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Geplanter Google-Standort in Kreuzberg : Sozialer Co-Working-Space zieht ins Umspannwerk

Google stellt den geplanten Campus in Kreuzberg kostenlos zur Verfügung. Das Unternehmen selbst ist dort wegen Widerstands aus dem Kiez nicht eingezogen.

Eigentlich hätte Google ins Umspannwerk in Kreuzberg ziehen sollen.
Eigentlich hätte Google ins Umspannwerk in Kreuzberg ziehen sollen.Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Im alten Umspannwerk am Paul-Linke-Ufer 21 startete am Montag der sozialen Co-Working-Space „Bum“ die Arbeit. Bum, das steht für "betterplace Umspannwerk GmbH". Bei dem gemeinsamen Projekt wollen die Internetplattform betterplace und der soziale Träger Karuna mit finanziellem Einsatz von Google das Umspannwerk Kreuzberg gemeinnützigen Organisationen und sozial engagierten Akteuren zu zahlbaren Preise zur Verfügung stellen.

Ursprünglich war in den Räumen an der Ohlauer Straße ein Google-Campus für Start-ups geplant. Nach heftigen Protesten aus dem Kiez und einer Besetzung des Hauses vergangenen September zog sich das Unternehmen jedoch zurück und kündigte danach an, dass es ein Haus für soziales Engagement werden soll. Die Kosten für Ausbau und Miete übernahm Google.

Bislang haben sich schon mehr als ein Dutzend soziale Organisationen für Jahrespässe zur Nutzung beworben oder angemeldet, wie beispielweise Civicus, eine Alllianz von Menschenrechtsgruppen, die Paritätische Akademie und die Al-Farabi Musikakademie für geflüchtete Kinder.

Solitarife möglich - Unternehmen zahlen mehr

"Die Nachfrage ist schon sehr groß, wir haben am Anfang aber erstmal einige Arbeitsplätze nur an Leute gegeben, die woanders keinen Platz mehr hatten", sagt die Geschäftsführerin der betterplace Umpsannwerk GmbH Eva Mörchen. "Bum" richte sich hauptsächlich an nicht profitorientierte, gemeinnützige Organisationen, für die reduzierte Tarife gelten.

Ein flexibler Arbeitsplatz im Großraumbüro kostet für ein Jahr 450 Euro brutto. Wer unterstützen will, dass freie Träger und Initiativen, die kein oder wenig Geld haben, auch man Plätze unentgeltlich nutzen können, kann den "Solipreis" von 700 Euro brutto im Jahr zahlen. Rund 55 der 80 Arbeitsplätze auf insgesamt 1000 Quadratmeter sollen auf diese Weise gesellschaftlichen Initiativen langfristig eine verlässliche Basis bieten.

Der restliche Anteil an Plätzen soll variabel, auch kurzfristig angeboten werden können, für einen Tagespass von sechs Euro brutto (Solipreis: 15 Euro), für den Monat werden 45 beziehungsweise 60 Euro fällig. Die Büros links und rechts des großen Arbeitsbereiches können dann mitgenutzt werden.

Zehn bis 20 Prozent der Arbeitsplätze sollen darüber hinaus für marktübliche Tarife an profitorientiere Unternehmen, die den Kontakt zu gesellschaftlich Aktiven suchen oder sich selbst engagieren, vergeben werden.

Alle haben Zugang zu schnellem Wlan, zu einem Café sowie zum Meditationsraum.

„Bum“ muss keine Miete entrichten

Zudem gibt es es im neuen sozialen Zukunftslabor "Bum" Veranstaltungsräume wie das Auditorium, den Wintergarten und Meeting- und Seminarräume zu mieten.

Am Tage der Eröffnung kamen schon etliche Interessenten und guckten sich die Räume an, berichtet Eva Mörchen. Insgesamt gibt es bislang vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Organisationsteam, betterplace und Karuna sind jeweils mit eigenen Teams in den einst für Google gedachten Workspace eingezogen. Man zahle weder Miete noch Nebenkosten, sagt Mörchen.

Neues Zentrum für den gesellschaftlichen Wandel

Betterplace engagiert sich gesellschaftlich seit zwölf Jahren, etwa dem "betterplace lab" und mit der "betterplace academy". Die Karuna Sozialgenossenschaft versteht sich als gesellschaftliches Entwicklungslungslabor, insgesamt hat die Genossenschaft 105 Mitglieder.

Dazu zählen etwa der Paritätische Wohlfahrtsverband Hamburg, die Kurt und Maria Dohle Stiftung. Aber auch die erste Buslinie für Obdachlose Karuna SUB, die im Aufbau befindliche solidarische Landwirtschaft Lieberose und die neue Straßenzeitung Karuna Kompass gehören dazu.

Mehr zum Thema

Betterplace Umspannwerk GmbH, Paul-Lincke-Ufer 21, 10999 Berlin, www.bum.berlin, kontakt@bum.berlin.

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