Radweg in Berlin-Kreuzberg : Senat sichert 0,01 Promille des Straßennetzes

An der Hasenheide in Kreuzberg stehen nun die ersten Poller zum Schutz eines Radweges. An anderer Stelle blockieren derweil Autos die Wege.

Jörn Hasselmann
Neuer, grüngestrickener, durch Poller geschützter Radstreifen an der Hasenheide in Berlin-Kreuzberg
Frisch gestrichen. Der neue Radstreifen an der Hasenheide.Foto: Jörn Hasselmann

Der Verkehrsverwaltung war das am Freitag eine Meldung bei Twitter wert: „Die ersten 100 Meter sind geschafft.“ In Zahlen: Es sind 0,01 Promille des Berliner Straßennetzes (gut 5000 Kilometer, beide Seiten berechnet). Bis auf die Meldung aus dem Hause der grünen Verkehrssenatorin ist die Begeisterung für die Pollerstrecke verhalten.

Im November 2017 hatte Günther den Bau für Frühling 2018 angekündigt. Nun wurde es also Frühling 2019. Am Sonnabend sei die grüne Farbe verstrichen worden, berichtet der Wirt einer Imbissbude am Südstern. Die massiven Metallpoller wurden zuvor im Asphalt verankert.

Hinter diesen ersten 100 Metern, die auch noch nicht offiziell frei gegeben sind, liegt eine Baustelle für einen größeren Neubau. Dazu steht ein massiver Betonsilo auf dem Radweg. Offenbar stockt der Weiterbau. Ein Indiz dafür sind die Halteverbotsschilder, die seit Neuestem auf der halben Länge der Hasenheide stehen: Sie gelten „ab 28.01.19, Ab 7 Uhr“ – sind aber umgedreht.

Der Bezirk hatte Anfang Februar mitgeteilt, dass der komplette Weg „Ende März“ fertig sein soll. Im November 2017 hatte Günther angekündigt, dass der „geschützte Radstreifen“ vom Südstern bis zur Wissmannstraße angelegt wird – aber nur auf der südlichen Seite, also Richtung Hermannplatz. Auf der anderen Seite gibt es einen holperigen Hochbordradweg.

Überholen kaum möglich

Kritik gibt es vor allen an der Breite des Weges. Ein gefahrloses Überholen ist kaum möglich. Bei Twitter kursiert bereits ein Video dazu. Wenn ein langsames Lastenrad mittig fährt, bremst es die Räder dahinter aus. Ausweichen ist wegen der Poller nicht möglich.

„Hasenheide umplanen“, hatte der ADFC deshalb bereits im September gefordert, als die Pläne bekannt geworden waren. Der Weg ist 2,25 Meter schmal. Zieht man den Sicherheitsabstand zu Pollern und Bordstein ab, bleiben nach Angaben des ADFC nur etwa 1,50 Meter – zu wenig also. „Das widerspricht einschlägigen Regelwerken“, teilte der ADFC mit.

An einer Demo für einen besseren Radweg nahmen hunderte Menschen teil. 50 Zentimeter mehr würden schon reichen, hieß es beim Fahrradclub. Doch die Verkehrsverwaltung baut, wie geplant. Es fehlt der Mut, den Parkstreifen 50 Zentimeter schmaler zu machen. Wie berichtet, haben fahrende Autos in der Hasenheide teilweise nur noch eine Spur.

Vorreiter. Der Radweg an der Holzmarktstraße war der erste, den Poller schützen.
Vorreiter. Der Radweg an der Holzmarktstraße war der erste, den Poller schützen.Foto: Jörn Hasselmann


Die Poller sollen Autos abhalten, die sonst stadtweit Radspuren zustellen und Radler zum Ausweichen in den Fließverkehr nötigen. Im November war in der Holzmarktstraße in Mitte der erste längere Radweg mit Pollern fertig gestellt worden. Dieser ist mit bis zu 3,5 Metern sehr breit, aber Platz ist dort genug. Auch dort hatte es bereits eine Demo von Aktivisten gegeben.

In der Holzmarktstraße Poller nur auf einer Seite

Poller stehen allerdings nur auf der nördlichen Seite, Richtung Jannowitzbrücke. Auf der anderen nicht. Bei Twitter wurden zahlreiche Fotos veröffentlicht, wie Pkw und Lkw den grün gefärbten Radweg blockieren. Auf einen Tweet antwortete der Günthers Sprecher jetzt: „Wird demnächst abgepollert.“

Gleiches gilt für die Tamara-Danz-Straße in Friedrichshain. Seit der Eröffnung des Einkaufszentrums sind die mit Farbe markierten Radspuren dauerhaft zugeparkt – obwohl ein großes Parkhaus vorhanden ist. Radaktivisten haben so viel Druck gemacht, dass der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg beschlossen hat, die Radwege schnell mit flexiblen Pollern zu sichern.

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