltmann (Grüne) kommt sofort ins Schwärmen, wenn er von den Planungen erzählt. Die Alte Mälzerei werde der „Magnet schlechthin“, der „Identifikationsort für Lichtenrade“. Eine Bibliothek soll in die ersten beiden Stockwerke einziehen, die Musikschule und die Volkshochschule werden Räume beziehen. Die Lehrküche der VHS und die Lichtenrader Suppenküche kommen dort unter, ebenso ein Planungsbüro. Unterm Dach wird ein „Experimentarium“ des Jugendmuseums eingerichtet. Es soll Raum für Ausstellungen geben, für Konzerte, für Kunstevents. Noch ist nicht die gesamte Fläche verplant.

Die Begeisterung für das Projekt ist parteiübergreifend

Jörn Oltmann berichtet von der parteienübergreifenden Begeisterung im Bezirk, das aufwendig sanierte Gebäude als Kulturstandort am Stadtrand zu nutzen. Das gesamte Bezirksamt habe sich engagiert und dafür eingesetzt. Jetzt muss noch das Abgeordnetenhaus formal die Mittel dafür freigeben, dass der Bezirk mit seinen Kultureinrichtungen dort einziehen kann. Der politische Wille ist aber da, und Oltmann rechnet mit einer baldigen Entscheidung der Parlamentarier noch vor der Sommerpause Ende Juni. Rund 3000 Quadratmeter wird der Bezirk in dem insgesamt sechsgeschossigen Gebäude nutzen.

Baustadtrat Jörn Oltmann, Planerin Sabine Slapa und Investor Thomas Bestgen vor der Baustelle
Die drei von der Baustelle. Baustadtrat Jörn Oltmann, Planerin Sabine Slapa und Investor Thomas Bestgen (von links).Foto. Sigrid Kneist

Realisiert wird das Projekt der „Alten Mälzerei“ von dem Investor Thomas Bestgen und seiner UTB–Projektmanagement GmbH. Er entwickelt auch das angrenzende Stadtquartier, das „Lichtenrader Revier“, und baut dort rund 200 Wohnungen. Dabei setzt er verstärkt auf neue Formen des gemeinsamen Wohnens und den genossenschaftlichen Wohnungsbau sowie auf innovative Mobilitätskonzepte. Von Anfang an habe er die Beteiligung der Anwohner gefördert; diese seien Investoren gegenüber oft skeptisch. „Im Berliner Duden kommt Investor gleich hinter Kleinkriminellen“, sagt Bestgen.

Mit dem Denkmalschutz wurde hart gerungen

Wichtig ist Bestgen, der schon in Schöneberg das „Lokdepot“ und direkt am Tempelhofer Feld das Quartier an der Friesenstraße gebaut hat, dass öffentliche Orte geschaffen werden, Stadtplätze entstehen und auch die „Alte Mälzerei“ ein offener Ort ist. Deswegen wird dort im Erdgeschoss ein Café entstehen. „So wie in Bibliotheken in anderen Städten Europas auch“, sagt Bestgen. Eine große Herausforderung bei der Planung war der Denkmalschutz. Mit ihm musste hart gerungen werden.

Sehr froh ist Bestgen, dass an der Eingangsfassade über die gesamte Höhe ein sogenanntes „Lichtband“, also große Fenster, geschaffen werden können. Denn die alte Malzfabrik hatte nur kleine Fenster; zum Schutz der dort zu verarbeitenden Gerste sollte nur möglichst wenig Licht und Wärme in das Gebäude gelangen. Auch wichtige Maschinen oder Installationen, die an die Malzproduktion erinnern, mussten erhalten bleiben. Beispielsweise die „heiße Sau“, ein aufwendiges, raumgreifendes Rohrkonstrukt, das notwendig für die Erwärmung war. Sie durfte auf keinen Fall abgebaut werden und wird später hinter Glas zu sehen sein.

Auch die Bahnhofstraße wird komplett umgebaut

Das Projekt der „Alten Mälzerei“ ist auch Teil der Städtebauförderung in Lichtenrade rund um die Bahnhofstraße, die Haupteinkaufsstraße in Lichtenrade. Dort werde in den kommenden Jahren viel passieren, sagte Sabine Slapa vom Planungsbüro „Die Raumplaner“. „Wir reißen die komplette Bahnhofstraße auf und machen sie schön.“ Die Arbeiten sollen im zweiten Quartal des kommenden Jahres beginnen. Auf den Stadtteil und die Bewohner kommt eine Menge zu in den kommenden Jahren. Denn auch der Ausbau der Dresdner Bahn belastet Lichtenrade. Die Mälzerei ist da das Projekt, das als Erstes fertig werden soll. Noch sieht man in dem Gebäude nur rohe Wände und Böden, es staubt; man kann sich kaum vorstellen, dass in einem halben Jahr die Arbeiten beendet sein sollen. Aber Investor Bestgen ist optimistisch: „Weihnachten können wir hier feiern.“

Im Rahmen des bundesweiten Tages der Städtebauförderung am Sonnabend gibt es ein umfangreiches Programm rund um die Bahnhofstraße und Führungen durch die „Alte Mälzerei“. Steinstraße 37, Lichtenrade, 11. Mai, 12 bis 22 Uhr, Infos: www. tag-der-staedtebaufoerderung.berlin.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar