• Kostenloses Essen für Berliner Grundschüler: „Wir werden Essen vernichten müssen“

Kostenloses Essen für Berliner Grundschüler : „Wir werden Essen vernichten müssen“

Wie viele Schüler werden das Angebot in Anspruch nehmen? Vor dem Start der kostenlosen Schulbeköstigung befürchten Caterer, dass zu großzügig bestellt wurde.

Nach den Ferien gibt es das Schulessen in Berlin für alle Schülerinnen und Schüler der ersten bis sechsten Klasse gebührenfrei.
Nach den Ferien gibt es das Schulessen in Berlin für alle Schülerinnen und Schüler der ersten bis sechsten Klasse gebührenfrei.Foto: Britta Pedersen/dpa

Für die Caterer, die den Berliner Grundschulkindern ab Montag ein kostenloses Mittagessen liefern sollen, ist der Start mit großen Herausforderungen verbunden. „Wir müssen am Montag große Mengen liefern, ohne zu wissen, wie viele Schüler tatsächlich Mittag essen wollen“, sagte Rolf Hoppe, Sprecher des Verbands der Berliner und Brandenburger Schulcaterer, dem Tagesspiegel. Die Caterer müssen so planen, dass sie alle 170.000 Grundschüler sowie rund 5000 Fünft- und Sechstklässler an Oberschulen versorgen könnten.

Doch dass sich alle Kinder, die einen Anspruch haben, auch tatsächlich an den Mittagstisch der Schulen setzen, ist unwahrscheinlich. Vielleicht sind es 90 Prozent, vielleicht aber auch nur 80 Prozent, gibt Hoppe, der auch Chef des Berliner Kita- und Schulcaterers Luna ist, zu bedenken. Klar sei: „Wir werden unglaubliche Mengen Essen vernichten müssen.“

Um den Schaden gering zu halten, setzt Luna ein Gericht auf den Speiseplan, das möglichst geringe Kosten verursacht, auch wenn viele Portionen übrig bleiben sollten: Nudeln mit Tomatensauce. Eigentlich hatte Hoppe zum Schulanfang Bio-Paprika servieren wollen, doch „es wäre schade um das teure Biogemüse“, sagt er.

Damit, dass am Montag viel Essen wird weggeworfen werden müssen, rechnet auch Heiko Höfer, Regionaldirektor des großen Caterers Sodexo. Das gelte aber nur für den Fall, dass es sehr heiß werde. Bei normalen Temperaturen sehe er die Gefahr der größeren Essensvernichtung nicht so stark wie Hoppe, denn Sodexo habe die von ihm belieferten 35 Schulen nach der erwarteten Essensbeteiligung abgefragt und wisse daher ziemlich genau, dass nur für rund 80 bis 90 Prozent der Kinder Portionen angeliefert werden müssen. Aber Abweichungen um rund zehn Prozent seien möglich.

Herausforderung auch für die Schulen

Während sich die Caterer relativ rasch umstellen können, haben es die Schulen selbst wesentlich schwerer: Sie müssen für alle Schüler die Kapazitäten vorhalten, weil sie nicht wissen können, wie sich die Nachfrage entwickelt, wenn erstmal alle Familien begriffen haben, dass das Essen und auch – teilweise – der Hort kostenlos sein wird.

Durch Anfragen der SPD-Abgeordneten Maja Lasic und Bettina König ist inzwischen bekannt geworden, dass es noch erheblich Probleme in Dutzenden Schulen gibt.

[Wie geht es weiter mit dem kostenlosen Schulessen? Das können Sie auch in unseren kostenlosen Bezirksnewslettern erfahren. Im Spandau-Newsletter wurde beispielsweise bereits Mitte Juli darüber diskutiert, dass die Reste vom Schulessen weggeworfen werden müssen. Hier nachzulesen. Politik konkret vor Ort - Einmal pro Woche, ganz unkompliziert und kostenlos bestellen unter leute.tagesspiegel.de]

Mitte

Zu Mitte etwa heißt es, dass an etlichen Schulen erstmal nur Übergangslösungen geschaffen wurden. In der Albert-Gutzmann-Schule etwa muss die komplette Küche umgebaut werden. Das klappt zum Schulbeginn nicht. Bildungsstadtrat Carsten Spallek (CDU) sagte allerdings dem Leute-Newsletter des Tagesspiegel, dass es weiterhin das Ziel sei, die Räumlichkeiten in allen Schulen – zumindest provisorisch – so herzurichten, dass man dort essen kann.

Tempelhof-Schöneberg

In Tempelhof-Schöneberg ist die Lage offiziell an vier Schulen „kritisch“. Genannt werden Fläming- und Rudolf-Hildebrand-Schule sowie Rückert-Gymnasium. Am Eckener-Gymnasium wird es wohl zunächst nur eine „Kaltverpflegung“ geben.

Marzahn-Hellersdorf

In Marzahn-Hellersdorf wird an der Johann-Strauss- Schule die Auslagerung der Mittagessenversorgung auf andere Örtlichkeiten wie benachbarte Schulgebäude und öffentliche Einrichtungen erwogen. Die Beatrix-Potter-Schule muss zunächst mit einem „Buffet“ starten, bis die Mensa ausgebaut ist.

Reinickendorf

Aus Reinickendorf wird die Situation an der Grundschule am Fließtal als „besonders herausfordernd“ beschrieben, weil sich die Mensa im Heimatmuseum befindet und dort die Mensakapazität nicht erweitert werden kann. An der Reinecke-Fuchs-Schule scheitert der Ausbau daran, dass sich in der Schule eine Aussiedlerberatungsstelle befindet.

Treptow-Köpenick

Auch Treptow-Köpenick meldet noch etliche Problemfälle. Wie überall gehören „platzsparende Hocker“ zu den schnellen „Lösungen“. Vielerorts können aber auch hier nur neue Mensen weiterhelfen – was allerdings noch Jahre dauern kann. Als besonders angespannt gilt die Lage an der Edison-Schule: Hier werden jetzt auf dem Flur rund 30 Plätze „für die Esseneinnahme“ geschaffen. Ohne die Nutzung eines benachbarten Oberstufenzentrums wird es wohl nicht gehen.

Ähnliche Lage in anderen Bezirken

Ähnlich ist die Lage auch in den meisten anderen Bezirken, wie aus den Antworten der Bildungsverwaltung auf die Anfragen hervorgeht. Allerdings sind die Aufzählungen nicht vollständig. Beim Tagesspiegel meldeten sich verärgerte Schulleiter mit dem Hinweis, dass ihre Probleme unter den Tisch gekehrt worden seien. Dazu gehöre, dass frisch hergerichtete Fachräume einfach zur Mensa „umdeklariert“ worden seien. „Wenn nicht die Hälfte der Kinder in den Räumen des Hortes essen würden, hätten noch mehr Fachräume dran glauben müssen. Und ob die Tische und Stühle rechtzeitig geliefert werden, ist unsicher“, heißt es aus einer Grundschule.

„Bei der Antwort auf die Anfrage von Lasic und König wurde nicht eine Aussage des Schulleiters abgefordert, sondern das Bezirksamt hat eigenmächtig diese Anfrage beantwortet“, kritisiert ein Schulleiter aus Tempelhof-Schöneberg.

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