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Kritik von VroniPlag-Gründer : Plagiatsvorwurf gegen Dissertation von Frank Steffel

Plagiatsjäger halten dem Berliner CDU-Parlamentarier Frank Steffel vor, für seine Dissertation Passagen anderer Arbeiten abgeschrieben zu haben. Die FU prüft den Vorwurf.

In der Kritik: CDU-Bundestagsabgeordneter Frank Steffel.
In der Kritik: CDU-Bundestagsabgeordneter Frank Steffel.Foto: DPA, Soeren Stache

Nach etlichen Plagiatsaffären um die Dissertationen von Politikern gibt es nun offenbar auch entsprechende Vorwürfe gegen den Reinickendorfer CDU-Bundestagsabgeordneten Frank Steffel. Nach einem Bericht der „Berliner Zeitung“ hat Martin Heidingsfelder, im Jahr 2011 Gründer der Internetplattform „VroniPlagWiki“, dessen Doktorarbeit im Bereich Wirtschaftswissenschaften überprüft und sich kritisch geäußert.

Steffel soll lange Passagen seiner Arbeit abgeschrieben haben, ohne die Zitate als solche zu kennzeichnen. Steffel habe sich großflächig bei anderen Autoren bedient. Insgesamt sollen mindestens 15 Seiten des rund 260-seitigen Textes aus anderen Quellen übernommen worden sein. Die Arbeit beschäftigt sich mit der „Bedeutung und Entwicklung der Unternehmer in den neuen Bundesländern nach der Deutschen Einheit 1990“, so der Titel.

Doktorvater: Steffel habe „ersichtlich keine Täuschungsabsicht“ gehabt

Heidingsfelder macht auf Anfrage neun Stellen öffentlich, bei denen Steffel nicht richtig zitiert haben soll. Die entsprechenden Stellen finden Sie hier. Heidingsfelder meint ein ganz bestimmtes Muster in Steffels Arbeitsweise zu erkennen: In den meisten Fällen habe dieser zwar seine Quelle irgendwo angeben, allerdings nicht deutlich gemacht, wie umfangreich die Übernahme des Textes wirklich war. Auch habe Steffel dabei meistens auf Anführungszeichen verzichtet, obwohl er seine Originalquelle praktisch wortwörtlich zitierte. In manchen Fällen fehlt der Hinweis auf eine Originalquelle sogar ganz.

Eine online einsehbare Gesamtdokumentation der Plagiate gibt es bislang indes nicht. Heidingsfelder betreibt seit längerem eine kommerzielle Plagiatssuche unter den Namen "VroniPlag" und "PolitPlag". Mit den ersten Mitstreitern von "VroniplagWiki" zerstritt sich Heidingsfelder schon 2011, seitdem existieren sein "Vroniplag" und die von Wissenschaftlern betriebene Plagiats-Plattform "VroniplagWiki" nebeneinanderher. Mit der von den Wissenschaftlern betriebenen Plattform "VroniplagWiki" - die viele Plagiatsfälle der jüngeren Zeit aufdeckte und diese immer online umfassend dokumentiert - hat Heidingsfelder daher heute nichts mehr zu tun.

DissertationSteffel

Die FU prüft die Arbeit bereits

Die Freie Universität, an der Steffel promoviert wurde, prüft die Arbeit bereits. Die Vorwürfe sollen laut des Berichts seit November bekannt sein.

Ein persönlicher Referent Frank Steffels bestätigte dem Tagesspiegel am späten Mittwochabend auf Anfrage den Plagiatsvorwurf. In einer Erklärung des Abgeordneten heißt es jedoch, er habe „volles Vertrauen in die Gremien der FU“.

Und Steffels damaliger Doktorvater Professor Dietrich Winterhager versichert im selben Schreiben, Steffel habe „ersichtlich keine Täuschungsabsicht“ gehabt. Seine Zitierweise habe den von ihm als Erstgutachter gestellten Anforderungen entsprochen, sie sei damals im gesamten Fachbereich üblich gewesen.

Winterhager: „Ich bin auch objektiv nicht getäuscht worden, da ich die zitierten Texte kannte, die Übernahmen erkannte und die Zitierweise für ausreichend erachtete.“ Winterhager lehrte von 1980 bis 1998 an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät.

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