• Qualität deutscher Krankenhäuser untersucht: Sieben Kliniken in Berlin und Brandenburg mit Mängeln

Qualität deutscher Krankenhäuser untersucht : Sieben Kliniken in Berlin und Brandenburg mit Mängeln

Eine bundesweite Auswertung der Qualität deutscher Kliniken sieht Mängel bei 62 Krankenhäusern. Sieben Einrichtungen in Berlin und Brandenburg sind betroffen.

Medizinisches Personal versorgt in einem Krankenhaus einen Patienten.
Medizinisches Personal versorgt in einem Krankenhaus einen Patienten.Foto: dpa

Wie gut ist die Behandlungsqualität in Krankenhäusern? Manchmal „unzureichend“, wie eine am Donnerstag veröffentlichte Auswertung von Qualitätsdaten der deutschen Kliniken ergab. Insgesamt gab es im Jahr 2018 in der Geburtshilfe, bei der Brustkrebschirurgie und bei gynäkologischen Operationen in 62 Krankenhäusern statistische Auffälligkeiten, stellte das Berliner Institut für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTiG) fest. Darunter sind drei Krankenhäuser aus Berlin und vier aus Brandenburg.

Kein Kinderarzt bei Frühchengeburt im DRK-Klinikum

Beispiel Geburtshilfe: Einer der Qualitätsparameter gibt vor, dass bei Geburten von Frühchen neben den Geburtsmedizinern auch ein Kinderarzt anwesend sein muss. In der Geburtsklinik des DRK-Klinikums Berlin-Köpenick war das im Jahr 2018 nur bei 50 Prozent der Frühgeburten der Fall. Laut dem IQTiG „konnte nicht sichergestellt werden, dass ein Kinderarzt rechtzeitig bei der Geburt von Frühgeborenen anwesend war.“

Man habe die klinikinternen Leitlinien und Standards überarbeitet, teilte die Klinik auf Anfrage mit. „Damit ist für die Zukunft sichergestellt, dass bei Geburten vor der vollendeten 36. Schwangerschaftswoche immer ein Kinderarzt informiert und hinzugezogen wird.“

Probleme auch im Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum

Auch das Vivantes Auguste-Viktoria- Klinikum (AVK) wurde 2018 in der Geburtshilfe auffällig. Entscheidet der Arzt, dass ein Baby wegen eines Notfalls per Kaiserschnitt geholt werden soll, dürfen zwischen der Entscheidung und der Operation maximal 20 Minuten vergehen, um das Kind nicht zu gefährden. Im AVK dauerte das laut der Auswertung in gut drei Prozent der Fälle länger. Dazu die Einschätzung des IQTiG: „Trotz durchgeführter Datenvalidierung hat der Krankenhausstandort in seiner Stellungnahme Dokumentationsfehler geltend gemacht.“ Diese seien aber keine relevanten Ausnahmetatbestände.

Laut Klinik beziehe sich das Institut aber nur auf eine einzige unvollständige Krankenakte, der zufolge bei einer Gebärenden die Zeit zwischen der Entscheidung zum Kaiserschnitt und der Entbindung um vier Minuten zu lang gewesen sei. „Eine interne Prüfung hat aber ergeben, dass die 20-Minuten-Frist eingehalten wurde“, teilte Vivantes mit. Man bedauere es, dass der Darstellung der Klinik in diesem Falle nicht gefolgt worden sei.

Drittes Krankenhaus mit Auffälligkeiten bei der Brustkrebschirurgie

Auch in der Brustkrebschirurgie gibt es Auffälligkeiten. Im DRK-Klinikum Berlin-Mitte zum Beispiel wurde 2018 bei keiner der Operationen, bei denen das vorgeschrieben ist, leitlinienkonform überprüft, ob das Tumorgewebe vollständig entfernt wurde. Die Klinik habe dafür eine andere als die empfohlene Vorgehensweise gewählt, kritisiert das IQTiG.

In einer Reaktion gelobt die Klinik Besserung: „Um zukünftig sicherzustellen, dass Kombi-Operationen leitliniengerecht durchgeführt werden, ist die Zusammenarbeit zwischen den betreffenden Fachabteilungen in der Kooperationsvereinbarung entsprechend konkretisiert worden“, teilte die Klinik mit. „Hierdurch ist geregelt, dass brustkrebschirurgische Eingriffe nur noch im Brustzentrum der DRK-Kliniken Berlin-Westend durchgeführt werden.“

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