• Macromedia-Hochschule in Berlin-Kreuzberg: Schauspieler Heiner Lauterbach wird Professor

Macromedia-Hochschule in Berlin-Kreuzberg : Schauspieler Heiner Lauterbach wird Professor

Selbstvermarktung und Networking gehören heute zum Beruf des Schauspielers dazu, weiß Lauterbach. Eine fertige Vorlesung hat er aber noch nicht.

Schauspipeler Heiner Lauterbachdoziert künftig an der Hochschule Macromedia.
Schauspipeler Heiner Lauterbachdoziert künftig an der Hochschule Macromedia.Foto: dpa

Die Rolle des Professors liegt Heiner Lauterbach. Sowieso hat er sie schon öfter gespielt, aber wie er da so sitzt im Besprechungsraum der privaten Macromedia-Hochschule am Kreuzberger Mehringdamm wirkt er professoral wie ein Prototyp: Dreiteiler, breite Krawatte, dazu die sonore, bestens ausgebildete Stimme. Gerechnet hat er mit der Berufung zum Honorarprofessor nicht, aber erklären kann er sie sich schon.
Seine Vielseitigkeit und die lange Berufserfahrung seien wohl ausschlaggebend gewesen. „Ich bin Theaterschauspieler“, beginnt der 66-Jährige seine Aufzählung. Kleine Pause. Dann rattert er die vielen Einsatzfelder runter, die er sonst noch so bespielt: Fernsehen, Kinofilm, Regie, Autor von Theaterstücken, und Drehbüchern, Produzent, Hörspiele, Synchronsprecher, Gründer eines Independent Filmfestivals. Und mit dieser Vielseitigkeit passe er in die digitale Welt, in der sich ansonsten seine Kinder mehr zu Hause fühlen. Die habe immerhin ja auch die Arbeit der Schauspieler dramatisch verändert. „Heute wird erwartet, dass man einen Film auch über soziale Medien bewirbt.“

Ganz früher im alten Griechenland habe es nur das Theater gegeben, sagt Lauterbach: „Schauspieler waren reisende Künstler.“ Bei der ganzen Vielfalt an Möglichkeiten und Gefahren, die das Internet mit sich bringt, bleibe das Theater doch die Basis von allem. Gerade hat er die letzte Vorstellung eines Zwei-Personen-Stücks gegeben, mit dem er 124 Mal auf der Bühne stand.

Blick nach vorne

Eine fertige Vorlesung hat Lauterbach nicht mitgebracht nach Berlin, wohl aber ein Konzept. Die Inhalte will er sich zunächst in Diskussionen mit den Studierenden erarbeiten, will erfahren, wo sie selber Schwerpunkte setzen. Er hat tausend Ideen im Kopf, worauf man eingehen könnte. Dazu zählen die unterschiedlichen Auftrittsarten auf der Bühne, vor Kinokameras oder im Fernsehen ebenso wir die Themen Requisite, Maske, Musik Umgang mit Redaktionen und Produktionsfirmen.

Als Schauspieler schätzt er selber die Zusammenarbeit mit Regisseuren, die selber auch Schauspielerfahrung haben, und als Regisseur arbeitete er am liebsten mit Darstellern, die selber auch Regie können. So kann man sich besser in den jeweils anderen hineinversetzen. Lauterbach sieht sich selber in der glücklichen Lage, 70 Prozent der Filme, die er heute dreht, mitentwickeln zu können. „Wir blicken nicht im Zorn zurück, sondern erwartungsvoll nach vorn“, beschreibt er die eigene Grundhaltung zu den technischen Veränderungen. Natürlich müsse man damit rechnen, dass die Produktionsfirmen irgendwann die zickigen Schauspieler durch voll animierte Kunstdarsteller ersetzen könnten, sagt er, wohl nur halb im Spaß.

Mit den Studenten will er einen Fahrplan entwickeln. Viele etwa rümpften die Nase, wenn es ums Synchronisieren geht, sagt Lauterbach, der unter anderem die deutsche Stimme von Richard Gere ist. Aber wenn es dann ans Nachsynchronisieren eines Filmes geht, könne er ihnen die lange Nase zeigen. Das hat er drauf.

Abstecher nach Kreuzberg

Auf dem Stundenplan wird auch die für junge Schauspieler heute wie früher wichtige Selbstvermarktung stehen. Und auch das ist keineswegs alles graue Theorie, was er da zu sagen hat. „Ich habe aus den Fehlern meiner frühen Jahre gelernt“, sagt der Schauspieler. Dazu zählt, dass man nicht jedem gleich ein Interview geben, sich nicht auf Homestorys einlassen soll. Gerade in Deutschland, wo es den großen Unterschied zwischen E- und U-Kultur gebe, wirke sich das natürlich aus, wenn man beim Casting die Hauptrolle in einem künstlerischen Film bekommen wolle. Manches aus seinen wilden Zeiten, würde der 66-Jährige heute geheim halten. Aber er sieht ein, dass es in Zeiten von Handykameras und Social Media noch viel schwieriger ist, Dinge für sich zu behalten als früher.

Auch Networking ist wichtig, wird in seiner Vorlesung eine Rolle spielen, aber er gibt freimütig zu, dass er dafür kein großes Talent hat. Lange hat er lieber mit seinen Kumpels in der Kneipe gehockt, als auf Filmempfänge zu gehen. „Inzwischen zieht mich meine Frau manchmal zu Veranstaltungen hin.“ Dagegen wehrt er sich nicht, weil er weiß, „dass es sowieso zwecklos ist“.

Normalerweise lebt er am Starnberger See, wird nach Kreuzberg nur für Blockveranstaltungen an der Privathochschule anreisen, die in Berlin seit acht Jahren aktiv ist. Der Hauptsitz befindet sich Stuttgart, weitere Standorte gibt es unter anderem in Leipzig, München und Hamburg. 550 Studenten lernen in Kreuzberg an den Fakultäten, Business, Medien und Künste. Beim Schauspiel gibt es eine Kooperation mit der französischen Schule Cours Florent, die beispielsweise Audrey Tautou, Isabelle Adjani und Sophie Marceau besucht haben.

Der neue Honorarprofessor ist für Jürgen Faust, den Präsidenten der Hochschule, jedenfalls „die perfekte Galionsfigur für das neue Studiensegment“. Lauterbach verkörpere genau das Profil des autonomen Künstlers mit breit gefächerter Einsatzmöglichkeit, das Leitbild des Schauspielstudiums sei.

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