Im Fall Rebecca Reusch : Anwältin des Schwagers kritisiert Strafverfolgungsbehörden

Die Anwältin des tatverdächtigen Schwagers der vermissten Rebecca Reusch äußert sich zum Umgang mit ihrem Mandanten. Die Polizei sucht am Dienstag weiter.

Ein Polizeitaucher schwimmt im Herzberger See im Landkreis Oder-Spree auf der Suche nach der vermissten Rebecca.
Ein Polizeitaucher schwimmt im Herzberger See im Landkreis Oder-Spree auf der Suche nach der vermissten Rebecca.Foto: Toni Feist/dpa

Die Anwältin des im Fall Rebecca tatverdächtigen Schwagers Florian R. hat sich in einem Schreiben an die Öffentlichkeit gewandt. Sie kritisiert den Umgang der Strafverfolgungsbehörden und der Öffentlichkeit mit ihrem Mandanten, der einer "Vorverurteilung" gleichkomme. Dieser stehe "im drastischen Widerspruch zur Unschuldsvermutung und dem damit verbundenen Grundsatz eines fairen Verfahrens", so die Strafrechtlerin Petra Klein. "Durch die Veröffentlichung verschiedenster unverpixelter Fotos und persönlicher Details ist mein Mandant massivem gesellschaftlichem Druck ausgesetzt und eine schnelle Rückkehr in Alltag und Normalität scheint ausgeschlossen." Das Prinzip der Unschuldsvermutung beschreibt den Grundsatz, dass jeder Mensch, der einer Straftat beschuldigt wird, solange als unschuldig gilt, bis seine Schuld gesetzlich bewiesen ist.

Im RBB bemängelte Klein zuletzt, dass die Ermittlungen der Polizei einseitig verlaufen würden. Die Behörden hätten sehr früh die Arbeitshypothese gefasst, dass Rebecca tot und ihr Schwager der Täter sei, sagte sie dem Sender.

Der tatverdächtige Schwager der vermissten Rebecca Reusch wurde am Freitag aus der Untersuchungshaft entlassen, weil die Indizien gegen ihn aus Sicht eines Ermittlungsrichters keinen dringenden Tatverdacht ergeben.

Polizei löscht Fahndungsfotos

Die 15-jährige Schülerin aus Neukölln wird seit fünf Wochen vermisst. Staatsanwaltschaft und Polizei gehen davon aus, dass sie getötet wurde.

Die Polizei hat inzwischen die Bilder des Tatverdächtigen und seines Pkw aus ihrer Online-Fahndung gelöscht, weil derzeit "keine Erfolgsaussichten durch die Öffentlichkeitsfahndung" bestünden.

Medien- und Rechtsexperten hatten den öffentlichen und behördlichen Umgang mit dem Fall Rebecca kritisiert. Die Polizei hatte ihre Öffentlichkeitsarbeit zuletzt verteidigt.

Suche wird fortgesetzt

Am Dienstag setzten die Ermittler ihre Suche nach der Schülerin am Herzberger See im Osten Brandenburgs fort. Im Einsatz waren laut einer Sprecherin die gleichen Kräfte wie schon am Vortag. Am Nachmittag war die Suche noch nicht abgeschlossen und sollte bis zum Eintritt der Dunkelheit andauern.

Die Ermittler waren bereits am Montag einem Hinweis zu dem kleinen See rund 60 Kilometer südöstlich von Berlin nachgegangen. Im Einsatz waren Spürhunde, ein Boot, Echolot und mindestens ein Taucher. Das Technische Hilfswerk (THW) unterstützte die Suche. Die Polizei hatte den Zugang zum See zum Teil abgesperrt.

Fünf Wochen nach dem Verschwinden der 15-jährigen Rebecca hat die Mordkommission noch keinen entscheidenden Hinweis auf den Verbleib des Mädchens gefunden. Außer einigen Indizien gibt es aber wohl kaum stichhaltige Beweise gegen den beschuldigten Schwager. Bislang gingen rund 2000 Hinweise bei der Mordkommission ein. (Tsp/dpa)