• „Immer ist irgendwo irgendwas im Weg“: Warum Berlins größtes Bahn-Projekt noch 15 Jahre unfertig bleibt

„Immer ist irgendwo irgendwas im Weg“ : Warum Berlins größtes Bahn-Projekt noch 15 Jahre unfertig bleibt

Für die neue „City-S-Bahn“ gibt es nun immerhin Abzweigungen im Schienennetz. Doch der Tunnel macht Ärger. Ab 2021 soll erst mal nur ein Kurzzug pendeln.

Nach rechts geht es hinter der neuen Weiche in den Tunnel zum Hauptbahnhof. 
Nach rechts geht es hinter der neuen Weiche in den Tunnel zum Hauptbahnhof. Foto: Jörn Hasselmann

Bislang hieß das Projekt „S21“, der zweite Nord-Süd-Tunnel, den die Bahn seit Jahrzehnten plant. Berlins Bahnchef Alexander Kaczmarek spricht lieber von der „City-S-Bahn“. Für diese wurden am Freitag die ersten Weichen gelegt, und zwar am Westhafen und am Bahnhof Wedding.

Von diesen beiden Stationen am Nordring soll die neue Strecke abzweigen, zunächst allerdings nur bis zum Hauptbahnhof. Wegen der Bauarbeiten ist der Betrieb derzeit auf dem Ring eingestellt zwischen Gesundbrunnen und Beusselstraße, voraussichtlich bis Montagfrüh zum Betriebsbeginn. 

Ab Sommer 2021 – genauer will sich Kaczmarek da nicht festlegen – sollen die ersten Züge auf den neuen Gleisen fahren, allerdings nur zwischen Gesundbrunnen und Hauptbahnhof. Es wird einen kurzen Pendelzug aus vier Wagen im 10-Minuten-Takt geben, diese kürzeste aller S-Bahn-Linien soll übrigens S15 heißen - „S21“ gibt es nicht mehr.

Die zweite Anbindung von Hauptbahnhof nach Westen auf den Nordring soll wohl erst 2026 befahren werden. Schuld sind die Pannen und Planänderungen beim Bau des Tunnels am Hauptbahnhof.


Seit 2011 laufen die Planungen; die Inbetriebnahme war für 2017 angekündigt worden und erwies sich schnell als unhaltbar. Von 2021 bis 2026 wird es am Hauptbahnhof für die City-S-Bahn nur einen provisorischen Bahnsteig außerhalb des Gebäudes geben - auf dessen Nordseite. Die eigentliche Station direkt unterhalb des Hauptbahnhofs wird erst 2026 fertig.

Nach wie vor ist ungeklärt, wo genau die Tunnelröhren am Reichstag verlaufen

Wie berichtet, soll die Strecke weiter nach Süden führen, und zwar über Potsdamer Platz Richtung Gleisdreieck. In frühestens 15 Jahren könnte eine durchgehende zweite Nord-Süd-S-Bahn fertig sein. Bekanntlich fahren seit den 1930er Jahren die Züge zwischen Yorckstraße und Humboldthain unterirdisch.

Ungeklärt ist immer noch, wo genau die Tunnelröhren in Höhe des Reichstags verlaufen. Kaczmarek spricht mittlerweile von „Zentimeterarbeit“. Im Dezember war durch einen Bericht im Tagesspiegel bekannt geworden, dass die Bundestagsverwaltung die Pläne der Bahn ablehnt, aus Sorge um das historische Gebäude.

Zwar gab es mit dem Bundestag Anfang des Jahres eine Einigung, im Sommer protestierten dann Sinti und Roma, weil sie um das 2012 eröffnete Mahnmal fürchten. Kaczmarek versprach am Freitag noch einmal, dass es für den Gedenkort „den maximalen Schutz“ geben werde.

„Immer ist irgendwo irgendwas im Weg“

Neben dem Reichstagsgebäude und dem Mahnmal erschweren auch die Pläne des Bundestages für ein Besucherzentrum den Tunnelbau der Bahn. Mittlerweile seien die Planer bei Variante 15 angelangt, sagte Kaczmarek dem Tagesspiegel, inklusive der Untervarianten gebe es wohl 40 verschiedene Versionen. „Immer ist irgendwo irgendwas im Weg“, seufzte der Bahnchef. 

Blick von der Putlitzbrücke. Die große gelbe Baumaschine steht auf der zweiten Weiche, die am Freitag eingebaut wurde. 
Blick von der Putlitzbrücke. Die große gelbe Baumaschine steht auf der zweiten Weiche, die am Freitag eingebaut wurde. Foto: Jörn Hasselmann

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Ab Eröffnung der Siemensbahn werden die Züge von Gartenfeld durch die Siemensstadt und Jungfernheide an den Hauptbahnhof angebunden. Kaczmarek meinte am Freitag dann halb ernst gemeint, dass die beiden neuen Weichen ja schon die allerersten für die Siemensbahn seien.

Ab Montag sollen auf dem Nordring wieder S-Bahn-Züge fahren, und zwar auf dem Gleis, auf dem der Bagger steht.
Ab Montag sollen auf dem Nordring wieder S-Bahn-Züge fahren, und zwar auf dem Gleis, auf dem der Bagger steht.Foto: Jörn Hasselmann

Die Stichstrecke zwischen Jungfernheide und Gartenfeld soll 2029 fertig sein, also zum 100. Geburtstag der Strecke. Geprüft wird derzeit, wie ein Weiterbau Richtung Havel möglich ist. Für die Verlängerung werden in der Machbarkeitsstudie drei unterschiedliche Trassenkorridore untersucht.

Die Siemensbahn habe „Prioriät 1“ bei der Bahn, sagte Kaczmarek. Bekanntlich hatte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) den Wiederaufbau der 1980 stillgelegten Strecke zugesagt, weil der Siemens-Konzern 600 Millionen Euro in den Standort investieren will. Bislang wurden Bäume gerodet, noch in diesem Monat soll mit dem Abräumen des alten Schotters begonnen werden.  

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