Krach um Karaoke : Mauerpark soll Kulturstandort werden

Der Mauerpark ist international bekannt. Die Pankower BVV möchte die kulturelle Nutzung des Parks sichern - und das Karaoke auf drei Jahre im Voraus genehmigen.

Im Mauerpark versammeln sich im Sommer Berliner und Touristen zum Karaoke singen.
Im Mauerpark versammeln sich im Sommer Berliner und Touristen zum Karaoke singen.Foto: Johannes Eisele/AFP

Der Mauerpark soll Kulturstandort werden. Dazu soll der Flächennutzungsplan geändert werden. Die Pankower Bezirksverordnetenversammlung forderte am Mittwoch per Beschluss das Bezirksamt auf, sich dafür bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen einzusetzen. So soll die kulturelle Nutzung des weltbekannten Parks im ehemaligen Grenzstreifen gesichert werden, für den der Bezirk Pankow zuständig ist.

Im Flächennutzungsplan ist für die Grünanlage bisher die Nutzung „Park“ und „Sport“ verzeichnet. Zusätzliche solle nun die Kennzeichnung „Kultur“ geprüft werden. „Der Mauerpark ist kein gewöhnlicher Park, sondern international bekannt“, sagte Pankows SPD-Fraktionschef Roland Schröder. „Insbesondere das Karaoke ist seit vielen Jahren das Aushängeschild des Bezirks.“

Die BVV Pankow forderte das Bezirksamt außerdem dazu auf, dass das Karaoke wie in den vergangenen Jahren eine Sondergenehmigung ab Ostern 2019 für mindestens 30 Sonntage erhält. Dem steht laut Bezirksstadtrat Vollrad Kuhn (B'90/Grüne) nichts mehr im Weg.

Sein Straßen- und Grünflächenamt hatte dem Karaoke zwischenzeitlich die Genehmigung versagt, weil die angrenzenden Schächte der Wasserbetriebe-Baustelle die Besucher gefährden würden. Nach einer Prüfung vor Ort zog Kuhn diese Einschätzung zurück – nun bestünden keine Einwände mehr. Kuhn: „Es liegen zwar Gefährdungen vor, durch acht bis neun Meter tiefe Schächte. Die sollen mit Zäunen und Netzen gesichert werden.“

Allerdings muss auch noch das Pankower Umweltamt von Stadtrat Daniel Krüger (parteilos/für AfD) zustimmen. Das hat für den 3. April eine Anhörung der Anwohner zu Lärmschutzfragen angesetzt. Zuletzt hatten sich Beschwerden über nächtliche Ruhestörungen und laute Musik gehäuft.

Nachbarschaftsinitiative beklagt Lärm

Der BVV-Beschluss fordert außerdem, dass das Karaoke „nicht mehr jährlich beantragt werden muss, sondern über einen längeren Zeitraum genehmigt wird“. Die BVV spricht sich für drei Jahre aus, also bis inklusive 2021.

Um das bunte Treiben im Park wird seit einiger Zeit gerungen. Wie unterschiedlich die Interessen sind, sah man am Mittwoch auf der BVV. Dort sprach unter anderem Jean Marc Lebon von der Nachbarschaftsinitiative Mauerpark, die eine Beruhigung insbesondere der Straßenmusik fordert.

Die Initiative „Save Mauerpark“ dagegen verteidigte den „einzigartigen Park“. Man müsse dort die „Kultur auf eine nachhaltige Form weiterentwickeln“. Dafür schlägt die Initiative  „Konstruktive Lösungsansätze“ vor, unter anderem eine Schallschutzmauer, um Anwohner vor der Störung durch Straßenmusiker schützen.

Diese Mauer soll schalenförmig gebogen sein und laut Vorschlag entlang des Pflasterwegs (Schwedter Straße) aufgestellt werden, um die Musik in Richtung Stadionhang zurücktreiben. Der Schall werde so "spezifischer auf das Publikum gerichtet (reflektiert), später Richtung Hang, dort wird er nach oben reflektiert und geht ins Nichts". Durch die Bündelung in eine Richtung sei auch "die gegenseitige akustische Überlappung geringer". Der Musiker nähmen sich auch selbst lauter wahr, höre sich besser und spiele leiser ("Reboundeffekt").

"Der Mauerpark atme wie kein anderer Ort Pankows Freiheit"

Im Konflikt um den Mauerpark „manifestiert sich mehr als der Streit um eine Grünfläche“, erklärte Bürgermeister Sören Benn (Linke).„Es geht um das Wachstum der Stadt, den Verlust der Freiflächen, die Übernutzung der verblieben Flächen und das Heranrücken an die Wohnbebauung. Diese Konflikte werden am Mauerpark mit dem Brennglas sichtbar.“ Der Mauerpark atme wie kein anderer Ort in Pankow Freiheit. Doch Freiheit bedeute auch Verantwortung. „Es gibt nicht den Einen, der Recht hat. Der Mauerpark gehört niemandem – und gleichzeitig uns allen.“

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