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Nach Festnahme in Berlin-Zehlendorf : Haftbefehl gegen Rapper Fler wieder aufgehoben

Wegen einer Attacke auf ein Fernsehteam wurde der Berliner Rapper am Dienstagmorgen verhaftet. Nun wurde er wieder freigelassen.

Der Rapper Fler bei einem Auftritt.
Der Rapper Fler bei einem Auftritt.Foto: imago images/Michael Schöne

Der Haftbefehl gegen den Rapper Fler wurde wieder aufgehoben, das teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstagnachmittag auf Twitter mit. Der Ermittlungsrichter habe Zweifel am Tatverdacht erhoben, weshalb der Rapper wieder entlassen wurde, heißt es in dem Tweet. Die Staatsanwaltschaft prüfe nun eine mögliche Beschwerde gegen die Entscheidung des Richters.

Der Rapper ist am Dienstagmorgen in Berlin verhaftet worden. Ihm wurde vorgeworfen, ein Kamerateam des TV-Senders RTL attackiert zu haben. Die Berliner Staatsanwaltschaft erklärte, dass Polizeibeamte den Rapper, der bürgerlich Patrick Losensky heißt, am Dienstagmorgen in Zehlendorf festnahmen.

Außerdem durchsuchten die Ermittler auch die Wohnung des Rappers. Gegen Fler lag den Angaben zufolge ein Haftbefehl wegen Raubes und Körperverletzung vor, dieser wurde nun wieder aufgehoben.

Vor einer Woche hatte Fler am Kurfürstendamm in Berlin-Charlottenburg einen Kameramann attackiert. Zudem soll er Teile der Kamera gestohlen haben, was die Staatsanwaltschaft jetzt als Raub wertet.

Daneben geht es um Bedrohung und Sachbeschädigung. Der 37-Jährige fühlte sich offenbar von dem Fernsehteam nach einem Besuch eines Luxusgeschäfts belästigt, wie er selbst auf Instagram erklärte.

Das Fernsehteam alarmierte die Polizei. Als die Reporterin die erste Frage gestellt habe, soll der 37-jährige Angreifer versucht haben, die Kamera wegzuschlagen. Dabei habe er auch dem Kameramann ins Gesicht geschlagen. Dann soll der Mann die Kamera beschädigt und die Reporterin und den Tontechniker bedroht haben.

Fler hatte bei Instagram das TV-Team als Angreifer dargestellt: „Das sogenannte spontane Interview war typisches an den Pranger stellen der Boulevard-Presse.“ Er habe mehrmals gebeten, ihn nicht zu filmen. „Als ich die Kamera runter geschlagen habe, griffen mich beide an... Der 1. Vogel musste nur ins Krankenhaus wegen nem Cut, der 2 konnte noch cool mit den Polizisten 3 Stunden da rumhängen." Die Reporterin sei in einem Hauseingang verschwunden.

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Die Journalistin des Senders wollte Fler damit konfrontieren, dass er eine Frau verbal attackiert und 2000 Euro Kopfgeld auf sie ausgesetzt habe. Der Rapper hatte sie zuvor bei Instagram beleidigt. Die Frau hatte auf eine Kampagne gegen frauenfeindliche Hassbotschaften in Rap-Texten reagiert. Sie verlinkte Fler, der für frauenverachtenden Texte bekannt ist. Der griff die Journalistin an: "Ich kann ja mal Täter werden, wenn du mir weiter auf die Eier gehst."

Die betroffene Frau hatte daraufhin Unterstützung bei dem Berliner Comedian Shahak Shapira gesucht. Dieser machte die mutmaßliche Drohung bei Twitter öffentlich – und wurde deshalb selbst von Fler beleidigt. In Sprachnachrichten bedrohte der Rapper den Comedian außerdem massiv.

