Kolumne "Sonntagsfragen" : Beileid per Klick

Soll man ein Herzchen anklicken, um sein Beileid über einen Todesfall auszusprechen?

Wie reagiert man am taktvollsten auf eine Todesanzeige, zumal wenn sie über die sozialen Medien kam?
Wie reagiert man am taktvollsten auf eine Todesanzeige, zumal wenn sie über die sozialen Medien kam?Foto: Jens Büttner/ZB

Auf Instagram habe ich erfahren, dass die Mutter eines alten Bekannten verstorben ist. Ich war überrascht, dass die Nachricht viele „Gefällt mir“-Bekundungen bekommen hat. Weil mir das nicht ganz angemessen vorkam, habe ich gezögert, auf das Herz zu drücken, denn es ist doch eine sehr traurige Nachricht, die niemandem gefallen kann. Allerdings wusste ich nicht, wie man stattdessen reagieren sollte.

Aus der Perspektive des Trauernden

Ihr Gefühl, dass ein angeklicktes Herzchen nicht die richtige Reaktion auf eine Todesnachricht ist, kann ich gut nachvollziehen und finde sie richtig. Andererseits kann man sich auch in eine gewisse Hilflosigkeit hineinversetzen, die Empfänger der Nachricht überkommt. Es ist nun mal so, dass schnelle, wortlose Reaktionen nicht differenziert sein können, weil die Auswahl der Klick-Möglichkeiten so begrenzt ist. Man hat zu Recht das Gefühl, hier sei eine Reaktion vonnöten, und weiß sich dann eben nicht anders zu helfen.

Natürlich kann man sich fragen, ob soziale Netzwerke die geeigneten Medien sind, Todesnachrichten loszuwerden. Aber das muss man den Trauernden überlassen. Es ist verständlich, wenn sie der Nachricht eine schnelle und weite Verbreitung wünschen. Darauf zu reagieren, wäre eine gute Tat der einfacheren Art, wenn es den Menschen nicht so schwerfiele, zum Tod eines Menschen Worte zu finden.

Lieber ein Kommentar oder ein Blatt Papier

Lässt man das Gefällt-mir-Herz aus, bleibt die Möglichkeit eines Kommentars. An einer solchen halb öffentlichen Stelle wird man den vielleicht nicht zu persönlich und detailliert halten wollen. Eine schlicht und nicht zu gestelzt formulierte Beileidsbekundung passt in die Sprechblase gut hinein.

Wenn Sie noch eine analoge Adresse besitzen oder in Erfahrung bringen könnten, dann stehen alle Wege offen für eine wirklich korrekte Reaktion – handschriftlich auf einem weißen Bogen Papier oder einer Karte dem Trauernden etwas Tröstliches zu schreiben. Das können bestenfalls persönliche Erinnerungen an den Verstorbenen sein, Sie können aber auch der Hoffnung Ausdruck verleihen, dass er selber Trost in Erinnerungen findet. Hauptsache, Sie reagieren mit eigenen Worten. Wenige sind immer besser als gar keine.

Bitte schicken Sie Ihre Fragen mit der Post (Der Tagesspiegel, „Immer wieder sonntags“, 10876 Berlin) oder mailen Sie diese an:

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