• Razzia gegen Rechtsterror-Gruppe „Nordadler“: Sohn von Linke-Politikerin soll Neonazi sein

Razzia gegen Rechtsterror-Gruppe „Nordadler“ : Sohn von Linke-Politikerin soll Neonazi sein

Die Polizei rückte bei einer Brandenburger Linke-Politikerin an. Ihr Sohn soll der mutmaßlich rechtsterroristischen Vereinigung „Nordadler“ angehören.

Ein Teilnehmer bei einer Neonazi-Demonstration in Duisburg.
Ein Teilnehmer bei einer Neonazi-Demonstration in Duisburg.Foto: Caroline Seidel/dpa

Er soll kürzlich noch mit seinen braunen Kameraden im Harz gewandert sein und ist laut Bundesinnenministerium eines der führenden Vereinsmitglieder der am Dienstag verbotenen mutmaßlich rechtsterroristische Vereinigung „Nordadler“. Doch die Mutter, eine Linke-Politikerin in Brandenburg, ahnte dem Vernehmen nach nichts von den rechtsextremen Umtrieben ihres Sohnes.

Am Dienstagmorgen rückten Ermittler in drei Orten in Brandenburg an, unter anderem in der Wohnung der Linke-Politikerin, wo der 18-Jährige noch wohnen soll, und an seiner Schule. Die Mutter war Landtagsabgeordnete und ist Mitglied eines Kreistags.

Der Name der Linke-Politikerin ist der Tagesspiegel-Redaktion bekannt, weil es jedoch keine Sippenhaft gibt, wird ihre Identität an dieser Stelle nicht genannt. Dem Vernehmen nach soll der Sohn noch nicht gefestigt sein und sich bei der Durchsuchung kooperativ verhalten haben.

Nach Angaben der Polizei Brandenburg wurden drei Stahlhelme, NS-Literatur, ein Laptop, Speichermedien und Mobiltelefone beschlagnahmt. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion im Landtag Brandenburg, Thomas Domres, wollte sich nicht näher zu dem Fall äußern. Er erklärte aber, die Linke unterstütze jegliches konsequentes Vorgehen gegen Rechtsextremismus und Rechtsterrorismus.

Die Polizei durchsuchte in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen Objekte, die Mitgliedern der Neonazi-Truppe zugeordnet werden. Gegen fünf Mitglieder der Gruppe ermittelt bereits seit mehr als zwei Jahren die Bundesanwaltschaft.

Gruppe vernetzte sich vor allem im Internet

Laut Bundesinnenministerium trat Nordadler auch unter den Bezeichnungen „Völkische Revolution“, „Völkische Jugend“, „Völkische Gemeinschaft“ und „Völkische Renaissance“ auf. Die Gruppe richte sich sowohl gegen die verfassungsmäßige Ordnung als auch gegen den Gedanken der Völkerverständigung, erklärte das Innenministerium.

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Die Gruppe sei eine rechtsextremistische Vereinigung, die ihre nationalsozialistische und antisemitische Ideologie überwiegend im Internet propagiert habe. Dazu soll die Gruppe offene und geschlossene Chatgruppen und Kanäle auf diversen Plattformen, in den sozialen Medien wie Telegram, Instagram und Discord sowie eine eigene Webseite genutzt haben.

Gruppe bekennt sich zum Nationalsozialismus

Über die diversen Kanäle soll der Anführer der Gruppe versucht haben, „gezielt jüngere Internetnutzer anzuwerben, zu indoktrinieren und damit Verfassungsfeinde zu schaffen“, erklärte das Ministerium. Nordadler zeichne sich durch Wesensverwandtschaft zum Nationalsozialismus aus, das zeige sich in der Organisationsstruktur mit Bezügen zur SS, in der Nutzung nationalsozialistischer Symbole und im Bekenntnis zu Adolf Hitler.

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Der Anführer habe öffentlich erklärt, dass er sich als Nationalsozialist bezeichne und seine Gruppe die Rückkehr eines NS-Staats mit der weltanschaulichen „Ideologie von damals“ ersehne. Dazu habe Nordadler die Umsetzung eines nationalsozialistischen Siedlungsprojekts geplant, um dort als „autarke Gemeinschaft“ nach dem Vorbild der SS zu leben.

In Thüringen hatte die Gruppe in der Gemeinde Hohenstein bereits eine Immobilie erworben. Hinzu komme ein ausgeprägter Antisemitismus und eine kämpferisch-aggressive Grundhaltung. Der Anführer hatte in einer öffentlichen Telegram-Gruppe den Angriff des Judenhassers Stephan Balliet auf die Synagoge in Halle gelobt.

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