Internationaler Vergleich : Tegel und Schönefeld unter den pünktlichsten Flughäfen

Die beiden Berliner Flughäfen halten in Europa überraschend gut mit, bisher gab es nur wenige Pannen im Ferienverkehr. Den Mitarbeitern macht aber die Hitzewelle zu schaffen.

In Sachen Pünktlichkeit stehen die Flughäfen Tegel (Foto) und Schönefeld international gut da.
In Sachen Pünktlichkeit stehen die Flughäfen Tegel (Foto) und Schönefeld international gut da.Foto: Paul Zinken/dpa

Das ist ein Ding. Ausgerechnet die in die Jahre gekommenen Flughäfen Schönefeld und Tegel gehören zu den pünktlichsten im nationalen und internationalen Vergleich. Zuletzt waren nach Angaben von Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup durchschnittlich 77 Prozent der Flüge in Tegel und 75 Prozent in Schönefeld pünktlich. Beide Flughäfen hätten damit besser abgeschnitten als Frankfurt (Main), München, Düsseldorf, London Heathrow und Gatwick sowie Amsterdam und Barcelona. Als pünktlich gilt ein Flug, wenn er sich nicht mehr als 15 Minuten verspätet.

Gepäckbandanlagen haben bisher durchgehalten

Im Sommer verschlechterten sich die Werte, weil der Verkehr stark zunehme, sagte Lütke Daldrup am Dienstag anlässlich einer Zwischenbilanz zum Ferienflugverkehr. Insgesamt sei er aber zufrieden. Große Pannen habe es bisher nicht gegeben, pflichtete ihm Andreas Deckert bei, der Leiter Aviation der beiden Flughäfen. Nur eine der Bahnen in Tegel habe kurzfristig ausgebessert werden müssen. Durchgehalten hätten aber beispielsweise auch die Gepäckbandanlagen.

In den beiden letzten Ferienwochen würden sie nochmals durch den Rückreiseverkehr besonders beansprucht. Lütke Daldrup und Deckert sind aber überzeugt, dass die Bänder auch diese Belastung aushalten werden. „Glück gehört aber dazu“, schränkte Deckert ein.

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Von den Verspätungen seien in Tegel lediglich 3,1 Prozent durch nicht funktionierende Einrichtungen des Flughafens verursacht worden, sagte Lütke Daldrup. In Schönefeld habe es gar keine verspäteten Flüge wegen Flughafeneinrichtungen gegeben.

Hauptursache für Verspätungen seien mit zusammen rund 85 Prozent verspätet eintreffende Maschinen sowie Einschränkungen bei den Flugsicherungen und den Streckenkapazitäten in Europa, sagte Lütke Daldrup. Auch Landungen in Schönefeld, die erforderlich werden, wenn wegen des Nachtflugverbots in Tegel nicht mehr gelandet werden darf, führten zu verspäteten Abflügen, weil die Flugzeuge dann am Morgen erst leer nach Tegel fliegen müssen. In diesem Jahr seien bisher 120 Flüge umgeleitet worden, zum Teil auch nach Leipzig, Hannover oder Rostock-Laage.

Der Flughafen lässt sich seine guten Werte auch einiges kosten: Planmäßig habe man in Tegel fünf Millionen Euro investiert, für besondere Maßnahmen habe man zusätzlich sechs Millionen Euro aufgebracht, sagte der Flughafenchef. Unter anderem wird im Termin D die Sicherheitskontrollstelle erweitert, um dort die Wartezeiten zu verkürzen. Die Anlage soll am 20. August betriebsbereit sein – pünktlich zum Ende der Sommerferien. Aber die nächsten kommen gewiss, und nach der Rechnung von Lütke Daldrup muss Tegel ja noch zwei weitere Sommerferien durchhalten, wenn es gelingt, den BER im Oktober 2020 in Betrieb zu nehmen.

Mitarbeiter müssen Gepäck auf dem Vorfeld bei bis zu 60 Grad umladen

Allerdings spüre der Flughafen inzwischen auch die Hitzewelle, sagte Deckert. In den vergangenen zwei Wochen hätten angekommene Passagiere zum Teil erheblich länger auf ihr Gepäck warten müssen als zuvor. Dies liege an der enormen Belastung der Mitarbeiter, die auf dem Vorfeld das Gepäck bei Temperaturen bis zu 60 Grad umladen müssten. „Hier kann man das übliche Tempo nicht mehr schaffen“, sagte Deckert. Auch der Krankenstand sei gestiegen. Während einer Acht-Stunden-Schicht müssen nach Lütke Daldrups Angaben in Tegel durchschnittlich 18 788 Gepäckstücke mit einem Gesamtgewicht von 281 Tonnen manuell verladen werden.

Durchschnittlich startet oder landet alle zwei bis drei Minuten eine Maschine; 64 Gesellschaften fliegen zu 137 Zielen in 47 Ländern. In Schönefeld geht es mit 34 Airlines zu 121 Destinationen in 42 Ländern. Lüdtke Daldrup lobte den Einsatz der Mitarbeiter – an den Schaltern ebenso wie auf dem Vorfeld oder beim Gepäckservice. Sie seien die „Helden des Alltags“.

In die Bredouille können Passagiere allerdings kommen, wenn sie das Flughafengebäude verlassen haben. Am Dienstag mussten sie gegen Mittag mehr als 20 Minuten auf einen TXL-Bus Richtung Alexanderplatz warten, weil die Busse im Stau steckten. Da bringen auch die pünktlichen Flüge nichts.

Mehr zum Thema Nachtflüge: Am Dienstag hat das Bundesverfassungsgericht die Nachtflug-Regelung für den BER gebilligt und Verfassungsbeschwerden von Anwohnern abgewiesen.

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