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Privatkredit von Bordell-Chef : Seyran Ates streitet Interessenskonflikt ab

Seyran Ates hat 45.000 Euro von Artemis-Geschäftsführer Hakki Simsek bekommen. Das habe keine Auswirkung auf ihre Meinung zum dem Bordell, behauptet sie.

Im April 2016 gab es eine Razzia im Artemis. Ein Verfahren wurde nie eröffnet.
Im April 2016 gab es eine Razzia im Artemis. Ein Verfahren wurde nie eröffnet.Foto: Paul Zinken/dpa

Die Rechtsanwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ates hat einen Privatkredit vom Betreiber des Bordells Artemis bekommen. Das bestätigte die Mitbegründerin der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Moabit dem Tagesspiegel, nachdem zuerst die „Süddeutsche Zeitung“ darüber berichtet hatte. Seyran Ates hat nach eigenen Angaben „ungefähr“ 45 000 Euro von Artemis-Chef Hakki Simsek bekommen.

Im Bericht der SZ hieß es auch, wenn sie den Kredit in monatlichen Raten von 5000 zurückzahle, würden ihr die Zinsen erlassen, so habe es in einer Mail von Simseks Anwalt gestanden. So gute Konditionen gebe es bei keiner Bank.

Seyran Ates bestreitet, Vorteile erhalten zu haben

Am Freitagvormittag verschickte Ates eine Pressemitteilung. Sie habe „keinerlei wie auch immer gearteten unzulässige Vorteile“ in Anspruch genommen. Dass sie den Kredit bekommen hat, bestreitet sie nicht, der Vertrag dazu sei von einem Rechtsanwalt aufgesetzt worden und „enthält selbstverständlich angemessene Verzinsung“. Gegenüber dem Tagesspiegel sagte sie: „Es stimmt absolut nicht, dass ich Zinsen erlassen bekomme, wenn ich monatlich 5000 Euro zurückzahle. Ich bezahle zwei Prozent über dem jeweils aktuellen Basiszins der EZB.“
Der Rechtsanwalt Silvin Bruns, der Simsek vertritt und den Vertrag aufgesetzt hat, bestätigte dem Tagesspiegel, dass Zinsen vereinbart worden seien. Er räumte aber ein, dass er in einer internen Mail an einen persönlichen Mitarbeiter von Simsek geschrieben habe, dass auf die Zinsen, die mit der Schlusszahlung bezahlt werden, verzichtet werden könne, wenn die Raten pünktlich eingingen. Aber Seyran Ates habe nichts von diesem Schreiben gewusst. Der Anwalt sagte: „Wenn durch den SZ-Artikel der Eindruck entstanden sein sollte, dass Frau Ates ein zinsloses Darlehen erhalten habe, dann ist das schlicht falsch.“

Es gebe keinen Interessenskonflikt

Ates sagte, sie habe kurzfristig das Geld benötigt und deshalb Simsek angesprochen, den sie seit langem kenne. Sie habe nicht mit einer Bank gesprochen, weil das zu lange gedauert hätte. Wenn sie gewusst hätte, was der Kredit medial auslöse, hätte sie jemanden anderen angesprochen.

Sie könne verstehen, dass man den Gedanken an eine Interessenskollision habe, aber so eine Kollision gebe es nicht. Sie rede schon lange über das Artemis. Aber erst jetzt habe sie den Kredit erhalten. „Da muss man die Reihenfolge beachten“, sagte sie.

Ates schreibt zurzeit an einem Buch über Prostitution. Dafür hat sie mehrfach im Artemis recherchiert und mit Frauen gesprochen. In der Vergangenheit hatte sie sich sehr positiv über das Artemis geäußert. Wenn schon Prostitution solle es so sauber und fair ablaufen wie dort, sagt sie im vergangenen Jahr der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ – sie wiederholte das auch in der Pressemitteilung vom Freitag. Die SZ hatte kritisiert, dass sie privates Geschäftsverhältnis zum Artemis-Betreiber nicht öffentlich gemacht habe.

Kein Verfahren nach Razzia im Artemis

Ates sagt darauf am Freitag, dass sie niemals verheimlicht habe, dass sie „Kontakt zum Artemis“ habe. „Seit fast zwei Jahren habe ich dort immer wieder Prostituierte interviewt“, schreibt sie in ihrer Stellungnahme. Eigener Aussage nach waren es mehr als 100. "Die Frauen, die etwas Selbstbestimmtes machen wollen, haben dort die Möglichkeit", sagte sie im Gespräch mit dem Tagesspiegel. In der "SZ" ist aber auch eine Prostituierte zitiert, die sagte: "Wenn eine nicht arbeiten kann, wird sie rausgeschmissen. Auch im Fall einer Krankheit wird man rausgeschmissen."

Ates wirft dem Autor des SZ-Artikels vor „auf Basis nachweislich falscher Darstellungen mein gesellschaftliches Wirken und speziell mein Eintreten gegen Prostitution in Zweifel zu ziehen.“

Vor drei Jahren hatte es eine Großrazzia im Artemis in Halensee gegeben. Es folgten Ermittlungen wegen Menschenhandels und Steuerbetrugs. Am Ende wurde jedoch kein Verfahren eröffnet.

Zuletzt hatten die Ermittler noch versucht, eine Scheinselbstständigkeit der Prostituierten dort nachzuweisen – auch das hielt nicht. Anfang 2019 wurde klar: Es wird keinen Prozess gegen die Artemis-Betreiber geben.

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