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Japanischer Top-Manager in Berlin : Müller empfängt Mitsubishi-Electric-Vorstand

Der Titel auf der Visitenkarte von Satoshi Matsushita sprengt jeden Rahmen. Am Freitag tourt der Topmanager durch Berlin, um „alte Bekannte“ wiederzutreffen.

Michael Müller (M.) und Satoshi Matsushita (r.) im Mai 2019 in Tokio.
Michael Müller (M.) und Satoshi Matsushita (r.) im Mai 2019 in Tokio.Foto: Kevin P. Hoffmann

Es dauert in der Regel drei bis vier Jahre ab dem erst Kontakt, bis man mit Japanern ins Geschäft kommt. Das war nur eine von vielen fernöstlichen Weisheiten, die Michael Müller im Mai bei seinem Besuch in Tokio einsammeln durfte. Insofern haben er und viele Mitglieder der Delegation der Industrie- und Handelskammer (IHK), die ihn damals begleiteten, keine zu drängenden Erwartungen an ihre neuen Kontakte. 

An diesem Freitag aber kommt immerhin eine hochrangige Bekanntschaft aus Fernost zum Gegenbesuch nach Berlin: Satoshi Matsushita. Auf seiner Visitenkarte, die man in Japan ja stets mit beiden Händen und angemessen leichter Verbeugung übergibt, steht: „Executive Officer & Group President, Global Strategic Planning & Marketing Group, Mitsubishi Electric Corporation“. Man könnte verkürzt sagen, der Mann ist im Mitsubishi Electric-Vorstand fürs Auslandsgeschäft und das Marketing zuständig.

Mitsubishi Electric – der Konzern hat schon seit den 1940er-Jahren nichts mehr mit Mitsubishi Motors oder Mitsubishi Heavy Industries am Hut – entwickelt und produziert weltweit unter anderem Klimaanlagen, Halbleiter, Roboter für Fabriken, Teile für die Energieversorger, Bahn- und Autohersteller, aber auch Weltraumtechnologie, Satelliten etwa.

Michael Müller war im Mai 2019 mit einer Delegation der Industrie- und Handelskammer nach Tokio gereist. Er nahm unter anderem an einem Treffen seines internationalen Bürgermeister-Netzwerkes teil und traf Japans Premier Shinzo Abe.
Michael Müller war im Mai 2019 mit einer Delegation der Industrie- und Handelskammer nach Tokio gereist. Er nahm unter anderem an...Foto: Kevin P. Hoffmann

Am Donnerstag war Satoshi Matsushita auf der Fabrikautomationsleitmesse SPS in Nürnberg, am heutigen Freitag standen Treffen in Berlin an: So traf sich der Gast am Morgen mit IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder im Charlottenburger Ludwig-Erhard-Haus. Am Mittag hatte er einen Termin mit Müller im Roten Rathaus. „Es ist entscheidend für den Erfolg einer Delegationsreise, dass man im Anschluss am Ball bleibt", sagte IHK-Chef Eder nach dem Treffen. "Deshalb freue ich mich sehr über diesen Gegenbesuch. Wir haben bereits zwei Projekte für eine mögliche Zusammenarbeit identifiziert und werden daran jetzt weiter arbeiten.“ Welche konkreten Projekte dies sind, sagte Eder nicht.

Auch das Treffen beim Regierenden Bürgermeister soll in betont freundlicher und fröhlicher Atmosphäre stattgefunden haben, wie Frank Nägele, der Staatssekretär für Verwaltungs- und Infrastrukturmodernisierung, im Anschluss berichtete. Der Gast habe zunächst geschildert, was sein Unternehmen auf den Feldern Autonomes Fahren und Energie zu bieten habe. Die Berliner haben daraufhin entschieden, dass sie Mitsubishi mit Berlins CityLab am Flughafen Tempelhof und dem Thinktank InfraLab am Euref-Campus in Schöneberg zusammenbringen wollen. "Was Mitsubishi Electric anbietet, passt ganz hervorragend zu dem, was die dort kooperierenden Unternehmen wie Vattenfall und BSR ausprobieren. Es geht um Energie, deren Verteilung und die Frage, wie wir künftig in Städten wohnen", sagte Nägele.

Am Nachmittag wollte Matsushitas Tross noch durch die halbe Stadt nach Spandau ziehen zu Helmut Schramm, dem Leiter des BMW-Motorradwerks. Schramm war auch mit in Tokio.

[2300 Leute arbeiten bei BMW in Berlin-Spandau. Der Konzern spendet auch vor Ort im Kiez - hier ein konkretes Beispiel aus unserem Spandau-Newsletter. Den Spandau-Newsletter vom Tagesspiegel gibt es in voller Länge und kostenlos hier: leute.tagesspiegel.de]

Die Sprecherin wollte den Besuch im BMW-Werk nicht einmal bestätigen. Man äußere sich nie öffentlich zu Geschäftskontakten, teilte sie mit.

Erinnerungen an ein Gruppenbild mit 5,55 Prozent Frauenanteil

Damals, vor einem halben Jahr, war übrigens ein drolliges Gruppenfoto im Tokioter Verwaltungshochhaus von Mitsubishi Electric entstanden: 17 Männer und eine Frau lächelten in die Kameras. BVG-Chefin Sigrid Nikutta war es, die den Frauenanteil von null auf satte 5,55 Prozent hob. Ein Treffen mit der künftigen Logistik-Chefin des ebenfalls global aufgestellten Konzerns Deutsche Bahn steht diesmal nicht auf dem Tagesplan von Satoshi Matsushita.

Gruppenbild des Besuches einer Delegation aus Berlin bei Mitsubishi Electric in Tokio im Mai 2019. Mit dabei in der ersten Reihe von links: Helmut Schramm (BMW Motorradwerk), Sigrid Nikutta (BVG), (ein unbekannter Mitsubishi-Manager), Michael Müller, Satoshi Matsushita (Mitsubishi Electric), Jan Eder (IHK Berlin), Stefan Franzke (Berlin Partner) und Michael Geißler (Berliner Energieagentur)
Gruppenbild des Besuches einer Delegation aus Berlin bei Mitsubishi Electric in Tokio im Mai 2019. Mit dabei in der ersten Reihe...Foto: Kevin P. Hoffmann

Die Gruppe unter Reiseleitung von Mitsubishi-Electric-Deutschlandchef Andreas Wagner fürchtet auch, dass wegen der Fridays-For-Future-Demo alle Straßen dicht sind und nicht einmal Zeit bleibt für ein Erinnerungsfoto am Brandenburger Tor. In seiner Heimatstadt wäre es ihm aber kaum besser ergangen: Auch in Tokio streikten Kinder fürs Klima. Denn schon am Abend fliegt der hochrangige Vertreter des Milliardenkonzerns weiter.

Dass er in Berlin ein paar unterschriftsreife Verträge zurück lässt, ist eher unwahrscheinlich. Wie gesagt: drei bis vier Jahre Kontaktpflege. Und dann schaut man mal.

Um Berlin bei Laune zu halten, könnte er dem Regierenden Bürgermeister erzählen, dass sein Unternehmen auf der für die landeseigene Messe Berlin wichtigen Schienentechnikmesse InnoTrans einen deutlich größeren Auftritt buchen will als bisher. Müller und Matsushita vereinbarten, dass sie beim nächsten besuch in Berlin gemeinsam auf die Museumsinsel gehen.

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