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Aktivisten des Bündnisses „Am Boden bleiben“ wollen gegen die BER-Eröffnung demonstrieren.
© Fabian Sommer/dpa

Protest gegen „riesige Emissionsschleuder“: Klimaschützer wollen die BER-Eröffnung blockieren

Umweltschutzbündnisse haben am 31. Oktober zum Protest gegen die Inbetriebnahme des Flughafens aufgerufen. Taxifahrer planen Sternfahrt nach Schönefeld.

Zur lang erwarteten Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens am 31. Oktober sollen nicht nur Flugzeuge, sondern auch Drachen am BER aufsteigen. Klimaschützer und Luftfahrtgegner rufen zum Protest gegen die Inbetriebnahme des Flughafens auf.

Mehrere Bündnisse haben angekündigt, am 31. Oktober gegen die Inbetriebnahme protestieren zu wollen – aus unterschiedlichen Motiven. Den neuen Flughafen bezeichnen Klimaschützer als „neue riesige Emissionsschleuder“.

Protest kommt unter anderem von der Jugendorganisation des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Sie will mit einer Demonstration auf die problematische Klimabilanz des Flughafens hinweisen.

Für die Organisation geht mit dem BER „ein weiteres klimaschädliches Tor zur Welt“ an den Start, weswegen ein „lautes und buntes Zeichen für klimafreundliches Reisen“ gesetzt werden soll.

Bei einem Demonstrationszug, der vom alten Flughafen Schönefeld zu den Gebäuden des BER ziehen soll, wollen die Teilnehmer „statt der dreckigen Flieger“ bunte Drachen steigen lassen. Die Veranstalter rufen dazu auf, eigene Drachen mitzubringen.

Ein Mensch im Pinguin-Kostüm bietet Führungen über das Gelände an

Bereits für den 31. Oktober sind erste Landungen auf dem Flughafen geplant, der Luftraum rund um den Flughafen dürfte daher auch am Eröffnungstag bereits stark überwacht sein.

Zu weiteren Protesten ruft das Bündnis „Am Boden bleiben“ auf. Unter dem Motto „BER – Blockieren, Einstellen, Recyclen“ will sich die Organisation „mit einer Massenaktion und mit angemessenem Hygiene-Konzept der BER-Eröffnung entgegenstellen“.

In der Video-Ankündigung der Aktion zeigt die Initiative ihre Zukunftsvision: Der Flughafen BER als „Museum des fossilen Kapitalismus“, eine Person im Pinguin-Kostüm bietet Führungen über das Gelände an. Das Kostüm ist dabei absichtlich gewählt: „Denn die coolsten Vögel bleiben am Boden!“, wie das Bündnis schreibt.

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Bekanntheit erlangte das Bündnis „Am Boden bleiben“ im vergangenen Jahr mit einer ähnlichen Aktion am Flughafen Tegel, der einen Großeinsatz der Polizei auslöste. In einer symbolischen Aktion wurde damals direkt am Flughafen gegen die Umweltzerstörung durch den Luftverkehr demonstriert.

Auch in diesem Jahr soll sich die Aktion zivilen Ungehorsams nach Darstellung der Organisatoren nicht direkt gegen einzelne Passagiere richten, sondern „gegen die Luftfahrtindustrie und die Politik, die deren Macht- und Profitinteressen erhält und unterstützt“. Das Bündnis betont seine friedlichen Absichten. Man wolle die Eröffnung des Flughafens BER mit den eigenen Körpern blockieren und „ruhig und besonnen“ agieren, heißt es in der Ankündigung. „Es ist nicht das Ziel, Infrastruktur zu zerstören oder zu beschädigen.“

Berliner Taxifahrer planen Sternfahrt nach Schönefeld

Doch nicht nur Klimaschützer, auch die Berliner Taxifahrer wollen bei der BER-Eröffnung ihren Unmut kundtun. Sie ärgern sich über die Einschränkungen bei der Anfahrt des neuen Flughafens. Von mehr als 7000 Taxis aus der Hauptstadt haben lediglich 300 die Genehmigung erhalten, Fluggäste nach Schönefeld fahren zu dürfen.

Die Regelung ist eine politische Kompromisslösung zwischen Berlin und dem Landkreis Dahme-Spreewald, in dem der Flughafen liegt. Auch in diesem Landkreis wurden 300 Lizenzen an ansässige Taxi-Fahrer vergeben. Aus Protest gegen diese Vergabepolitik haben Taxifahrer für den 31. Oktober eine Sternfahrt von Berlin zum neuen Flughafen angekündigt. Organisator Erkan Özmen rechnet mit mehr als 1000 Teilnehmern.

Auch die Polizei bereitet sich auf die Protestaktionen vor. Sie will die Versammlungsrecht garantieren und zugleich eine störungsfreie BER-Eröffnung ermöglichen.

Auf Anfrage des Tagesspiegels wollte die Polizei in Potsdam, die für Versammlungsanmeldungen am Flughafen BER zuständig ist, keine detaillierten Informationen zu bisher angemeldeten Versammlungen geben.

[Es ist soweit - der Hauptstadtflughafen soll diesmal wirklich in Betrieb gehen. Aber warum hat das eigentlich so lange gedauert? In unserem 3D-Rundgang können Sie den BER schon vorab besichtigen.]

Als Begründung nannte ein Behördensprecher datenschutzrechtliche Gründe. Er bestätigte lediglich, dass es Ankündigungen und Anmeldungen für Demonstrationen gebe, die Lage werde laufend evaluiert.

Die Polizei verfolge dabei sowohl das Ziel, die Eröffnung des Flughafen BER zu sichern als auch die demokratischen Grundrechte der Teilnehmer angemeldeter Versammlungen zu garantieren.

Abhängig von der zu erwartenden Größe der Proteste würde – wie in vergleichbaren Lagen – die Möglichkeit geprüft, bei Bedarf Unterstützung von Beamten aus anderen Bundesländern anzufordern. (mit dpa)

Yannik Achternbosch

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