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Nach Angriff auf Israelis : Antisemitismusbeauftragter spricht von „Jagd auf Juden“ in Berlin

Ein 21-Jähriger Tourist aus Israel wurde in Berlin angegriffen, weil er Hebräisch sprach. Es ist bereits der vierte antisemitische Angriff in kurzer Zeit.

Der unbekannte Täter ergriff nach dem Angriff die Flucht.
Der unbekannte Täter ergriff nach dem Angriff die Flucht.Foto: Paul Zinken/dpa

In Friedrichshain wurde am frühen Montagmorgen ein 21-jähriger Tourist aus Israel im Gesicht verletzt. Mutmaßlich hatte die Tat einen antisemitischen Hintergrund.

Gegen 5 Uhr morgens unterhielten sich vier Touristen aus Israel vor der Diskothek Matrix am Warschauer Platz auf Hebräisch. Ein Mann, der das Gespräch hörte, ging plötzlich auf einen von ihnen, den 21-Jährigen, zu und schlug ihm mit der Faust ins Gesicht. Anschließend flüchtete er.

Der Geschlagene erlitt eine Gesichtsverletzung und konnte vor Ort behandelt werden. Die Touristen beschrieben den Täter als arabisch aussehend. Der Staatsschutz ermittelt.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) erklärte am Montag in einem Tweet, es sei „empörend, dass offensichtlich das Sprechen der Sprache des Staates Israel“ für den Angriff genügt habe. „Die Täter müssen zügig dingfest gemacht werden."

Die Tat reiht sich ein in eine Serie von antisemitischen Angriffen. Erst am Sonntag wurde ein Mann, der jüdische Kleidung trug, in Mitte antisemitisch beleidigt, Mitte August wurde ein weiterer Mann jüdischen Glaubens attackiert. Ende Juli war der Rabbiner Yehuda Teichtal bespuckt worden. Er war in der Nähe einer Synagoge mit einem Kind unterwegs.

Sigmount Königsberg, Antisemitismusbeauftragter der Jüdischen Gemeinde, äußerte sich deutlich zu dem neuerlichen Angriff. Königsberg sagte dem Tagesspiegel: „Mittlerweile muss man den Eindruck bekommen, dass sich in Berlin verabredet wird, um Jagd auf Juden zu machen.“ Viel zu selten griffen Passanten dabei ein.

Im vergangenen Jahr haben Fälle von antisemitischer Kriminalität deutlich zugenommen. Wie im Februar berichtet registrierte die Polizei bundesweit 1646 Straftaten. Das sind knapp zehn Prozent mehr, als die Bundesregierung für 2017 gemeldet hatte. Damals waren es 1504. Dazu gehört auch die vermehrte Schändung von jüdischen Friedhöfen. In Berlin registrierte die Polizei in 2018 324 Fälle mit antisemitischem Hintergrund.

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