Gewalt im Fußball : Hohe Strafen für Spieler von Anadoluspor Berlin

Zwei Spieler des Fußballvereins Anadoluspor werden zu jeweils zwölf Monaten Sperre verurteilt. Der Vereinsvorsitzende fürchtet um das Klub-Image.

Schilder an Berliner Fußballplatz, die zu Gewaltlosigkeit und Respekt aufrufen.
Löblich, aber nicht immer wirkungsvoll: Aufruf zu Gewaltlosigkeit und Respekt auf Berliner Fußballplätzen.Foto: Markus Hesselmann

Plötzlich standen 15 Polizisten und noch Sanitäter auf dem Sportplatz in der Monumentenstraße in Tempelhof-Schöneberg. Die Polizisten protokollierten Faustschläge und Kung-Fu-Tritte, die Sanitäter versorgten Platzwunden. Der Schlusspfiff des Spiels FC Internationale gegen Anadoluspor in der Fußball-Bezirksliga war da längst verklungen, der Tumult zwischen Inter- und Anadoluspor-Mitglieder brach nach Spiel-Ende aus. Die Polizei beendet das Ganze endgültig, es war Sonntag, 14. April.

Das Ganze landete vor dem Sportgericht des Berliner Fußballverbands (BFV), jetzt liegt das Urteil vor. Ein deftiges Urteil. Das Gericht sperrte zwei Spieler von Anadoluspor für jeweils ein Jahr. Zwölf Monate Spielpause – Zeichen dafür, wie brutal Tritte und Faustschläge waren. Das Urteil erging schriftlich. Die Verhandlung hatte drei Stunden gedauert, zu lange, um alle geladenen Zeugen zu hören. Ein Urteil wurde an diesem Abend nicht gesprochen.

Zeugen beschuldigen die angeklagten Spieler

Aber die Zeugen, die ihre Aussage gemacht hatten, waren sich einig: Die heftigste Gewalt verübten zwei Spieler von Anadoluspor. Ein dritter Spieler wurde freigesprochen, bei ihm lag wohl eine Verwechslung vor. Stattdessen wurde gegen einen anderen Spieler von Anadoluspor ein Verfahren eingeleitet.

Gerd Thomas, der Vorsitzende von Inter, war Zeuge der Auseinandersetzung. Seiner Schilderung nach hätten sich nach einer emotionalen Partie, die aber ohne Rote Karte beendet worden war, ein Spieler von Inter und der Kapitän von Anadoluspor unterhalten. „Das war nach dem Motto: Alles gut, alles abgehakt, wir vertragen uns wieder“, sagt Thomas.

Als sich ein Anadoluspor-Spieler einmischen wollte, habe der Inter-Akteur gesagt: „Lass die Sache mal unter Männern bereden.“ Plötzlich habe dieser Interspieler aber einen Ball ins Gesicht bekommen. Wer ihn geworfen habe, konnte niemand mehr sagen. Danach brach der Tumult los. Sogar Zuschauer hatten sich wohl eingemischt.

Yusuf Gedik, der Vereinsvorsitzende von Anadoluspor, sagte dem Tagesspiegel, er werde nur eines der beiden Urteile akzeptieren. Ein Spieler seines Vereins habe zwar alles abgestritten, aber aufgrund von Aussagen anderer Vereinsmitglieder sei für ihn klar, dass der Spieler geschlagen habe. Gedik selber war nicht beim Spiel gewesen, „aber ich habe mir die Geschichte von den Jungs erzählen lassen“.

Der Klubchef verurteilt Gewalt und akzeptiert ein Strafmaß

Das Urteil gegen den zweiten Spieler seines Vereins will er aber auf jeden Fall anfechten und deshalb in Berufung gehen. Dieser Spieler habe ihm gesagt, er habe zwar geschlagen, aber erst, nachdem er selber angegriffen worden sei. Er habe sich damit nur gewehrt. Der erste Schlag in diesem Tumult sei vom Bruder eines Inter-Spielers ausgegangen.

Das Urteil gegen den dritten Spieler von Anadoluspor, gegen den ein Verfahren eingeleitet wurde, will er auf jeden Fall akzeptieren. „Der hat das Strafmaß des Sportgerichts verdient, der hat geschlagen.“ Gedik empfindet es aber als „komisch, dass bei so einem Streit nur eine Seite angeklagt wird. Zu einem Streit gehören zwei.“ Anadoluspor habe aber eigentlich ein gutes Verhältnis zu Internationale.

"Wir habe ein paar Jungs, die schwierig sind"

Er verstehe freilich nicht, „das nach einem Spiel, das 3:0 ausgegangen ist, so etwas passiert“. Er sei völlig gegen Gewalt, „das geht nicht, das macht man nicht“. Er denkt an das Image seines Vereins, den er seit fünf Jahren als Vorsitzender führt, er hat Angst, dass dieses Image durch so einen Vorfall erheblich angekratzt wird. „Das sind wir nicht“, sagt er.

Er arbeite seit Jahren sehr hart, dass der Klub ein akzeptables Image besitze, und dann so etwas. „Wir haben ein paar Jungs, die sind schwierig, wir haben nicht die gesündesten Jungs, es ist schwierig, mit den Jungs zu arbeiten“, räumt er ein. „Aber Gewalt geht gar nicht.“

Er will jetzt durchgreifen. Und das Strafmaß soll dabei eine Art Lehre sein. „Vielleicht müssen ein paar bluten, damit man sieht, dass Gewalt auf dem Platz nichts zu suchen hat. Ein paar Kandidaten werfe ich raus.“

Verbandschef begrüßt harte Linie bei Urteilen

Bernd Schultz, der Präsident des Berliner Fußballverbands (BFV), kann zu den Vorgängen bei dem Spiel von Inter nichts sagen, weil er den Fall nicht kennt. Aber er sagt allgemein etwas zu Strafen und Gewalt auf dem Platz. „Bei Erwachsenen investieren wir keine Mittel mehr in Anti-Gewalt-Schulungen. Wer in dem Alter nicht begriffen hat, dass Gewalt auf Fußballplätzen nichts zu suchen hat, dem kann man nicht mehr helfen. Der muss mit längeren Sperren bis hin zum Spielausschluss rechnen.“ Da gebe es null Toleranz, sofern die Beweislage eindeutig sei.

Die Sportgerichtsbarkeit reagiere seit einiger Zeit hart. „Das hat durchaus Signalwirkung.“ Seit vier, fünf Jahren gebe diese härtere Linie. „Vorher gab es auch schon Sportgerichts-Verfahren und Urteile“, sagt Schultz. Aber da sei nicht immer der ganze Strafrahmen ausgeschöpft worden. „Da wurde milder geurteilt.“ Diese Zeiten sind jetzt vorbei.

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