Neue Galerie in Friedrichshain : Kunstsammler Axel Haubrok bleibt doch in Berlin

Nach dem Streit um die "Fahrbereitschaft" wollte Kunstsammler Axel Haubrok Berlin verlassen. Doch nun kehrt er mit Sohn Konstantin zu seinen Anfängen zurück. 

Neue Pläne am alten Ort: Axel, 69, und Konstantin Haubrok, 33, am Strausberger Platz
Neue Pläne am alten Ort: Axel, 69, und Konstantin Haubrok, 33, am Strausberger PlatzFoto: Doris Spiekermann-Klaas

Konstantin Haubrok, Sie sind Geschäftsführer der Haubrok Foundation und seit drei Jahren Kunstsammler wie Ihre Eltern. Neben der „Fahrbereitschaft“ in Lichtenberg gehört dazu nun auch eine Galerie am Strausberger Platz 19. Was möchten Sie hier aufbauen?
KH: Für uns geht es vor allem darum, gute Projekte zu machen. Und dabei fühlt es sich an, wie nach Hause zu kommen. Wir hatten im selben Gebäude schon vor Jahren Ausstellungen, nachdem wir aus Düsseldorf in die Hauptstadt gekommen sind. Damals im zweiten Stock, jetzt im vierten. Der Ort ist spannend und sehr gut angebunden. In den nächsten Jahren wird hier viel passieren, entlang der Karl-Marx-Allee sollen etwa Kunstpavillons entstehen. Und die hat mit den Stalinbauten ohnehin schon Ausstrahlung. 

Wir möchten hier regelmäßig Ausstellungen machen. Kleinere, feinere Sachen zeigen: Zeichnungen, Fotografie, auch für uns wichtige Einladungskarten und Publikationen. Im Gegensatz zur „Fahrbereitschaft“ in Lichtenberg haben wir hier nur 50 Quadratmeter Platz. Das bedeutet Konzentration, die es ermöglicht, sich intimer mit der Kunst zu befassen. Ich freue mich sehr, dass wir diesen Raum haben. Zur Art Week wird er selbstverständlich geöffnet sein. Gäste müssen sich bei uns vorab per Mail anmelden.

Was wird in den Räumen zur Art Week ab dem 9. September gezeigt?
KH: Wir starten mit der Ausstellung „during the exhibition“, die bis zum 8. November zu sehen sein wird. Es geht um konzeptuelle Ausstellungen, wir zeigen Werke aus unserer Sammlung, unter anderem von Michael Asher, Karin Sander oder Ian Wilson.

AH: Sie ist angelehnt an die Arbeit „Closed Gallery“ des Künstlers Robert Barry, der 1969 Einladungen zu Shows in Amsterdam, Turin und Los Angeles verschickte, die darüber informierten, dass die Galerien während der Ausstellung geschlossen sind. Unsere Räume am Strausberger Platz kann man begehen und es gibt was zu sehen. Parallel dazu finden in unserer „Fahrbereitschaft“ in der Herzbergstraße 40-43 drei Einzelausstellungen von Jonathan Monk, Wade Guyton und Günther Förg statt, die allerdings nicht besucht werden können.

Kann man dies auch als Kritik am Bezirk Lichtenberg verstehen, der große Ausstellungen in der „Fahrbereitschaft“ mit Verweis auf den Schutz des ansässigen Gewerbes verboten hat?
AH: Das können Sie gerne so interpretieren, natürlich.

Wie soll es mit der „Fahrbereitschaft“ weitergehen? Zahlreiche Kunstschaffende und Gewerbetreibende haben dort Räume.
AH: Der Traum ist eine gute Mischung aus Gewerbe und Kultur. Das haben wir geschafft, aber gerne würden wir dort auch Ausstellungen zeigen, Künstler einladen, Kooperationen eingehen und vieles mehr. Das Gewerbe will ich auf jeden Fall halten, aber mit den anderen 20 Prozent des riesigen Areals würde ich gerne frei umgehen können.

