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Symbolbild aus einem Pflegeheim in Hamburg

© picture alliance / dpa

Tagesspiegel Plus

„Berlin ist nicht hitzefest!“: So bereitet sich die Hauptstadt auf extreme Temperaturen vor

Hitzetote sind eine „bittere Realität“, sagt Berlins Ärztepräsident. Wie sich die Stadt auf kommende Hitzewellen vorbereitet.

„Berlin ist nicht hitzefest“, sagt Peter Bobbert, der Präsident der Berliner Ärztekammer. Der Mediziner spricht von „einer bitteren Realität“, wenn er auf Zahlen von Hitzetoten in der Region blickt: 1.400 Menschen seien zwischen 2018 und 2020 in Berlin und Brandenburg an den Folgen hoher Temperaturen gestorben, eine oft unterschätzte Folge der Klimakrise.

Die Gefahr steigt mit jedem Tag, an dem sich eine Hitzewelle in der Stadt festsetzt und jeder „tropischen Nacht“, in der die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt. Besonders betroffen sind ältere und vorerkrankte Menschen, die in ihrer Wohnung leben und nicht realisieren, dass sie zu wenig Flüssigkeit aufnehmen. Daneben trifft die Hitze häufig auch Schwangere, kleine Kinder, Obdachlose und Menschen, die im Freien arbeiten, besonders schlimm.

Lange ist in dieser Thematik in Berlin wenig geschehen. Im Juni wurden nun erstmals Musterhitzepläne veröffentlicht, um auf die Gefährdung von vulnerablen Bevölkerungsgruppen in Hitzephasen besser reagieren zu können. Die Gesundheitsverwaltung, Ärztekammer und Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit setzten sich dafür mit allen wichtigen Akteuren im Gesundheitswesen an einen Tisch und begründeten das Aktionsbündnis Hitzeschutz Berlin.

Für Peter Bobbert kommt dieser Schritt wegen der intensiver und schneller werdenden Hitzewellen „viel zu spät“. Dennoch läge Berlin hier bundesweit sehr weit vorne. Kein anderes Bundesland habe ähnlich detaillierte Hilfestellungen gemeinsam mit den Akteuren erarbeitet – die Theorie könne so schneller zur Praxis werden.

Wenn der Deutsche Wetterdienst eine Hitzewarnung herausgibt, sollen dem Plan zufolge Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Arztpraxen, Technisches Hilfswerk, Polizei und Feuerwehr ihre jeweils eigenen Maßnahmenkataloge umsetzen – auf der Basis von Freiwilligkeit. Sichergestellt werde dies durch eine „Kommunikationskaskade über das Lagezentrum der Innenverwaltung“ an alle relevanten Akteure, schreibt die Gesundheitsverwaltung auf Anfrage. Die Hitzeschutzpläne betrachte man als „wichtigen Baustein“, um Bevölkerung und Gesundheitswesen auf die Auswirkungen des Klimawandels vorzubereiten.

Peter Bobbert, Präsident der Ärztekammer Berlin.
Peter Bobbert, Präsident der Ärztekammer Berlin.

© picture alliance/dpa/Ärztekammer Berlin

Die auf der Bündnis-Webseite hitzeschutz-berlin.de aufgeführten Checklisten enthalten Hinweise zu Schulungen, Personalplanungen, der Lagerung von Medikamenten und zur Temperaturreduzierung in Räumen. Doch wie viele dieser Maßnahmen greifen jetzt schon, wenn aktuell Menschen in einer schweren Hitzewelle geschützt werden müssen? Mit dem Hubertuskrankenhaus in Zehlendorf habe bereits eine erste Klinik den Musterplan für ihr Haus umgesetzt, sagt Peter Bobbert.

Der Vivantes-Konzern, der an acht Berliner Standorten Kliniken betreibt, spricht von „zahlreichen Maßnahmen“, die im akuten Fall umgesetzt würden. Besonders die empfohlenen baulichen Veränderungen könnten jedoch erst nach und nach bewältigt werden, „abhängig vom Vorhandensein entsprechender Investitionsmittel“.

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Bobbert sagt mit Blick auf klimaresistente Umbauten: „Wir reden über Jahre.“ Gleichwohl könne man jetzt „binnen Stunden“ Basismaßnahmen umsetzen, um Menschen vor dem Hitzetod zu bewahren. Beispielsweise müssten in Kliniken und bei Pflegediensten Verantwortliche benannt werden, die darauf achteten, dass alle genug trinken. „Wir sehen, dass in den letzten Wochen und Monaten viel in den Einrichtungen gemacht worden ist.“

Auch die Berliner Feuerwehr bereitet sich auf Tage mit Extremhitze vor. Solche Ereignisse würden bei der sogenannten Lageplanung berücksichtigt, sagte ein Sprecher am Montag. Zudem werde sicherlich wie üblich geprüft, ob zusätzliche Rettungswagen bereitgestellt werden müssen – und wie das möglich ist. Allerdings ist die Lage beim Rettungsdienst in Berlin mehr als angespannt. Wegen fehlender Rettungswagen wird inzwischen an fast jedem Tag der Ausnahmezustand ausgerufen. Die wenigen noch verfügbaren Wagen müssen dann teils durch die ganze Stadt fahren, die Patienten müssen länger auf die Retter warten. Bei Hitze warnt die Feuerwehr übrigens auch ihre Mitarbeiter: Sie müssen sich mehr Wasser mitnehmen.

Der richtige Umgang mit Hitzewellen ist für den Ärztekammerpräsidenten Bobbert nicht nur eine institutionelle Herausforderung: „Hitzeschutz ist solidarisch, er ist eine gesellschaftliche Aufgabe.“ Entsprechend aufgeklärt könne man sich selbst vor Hitze schützen und Aktivitäten herunterfahren. Vulnerable Menschen in der Umgebung sollten dabei nicht vergessen werden.

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