Berliner Polizei : Beamte unter Korruptionsverdacht: Nicht der erste Fall

Die aktuellen Korruptionsvorwürfe gegen Beamte sind nicht die ersten ihrer Art. Berliner Polizisten kooperierten immer wieder mit Kriminellen.

Freund und Helfer? Gern auch mal von Kriminellen.
Freund und Helfer? Gern auch mal von Kriminellen.Foto: Paul Zinken/dpa

Nicht oft, aber immer wieder werden korrupte Polizisten entdeckt. Meist sind es Dealer, Hehler, Rotlichtmänner, die von Polizisten gewarnt werden. Dabei geht es oft um bevorstehende Razzien, seltener wurden auch interne Dokumente an Verdächtige weitergegeben. Nicht immer ist klar, was genau die Polizisten mit den Verdächtigen besprochen haben.

Im September 2017 wurde ein 27 Jahre alter Polizeischüler bei einer Kontrolle zusammen mit bandenmäßig organisierten Kriminellen festgestellt: Es soll sich um eine rockerähnliche Truppe tschetschenischer und arabischer Männer gehandelt haben, deren Wortführer dem RBB zufolge ein aktenkundiger Angehöriger eines Clans aus dem Libanon gewesen sei.

Im März 2017 wurden drei Polizisten aus Steglitz unter dem Verdacht der Korruption festgenommen. Die Beamten sollen Interna an fünf libanesische Heroindealer verraten haben. Zudem sollen sie die Dealer vor Razzien gewarnt haben. Im Gegenzug hätten sie jede Woche 800 Euro erhalten. Unklar ist, ob die Beamten inzwischen verurteilt wurden.

Im Herbst 2013 war ein Polizist mit seinem Freund Tahir Ö., einem einschlägig bekannten Schläger, vor einer Diskothek in eine blutige Auseinandersetzung mit Türstehern verwickelt worden. Ö. wurde später offenbar aus Rache von einem Nachwuchsrocker der Hells Angels erschossen.

Schon im Jahr 2012 war der Polizeimeister Ahmet K. vom Landgericht wegen Verletzung von Dienstgeheimnissen verurteilt worden, weil er der selben Rockertruppe, aus der heraus Ö. erschossen wurde, geholfen hatte. Ahmet K. bekam elf Monate Haftstrafe auf Bewährung. Er hatte die türkischen Rocker 2010 und 2011 vor Razzien gewarnt – und dafür offenbar nur einen Motorradhelm bekommen.

Ein Berliner Polizist wurde 2008 zu einer Geldstrafe in Höhe von 3600 Euro verurteilt. Im Sommer 2006 hatte man bei einem Bandidos-Mann, ebenfalls eine Rockertruppe, eine Liste mit Kennzeichen ziviler Polizeiautos gefunden. Vor Gericht sagte der Polizist, er selbst sei kein Bandido, sondern nur mit dem Rocker befreundet gewesen – der habe die Liste bei ihm zu Hause unbemerkt eingesteckt.

Auch in anderen Bundesländern werden immer wieder korrupte Beamte erwischt. In Brandenburg wurde 2010 ein Polizist zu eineinhalb Jahren auf Bewährung verurteilt. Er hatte interne Erkenntnisse an Zigarettenschmuggler weitergegeben. Der Mann wurde nach der Verurteilung aus dem Dienst entlassen. In Hessen gab es zuletzt ähnliche Fälle.