Preußenpark in Wilmersdorf : Schärfere Regeln für Thai-Markt in Berlin

Das Bezirksamt will den Streetfood-Handel im Preußenpark einschränken. Die Händler zeigen sich kooperativ – bezweifeln aber, dass sich etwas ändert.

Cay Dobberke Sirinya Wattanasukchai
Garküche unterm Sonnenschirm. Thailänder verkaufen Streetfood im Preußenpark. Doch eigentlich dürfen sie das gar nicht.
Garküche unterm Sonnenschirm. Thailänder verkaufen Streetfood im Preußenpark. Doch eigentlich dürfen sie das gar nicht.Foto: Mike Wolff

Aus einem Picknick-Treff thailändischer Familien hat sich im Wilmersdorfer Preußenpark nahe dem Fehrbelliner Platz in den vergangenen zwei Jahrzehnten ein kommerzieller Streetfood-Markt entwickelt, der viele Besucher anlockt und sogar in Reiseführern steht. Allerdings wurde der Handel nie genehmigt. Und Anwohner protestieren gegen die Zerstörung der großen Wiese, auf der an vielen Stellen kein Gras mehr wächst, sowie gegen Lärm, Müllberge und zugeparkte Straßen in der Umgebung. Für den Charlottenburg-Wilmersdorfer Ordnungsstadtrat Arne Herz (CDU) ist seit Längerem klar, dass „es nicht so bleiben kann“. Jetzt müssen sich Händler und ihre Kunden auf grundlegende Änderungen einstellen.

Stände sollen an den Platzrand verlagert werden

Am Dienstag will Herz erstmals sein Konzept für einen legalisierten Streetfood-Handel öffentlich im BVV-Ausschuss für Bürgerdienste, Wirtschafts- und Ordnungsangelegenheiten vorstellen. Demnach soll der Thai-Markt von der großen Wiese auf den Platzrand an der Brandenburgischen Straße umziehen und stark verkleinert werden. Außerdem will das Bezirksamt die Anbieter dazu verpflichten, alle hygienischen und gewerberechtlichen Vorschriften einzuhalten – und endlich auch Steuern zu zahlen.

Über diese Vorschläge sollen nicht nur die Bezirksverordneten diskutieren und später abstimmen. Herz plant auch mehrere Bürgerversammlungen. Für den Fall, dass sein Konzept keine breite Mehrheit findet, sieht er nur eine Alternative: die konsequente Durchsetzung des Verbots.

Unter den Händlern hat sich herumgesprochen, dass Neuerungen geplant sind. Viele von ihnen bezweifeln allerdings, dass sich wirklich etwas ändert. „Das hören wir in jedem Sommer“, sagt eine gebürtige Thailänderin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. „Aber es ist nie etwas passiert. Wir konnten hier bis zum Herbst ohne Einschränkungen weitermachen.“ Der Markt findet in den warmen Monaten des Jahres an jedem Wochenende statt.

Die Händler werden professioneller

An guten Tagen verdienen die Händler einige Hundert Euro am Tag, ist zu hören – aber davon müssen auch Helfer bezahlt werden. Die Vorbereitung der Speisen erfordere ein bis zwei Arbeitstage, heißt es. Die Anlieferung und Zubereitung ist immer professioneller geworden. Andererseits lagern Speisen in tragbaren Kühlboxen oder sogar nur in Eimern, was mit dem Lebensmittelrecht unvereinbar ist.

Müssten die Einkünfte versteuert werden, dürfte das manche Händler abschrecken. Zum Teil beziehen sie Sozialleistungen wie Hartz IV und müssten mit Kürzungen der Zuwendungen rechnen. Andere erwägen, ihr Geschäftsmodell grundlegend zu verändern. So denkt eine Händlerin darüber nach, „einen Lieferdienst für Mittagessen in meinem thailändischen Bekanntenkreis einzurichten“.

Die Händler wissen, dass ihre Aktivitäten illegal sind, wie einige von ihnen im Gespräch zugeben. Manche behaupten trotzdem, die Schilder mit der Parkordnung am Eingang nicht gesehen zu haben. Auf Deutsch, Englisch und Thai listet das Grünflächenamt dort auf, was alles verboten ist. Wegen der Anwohnerbeschwerden über Müll und Lärm habe man bereits „Entgegenkommen“ gezeigt, betonen Verkäufer.

Offenbar gibt es auch illegales Glücksspiel

Bezirkspolitiker werfen manchen der Thailänder außerdem illegales Glücksspiel vor. Tagesspiegel-Reporter haben schon oft Spieler-Runden auf der Wiese gesehen, bei denen Geldscheine den Besitzer wechselten. Darüber hinaus kursiert seit Langem das bislang unbestätigte Gerücht, ein in der Nähe geparkter Wohnwagen diene der Prostitution.

Jahrelang waren das Ordnungsamt und die Polizei selten eingeschritten. Stadtrat Herz wies bereits im vorigen Jahr auf eines der Probleme hin: Mitarbeiter der Berliner Ordnungsämter sind dazu verpflichtet, Uniformen zu tragen und damit leicht erkennbar. Neuerdings gebe es aber mehr Kontrollen, sagt eine Händlerin, das Ordnungsamt komme einmal wöchentlich vorbei. Die Verkäufer haben ihr System perfektioniert, sich dann unsichtbar zu machen. Zuerst werden die farbenfrohen Sonnenschirme zusammengeklappt und aus dem Boden gezogen, alles wird unter Matten versteckt – als sei es wie einst nur ein privates Picknick unter Familien.

- BVV-Ausschuss für Bürgerdienste, Wirtschaft und Ordnung, Dienstag, 26. Juni, 17.30 Uhr, Lily-Braun-Saal, Rathaus Charlottenburg, Otto-Suhr-Allee 100

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