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Fehlende IT-Infrastruktur : Berliner Senat scheitert an Digitalisierung der Schulen

Der geplante Breitbandausbau wurde noch nicht einmal in Auftrag gegeben. Die Staatssekretärin macht den IT-Dienstleister verantwortlich.

Klappt es bis Ende 2020? Die Digitalisierung der Berliner Schulen hängt hinterher.
Klappt es bis Ende 2020? Die Digitalisierung der Berliner Schulen hängt hinterher.Foto: Marc Tirl/dpa

Der Digitalausbau der Berliner Schulen bleibt um Jahre hinter den Zielmarken der rot-rot-grünen Landesregierung zurück. Wie Recherchen des Tagesspiegels ergaben, wurde der Auftrag für den Anschluss der 700 allgemeinbildenden Schulen an das leistungsfähige Breitbandnetz bisher noch nicht einmal durch den Senat vergeben. Dies teilte das IT-Dienstleistungszentrum (ITDZ) auf Anfrage mit.

"Das ITDZ Berlin wurde bisher nicht mit der Durchführung der Breitband-Anbindung der allgemeinbildenden Schulen beauftragt", lautete die entsprechende Antwort von Sprecherin Diana Dasch.

Diese Auskunft überrascht umso mehr, als es in der rot-rot-grünen Koalitionsvereinbarung von 2016 zum Thema „digitale Bildung“ hieß, dass die Koalition die IT-Infrastruktur der Schulen „mit schnellen und leistungsfähigen Breitbandanschlüssen, W-Lan für alle und einer zeitgemäßen Hard- und Software-Ausstattung“ stärken werde. Seither waren Bildungsfachleute und Schulen davon ausgegangen, dass der Ausbau bereits begonnen haben müsse.

Das ist aber nicht der Fall. Vor dem Hintergrund der Bedeutung von digitalisierter Bildung infolge der Corona-Pandemie bekommt die Verzögerung nochmals eine besondere Bedeutung.

„Solange keine zentrale Verantwortlichkeit ausgeübt wird, sind die Schulen auf sich allein gestellt und es gibt nur lauter Einzellösungen“, sagte die grüne Haushalts- und Bildungsexpertin Stefanie Remlinger zu dem Vorgang. Die Senatsverwaltung für Bildung müsse in diesem Bereich „mehr Verantwortung übernehmen“.

Bildungsstaatssekretärin Beate Stoffers selbst verwies auf das ITDZ, das der Senatsverwaltung für Inneres unterstellt ist. Ihre Verwaltung habe das gesamte Jahr 2019 hindurch auf das Ergebnis eines „Berichtsauftrages“ gewartet. Inzwischen liegt das Ergebnis vor, mit dem sie aber nicht zufrieden sei, da das ITDZ nicht so viele Schulen wie nötig pro Jahr anbinden könne, sagte Stoffers auf Anfrage. Die Zahl der vom ITDZ pro Jahr veranschlagten Schulen wollte sie nicht nennen.

Auch viele Berufsschulen warten bisher vergeblich

Viele Schulen können ihre Ausrüstung nicht nutzen - wegen Bauarbeiten oder mangels ausreichendem Internet.
Viele Schulen können ihre Ausrüstung nicht nutzen - wegen Bauarbeiten oder mangels ausreichendem Internet.Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild

Wie lange es dauern kann, wenn das ITDZ Schulen an das Breitband anschließt, ist bereits bekannt: Es hatte den Auftrag, diese Dienstleistung für die rund 70 öffentlichen Berufsschulen und Oberstufenzentren zu erbringen. Zunächst hatte die inzwischen ausgeschiedene Leiterin des ITDZ, Ines Fiedler, in Aussicht gestellt, dass die Anbindung dieser Schulen bis Ende 2019 abgeschlossen sein könne. Dieses Ziel wurde verfehlt. Inzwischen hofft die Bildungsverwaltung, dass es bis Ende 2020 klappen könnte. Das habe der neue ITDZ-Leiter in Aussicht gestellt.

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Der schleppende Breitbandausbau alarmiert die Schulen vor allem deshalb, weil sie ohne diese Voraussetzung Schwierigkeiten haben, ihre Klassenzimmer mit W-Lan zu versorgen. Ohne "sämtliche Infrastrukturkomponenten" vorweisen zu können, dürfen sie vom Geld aus dem Digitalpakt keine digitalen Endgeräte anschaffen. Dies wiederum hindert die Schulen daran, zukunftsfähige Medienkonzepte zu schreiben, mit denen sie Mittel aus dem Digitalpakt beantragen sollen.

Dass Berlin derartige Probleme mit dem Breitbandausbau hat, wird mit den vielstufigen Verfahren begründet: Zunächst muss das Breitband bis an die Schule geführt werden, dann in den Keller und von da aus in alle Räume. Allerdings zeigt Hamburg, dass diese Abläufe durchaus zu schaffen sind. Dort wurde der Auftrag bereits 2008 durch die Schulbehörde vergeben, teilte Behördensprecher Peter Albrecht auf Anfrage mit. Abgeschlossen war das Projekt dann bereits im September 2013: Seither sei „das Ziel eines breitbandigen Anschlusses für die staatlichen allgemeinbildenden Schulen erreicht“.

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