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BER,Task Force,Schönefeld,Platzeck,Flughafen: Ein Lotse für Platzeck

Staatssekretär Rainer Bretschneider leitet die Task Force für den neuen Flughafen in Schönefeld. Dabei hatte ihn Ministerpräsident Platzeck schon fast in den Ruhestand geschickt

Ein dickes Fell, ein stoisches Gemüt bringt er schon mal mit für seine Mission, und was für eins. Als die Anwohner um den künftigen Hauptstadtflughafen in Schönefeld vor zwei Jahren auf die Barrikaden gingen, weil die neuen Flugrouten am BER plötzlich etwa über Teltow, Kleinmachnow oder Stahnsdorf führten, als die Politiker reihenweise abtauchten, da war er der einzige Regierungsvertreter Brandenburgs, der in die Bürgerversammlungen ging, sich regelmäßig ausbuhen, auspfeifen ließ. Und es machte ihm augenscheinlich auch noch Spaß. „Schwierige Probleme stacheln mich eben an“, sagt Rainer Bretschneider, 63 Jahre, bislang Staatssekretär im Potsdamer Infrastrukturministerium, mit dem für ihn so typischen hintersinnigen Lächeln.

Er ist es, der als Flughafen-Staatssekretär für Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck den neuen BER-Krisenstab in der Potsdamer Regierungszentrale leiten wird. Seine Aufgabe wird es sein, Platzecks neuen Job als Flughafen-Aufsichtsratschef zu koordinieren, hinter den Kulissen zu steuern, intern ein funktionierendes Frühwarnsystem aufzubauen, das es nie gab.

Dass Platzeck gerade ihn benennt, dass er seinen eigenen Erfolg als Aufsichtsratschef und damit sein Überleben als Ministerpräsident von Bretschneider abhängig macht, ist eine kleine Ironie der Geschichte. Und für Bretschneider auch ein stiller Triumph, obwohl er es als loyaler Beamter nie aussprechen würde. Es hatte ihn tief getroffen, als er 2009, vorher bereits Staatssekretär, bei der rot-roten Regierungsbildung von Platzeck nach Hause geschickt wurde. Einstweiliger Ruhestand, obwohl noch voller Energie, nach 19 Jahren im Verkehrsministerium. Mit ihm selbst hatte das nichts zu tun. Parteigänger mussten mit Ämtern versorgt werden. Der gebürtige Westfale hatte das Verkehrsministerium mit aufgebaut, seit er im Frühsommer 1990 aus dem Düsseldorfer Wirtschaftsministerium als Aufbauhelfer nach Potsdam gezogen war. Platzeck korrigierte die Fehlentscheidung zwar drei Monate später, bei der ersten sich ihm bietenden Gelegenheit, reaktivierte Bretschneider, doch am eigenen Leib erlebt zu haben, wie unberechenbar Politik sein kann, hat ihn durchaus verändert. „Ich bin freier, unabhängiger geworden“ , sagt er.

In der Wirtschaft heißt es: Das ist die richtige Entscheidung

Über den Flughafen braucht man ihm nicht viel zu erzählen. Er hat das Projekt von Beginn an begleitet, er wusste viel, und er ahnte noch mehr. Als Abteilungsleiter war Bretschneider für das Planfeststellungsverfahren zuständig, für die 200 000 Einwendungen, die sauber abgewogen werden mussten. Er hält sich zugute, dass der Flughafen zumindest „juristisch eine Erfolgsgeschichte ist“.

Der Planfeststellungsbeschluss wurde vom Bundesverwaltungsgericht in letzter Instanz bestätigt, auch die Flugroutenklage abgeschmettert. Eine Einschränkung gibt es, der lange fehlende Schallschutz für rund 20 000 Anwohner. Zwar intervenierte Bretschneider früh, dass der praktizierte Standard gegen den Planfeststellungsbeschluss verstoße, ließ es aber dabei bewenden – bis zum Urteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin Brandenburg. Und er ist es, er, der sich selbst als „listenreich“ bezeichnet, der den gewagten Versuch Brandenburgs verantwortet, das Urteil zu entschärfen, dem Flughafen 200 Millionen Lärmschutz-Euro zu ersparen.

Er versuchte stets, das Potsdamer Verkehrsministerium möglichst nicht in die Schusslinie kommen zu lassen. Er hielt engen Kontakt zu allen Fraktionen im Landtag, zur Wirtschaft, was sich auszahlt – nun vielleicht für Platzeck. Sogar die einheimischen Unternehmer sind von dessen Personalentscheidung begeistert, „genau die richtige“ Wahl heißt es über den Mann, von dem Platzecks Schicksal abhängt.

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