Hauptstadtflughafen : BER-Firmen schwänzen Ausschusssitzung

Die auf der Baustelle tätigen Unternehmen Caverion und Bosch sagen einen vereinbarten Termin im Parlament ab. Michael Müller muss am 7. Juni vor den Ausschuss.

Heike Fölster, Finanzgeschäftsführerin der Flughafengesellschaft, sagte am Freitag vor dem BER-Untersuchungsausschuss aus.
Heike Fölster, Finanzgeschäftsführerin der Flughafengesellschaft, sagte am Freitag vor dem BER-Untersuchungsausschuss aus.Foto: Imago

Nicht gesprächsbereit: Eigentlich sollten im Berliner Abgeordnetenhaus demnächst wieder BER-Firmen, die auf der Baustelle des neuen Hauptstadt-Airports tätig sind, Rede und Antwort stehen. Und zwar am 14. März im zuständigen Ausschuss für Beteiligungen. Doch wie dessen Vorsitzender Jörg Stroedter (SPD) am Freitag dem Tagesspiegel sagte, haben jetzt die Firmen Bosch und Caverion trotz frühzeitiger Einladungen mitgeteilt, dass sie nicht erscheinen werden.

Bosch ist am BER für die Brandmeldeanlage zuständig, Caverion für das Sprinklersystem. Nach Auskunft von Stroedter will auch der TÜV nicht kommen. Er prüft für die Flughafengesellschaft (FBB) im Terminal die sicherheitsrelevanten Anlagen und soll am Ende alles zertifizieren.

„Ich kritisiere das scharf. Das ist schlichtweg eine Missachtung des Berliner Parlaments“, sagte Stroedter. „Die Firmen bekommen alle Geld, und zwar Steuergeld.“ Für ihn ist es ein weiteres Indiz dafür, dass es auf der Baustelle nicht gut aussieht, dass die angekündigte Eröffnung im Oktober 2020 nicht zu schaffen ist. „Sonst würde man ja erscheinen.“ Auf Nachfrage betonte die Flughafengesellschaft, dass sie mit den Absagen der Firmen nichts zu tun habe.

Im Oktober 2019 soll die Fertigstellungsanzeige übergeben werden

Wie berichtet, müssen spätestens bis zum Sommer 2019 alle Arbeiten abgeschlossen sein, um rechtzeitig die mit sechs Wochen eng kalkulierten Wirk- und Prinzipprüfungen aller Sicherheitssysteme vornehmen zu können. Flughafenchef Lütke Daldrup will danach, nämlich im Oktober 2019, den Baubehörden die Fertigstellungsanzeige übergeben. Doch angesichts tausender Mängel, insbesondere bei Kabeln, wird der Terminplan immer enger.

Am BER wurde bereits fünf Mal die Eröffnung verschoben, die Kosten stiegen von 2,5 Milliarden auf 6,5 Milliarden Euro. Mit den Missständen und Problemen befasste sich am Freitag auch der BER-Untersuchungsausschuss im Abgeordnetenhaus. Er legte sich auf ein für die Politik wichtiges Datum fest: Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) soll nun am 7. Juni als Zeuge vernommen werden.

Die Opposition will ihn wegen seiner umstrittenen Rolle als FBB-Aufsichtsratsvorsitzender (2015 bis 2017) ins Kreuzverhör nehmen. Kurz vor der Sommerpause, gemeinsam mit dem früheren Innensenator Frank Henkel (CDU), der auch BER-Aufsichtsrat war. Jüngst hatte Ex-Flughafenchef Karsten Mühlenfeld als Zeuge im Untersuchungsausschuss ausgesagt, dass Müller wie ein „Obergeschäftsführer“ in das Unternehmen hineinregiert habe.

"Der Einfluss der Politik war von Anfang an stark", sagt Finanzgeschäftsführerin Fölster

Die Frau, die am Freitag im Zeugenstuhl saß, bestätigte dies so allerdings nicht. Es war Heike Fölster, FBB-Finanzgeschäftsführerin, seit 2013 auf diesem Posten und damit dienstälteste FBB-Flughafenmanagerin. „Der Einfluss der Politik war von Anfang an stark. Da gab es nur minimale Schwankungen“, sagte sie in ihrer hanseatischen Art. Als sie 2013 anfing, habe es im Unternehmen kein effektives Finanzwesen gegeben, kein vernünftiges Baucontrolling, keine vernünftige Buchhaltung, kein Risikowarnsystem, habe man Tankquittungen noch in Papierform eingereicht, sagte Fölster.

Im Vergleich zu Firmen, wo sie vorher tätig gewesen sei, habe man hier zehn Jahre zurückgelegen. Das alles habe sie dann bis Anfang 2015 geändert. Fölster sprach sich gegen einen Weiterbetrieb von Tegel aus. „Für mich war immer klar, dass Tegel geschlossen wird, wenn der BER eröffnet.“

Bemerkenswert waren ihre Aussagen zur FBB-Bilanz. Demnach geht Fölster davon aus, dass nach BER-Eröffnung für die auch wegen des Pfuschs eklatant gestiegenen Baukosten des Terminals keine Sonderabschreibungen nötig sein werden, das Terminal also die verbauten Milliarden auch wert sein soll. Diese Aussage sorgte beim Grünen-Obmann Marc Urbatsch für Erstaunen: „Das hieße ja, dass sich alle Rückbauten wertsteigernd auswirken.“

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