Sie denken an eine Kunsthalle?
AH: Eine große Kunsthalle will ich dort gar nicht mehr sehen. Dazu würde ich mehr brauchen als nur eine Genehmigung. Geplant ist ein Atelierhaus mit dem Architekten Arno Brandlhuber - auch da warten wir noch auf die Genehmigung des Bezirksamtes. Der neue Stadtrat Kevin Hönicke ist ein sehr offener Mensch, wir hatten gute Gespräche.

KH: Nun brauchen wir noch gute Ergebnisse.

Was ist das Besondere an der Haubrok'schen Kunstsammlung?
AH: Uns interessiert nicht nur das Sammeln und Kaufen von Arbeiten. Wir sind auch gerne kuratorisch tätig: Welche Themen kann man aufbauen, welche Arbeiten ergänzen sich? Ob ein Werk schön ist, spielt eigentlich keine Rolle. Und wir springen nicht von einer Blume zur anderen, sondern bleiben bei unseren Künstlern, kennen alle persönlich und entwickeln mit ihnen zusammen die Projekte.

KH: Für uns sind die Kunstobjekte keine Investitionsprodukte. Es geht darum, eine Sammlung weiterzudenken. Und jede Arbeit trägt die Sammlung weiter, schafft Ansätze für neue Ideen, Ausstellungen und Projekte.

Wie steht es um die Kunstmetropole Berlin? Was erwarten Sie von der Politik?
AH: Man muss dafür sorgen, dass die Mischung erhalten bleibt. Nach dem Mauerfall sind alle hier rein und es gab genug Freiräume, daher hat sich diese großartige Szene entwickelt. Im Kunstmarkt heute geht es um viel Geld, häufig auch um Immobilien. Das führt dazu, dass Künstler keine Räume mehr finden. Es geht nicht von alleine weiter, wenn der Druck des Geldes zu hoch ist. Da muss man gegensteuern. Ich glaube, dass der Kultursenator Klaus Lederer da gut reagiert. Klar, er könnte die eigenständigen Sammler unterstützen, indem er da mehr koordiniert. 

[Über die Diskussion rund um die "Fahrbereitschaft" berichten wir immer wieder im Lichtenberg-Newsletter vom Tagesspiegel. Kostenlos unter leute.tagesspiegel.de]

Aber direkte Unterstützung, die will ich eigentlich gar nicht. Ich wäre schon froh, wenn uns bei der „Fahrbereitschaft“ vom Bezirksamt keine Knüppel zwischen die Beine geworfen werden würden. Die Macht der Bezirke ist in Berlin einfach zu groß. Wenn der Senat sagt, wir möchten Kunst haben, muss er dafür auch die Orte definieren und sie für die Kultur sichern.

Die Art Week wird zum ersten Mal während einer Pandemie stattfinden. Was ändert sich dadurch?
KH: Der Besuch einer Ausstellung zur Corona-Zeit wird nie derselbe sein wie vor Corona. Es entwickeln sich zwar neue Formate, vieles findet online statt, aber eine physische Ausstellung ist etwas ganz anderes. Wir hoffen, dass dies bald wieder uneingeschränkt möglich sein wird. Und so lange machen wir das, was möglich ist.

AH: Corona liegt wie Mehltau auf mir. Ich gehöre ja zur Risikogruppe (lacht). Im Zweifel bleibe ich zu Hause. Das ist natürlich schade, durch das Virus hat sich das Erleben von Kunst verändert: Die Kommunikation geht verloren. Man flaniert nicht mehr von Galerie zu Galerie, trifft dort zufällig Leute. Man muss gezielt und nach Anmeldung zu einer Ausstellung gehen. Also mich belastet das schon sehr. Man sieht durch die Atemschutzmasken auch die Mimik der Leute nicht mehr. Zwischenmenschlich ist das total merkwürdig.

Das Interview führte Robert Klages. Während der Art Week kann die Ausstellung am Strausberger Platz nur mit Zeitfensterticket besucht werden (Anmeldung: baw.haubrok.org). Was es auf der Artweek zu sehen gibt, hat Birgit Rieger für den Tagesspiegel hier zusammengestellt. 

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