In einer von Shapira geposteten Audiodatei soll Fler zu hören sein: "Du Hurensohn, ich werde deine Mutter f.....", "Ich werde dir deine Nase brechen, Du Bastard" und "Ich werd Dir solange auf den Gesicht hauen, dass Du nie wieder reden kannst". Von Fler-Unterstützern folgten antisemitische Posts. Fler hatte 2019 auch versucht, Tagesspiegel-Reporter zu bedrängen.

Der Berliner SPD-Politiker Tom Schreiber begrüßte die Verhaftung des Rappers. Schreiber twitterte: "Sehr gut! Ein wunderbarer Tag. Endlich lernt er mal Recht und Ordnung und menschlichen Anstand kennen. Fler kann jetzt viel Nachdenken und wird zur Verantwortung gezogen."

Mehr zum Thema: Bushido und Fler – Rapper und die Clans

Fler ist gewissermaßen der Rüpel-Rapper Berlins, der in Steglitz-Zehlendorf wohnt, Journalisten bedroht, sich bei Polizeikontrollen mit Beamten anlegt. Und alles, weil er sich ungerecht behandelt fühlt, da er nicht einsehen will, dass er ohne den entzogenen Führerschein nicht hinterm Steuer sitzen darf: Im vergangenen September wurde er in Zehlendorf in seinem Auto von der Polizei angehalten. Da er sich weigerte seine Fahrerlaubnis zu zeigen und die Beamten beleidigte, wurde er kurzzeitig festgenommen.

Videos dokumentierten die Festnahme und zeigten, wie er in Handschellen auf dem Gehweg steht, dem Beamten Schikane vorwirft und ihn beleidigt. Zwar fand die Polizei einen Führerschein im Auto des Rappers, doch dieser war nicht mehr gültig.

Zur Kontrolle kam es nach Tagesspiegel-Informationen, weil den Beamten der auffällige Wagen des Rappers aufgefallen war. Sie wussten, dass dieser gerade Probleme mit seiner Fahrerlaubnis habe.

Bereits Anklage gegen Fler wegen anderer Vorwürfe

Erst kürzlich hatte die Staatsanwaltschaft bereits Anklage gegen Fler wegen anderer Vorwürfe erhoben. Ihm werden Beleidigung, Verletzung der „Vertraulichkeit des Wortes“ und verbotene Mitteilungen über Gerichtsverhandlungen vorgeworfen.

Als Zeugen will die Staatsanwaltschaft im Prozess den Rapper und Fler-Rivalen Bushido und dessen Frau Anna-Maria Ferchichi hören, obendrein Clan-Chef Arafat Abou-Chaker, Bushidos einstigen Geschäftspartner, und einen Ermittler des Landeskriminalamtes für organisierte Kriminalität.

Die Anklage soll mit einer weiteren zusammengezogen werden, die schon einige Monate zurückliegt. Ein Prozesstermin im November war ausgefallen. Auch bei dieser Anklage wird Fler Beleidigung vorgeworfen, das Opfer: ein Fitness-Unternehmer, mit dem Fler einst näher zu tun, sich dann aber entzweit hatte.

Gegen Abou-Chaker und einige seiner Brüder läuft parallel ein Verfahren, weil sie Bushido der Freiheit beraubt und ihn erpresst haben sollen. Bushido steht deshalb unter Polizeischutz. Am 21. April beginnt am Landgericht der Prozess gegen Abou-Chaker und drei seiner Brüder. Als Zeugen sollen mehrere bekannte Rapper vorgeladen sein: Capital Bra, Shindy, Farid Bang, Fler und Kollegah.

Dem Clan-Chef wird vorgeworfen, von seinem früheren Geschäftspartner Bushido am 18. Januar 2018 eine Abfindung erpresst haben zu wollen. Dabei soll der Rapper in seinem Büro eingesperrt und mit einer Flasche beworfen worden sein. Bushido sei von Abou-Chaker und dessen Brüdern stundenlang bedroht und geschlagen worden.

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