Radfahren in Berlin : Kritik an neuen Fahrradspuren auf der Warschauer Straße

Die Warschauer Straße wurde für viel Geld saniert. Zur Eröffnung gab’s prompt Kritik am Radweg.

Feierlich. Verkehrssenator Geisel (links) und Stadtrat Panhoff eröffnen den Radweg an der Warschauer Straße.
Feierlich. Verkehrssenator Geisel (links) und Stadtrat Panhoff eröffnen den Radweg an der Warschauer Straße.Foto: Helena Piontek

Die Fußgängerampel an der Revaler Straße springt auf Grün, die wartenden Passanten laufen los. Zwischen ihnen schlängeln sich mehrere Fahrradfahrer hindurch, die von der Warschauer Straße kommen. Annika Heim bleibt mit ihrem Fahrrad an der roten Ampel stehen und schüttelt den Kopf. „Die neuen Fahrradwege haben vielleicht bisschen was gebracht, aber solange sich hier keiner an die Regeln hält, wird es auch weiter Unfälle geben“, sagt die Radfahrerin.

Die Sanierung soll die Strecke sicherer machen

Unfälle sollten durch die umfangreichen Bauarbeiten der vergangenen zwei Jahre eigentlich vermieden werden. Am Donnerstag wurde die Warschauer Straße nun durch Bezirksstadtrat Hans Panhoff und Senator Andreas Geisel offiziell wiedereröffnet. Mit Kosten von 4,3 Millionen Euro wurde der Abschnitt zwischen der Warschauer Brücke und der Frankfurter Allee erneuert. In beiden Fahrtrichtungen gibt es nun einen Fahrradweg und insgesamt 400 neue Fahrradbügel am Rande der Straße. Außerdem wurden an den Gehwegrändern Lieferzonen eingerichtet und die rund 30000 Autos, die täglich die Straße passieren, fahren nun auf einem speziellen Straßenbelag, der die Rollgeräusche der Fahrzeuge dämpfen soll.

Die Radverbände fordern einen weiteren Ausbau

Andreas Geisel nennt die Umbauarbeiten zur Eröffnung einen „Meilenstein“, Tim Lehmann von „Volksentscheid Fahrrad“ nennt sie eine „Farce“. „Der Zustand entspricht überhaupt nicht dem heutigen Standard. 1,5 Meter breite Fahrradwege sind viel zu schmal, das ist gemeingefährlich“, sagt Lehmann. Außerdem würden durch die verbesserten Autospuren noch mehr Fahrer angelockt. „Hier wurden Mindeststandards erfüllt, die in anderen Städten längst Vergangenheit sind.“ „Die Radfahrverbände müssen natürlich mehr fordern. Ich denke auch, dass man noch mehr tun könnte, aber zum jetzigen Zeitpunkt ist das eine gute Lösung. Das ist der Mindeststandard und mehr geht immer. Es war so schon ein ziemlicher Eingriff in den ruhenden Verkehr“, sagt Bezirksstadtrat Hans Panhoff. Basti Gärtner ist begeistert von den neuen Radwegen. „Die Straße ist deutlich sicherer geworden. Jetzt macht es richtig Spaß, hier mit dem Board zu fahren“, sagt der Skater. Das einzige Problem wäre, dass alles immer noch sehr eng sei.

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1 von 545Foto: Klaus Kurpjuweit
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