S-Bahn-Ausschreibung : So will Berlin 800 Millionen Euro sparen

Kaum hat sich rot-rot-grün auf die S-Bahn-Ausschreibung geeinigt, drohen höhere Kosten. Eigentlich will Berlin mit der Ausschreibung erheblich sparen.

Geeinigt. Nach langem Streit schreibt die Koalition nun Streckenteile aus.
Geeinigt. Nach langem Streit schreibt die Koalition nun Streckenteile aus.Foto: Getty Images/iStockphoto

Verkehrssenatorin Regine Günther will keine „Monopolpreise“. Deshalb wird der Betrieb der S-Bahn ausgeschrieben. So lässt sich eines der kompliziertesten und teuersten Unternehmungen des Landes Berlin in aller Kürze erklären.

„Bei der letzten Ausschreibung für den Ring gab es nur einen Bieter – diese missliche Lage soll der Vergangenheit angehören, denn zu Monopolpreisen werden wir das als Länder nicht finanzieren können“ – so begründet die grüne Politikerin das Ganze.

800 Millionen Euro will Berlin sparen, indem es den Betrieb von zwei Dritteln des Berliner S-Bahn-Netzes für 15 Jahre ausschreibt. Das ist etwa das Geld, das die S-Bahn in diesen 15 Jahren an den Mutterkonzern überweisen könnte. 2018 waren es 70 Millionen. Das erste Drittel, der Ring ist mangels Konkurrenz wieder an die Bahn gegangen. Die ersten neuen Züge werden bereits getestet.

Wie berichtet, hat sich die Koalition aus Rot-Rot-Grün auf diese Form der Ausschreibung geeinigt. Am heutigen Dienstag soll der Senat das beschließen, noch in diesem Jahr soll die Ausschreibung erfolgen.

Züge sollen dem Land gehören

Ausgeschrieben werden „Betrieb“ und „Beschaffung/Instandhaltung“ separat für jedes der beiden Netze. Eine Loslimitierung gibt es nicht, theoretisch kann also ein Bieter für alles den Zuschlag bekommen.

Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg hatte gerade für die Regionalexpress-Strecken in der Region vorgegeben, dass nicht ein einzelner Bewerber alle Strecken fahren kann. Deshalb teilen sich Odeg und Bahn das Netz.

Von einer Werkstatt in Pankow hängt alles ab

Die Berliner SPD hatte eine Limitierung strikt abgelehnt, weil eine Zerschlagung der S-Bahn befürchtet wurde. Der Zuschlag soll Ende 2021/Anfang 2022 erteilt werden, Ende 2026 sollen die ersten Züge fertig sein. Ebenfalls bis Ende 2026 soll eine neue Werkstatt gebaut sein, im Norden Pankows an der Stadtgrenze.

Von dieser neuen Werkstatt hängt alles ab. Die Deutsche Bahn weigert sich, ihre in Jahrzehnten entstandenen Werkstätten abzugeben, sollte sie den Zuschlag nicht bekommen. Mit neun an der S-Bahn interessierten Firmen hatte das Land bis April Gespräche geführt, mittlerweile ist von einer niedrigen zweistelligen Zahl die Rede.

Berlin geht noch mehr neue Wege: die Züge werden dem Land gehören. Im kommenden Jahr gründet Berlin eine Fahrzeug-Gesellschaft, hieß es am vergangenen Donnerstag. Diesen Weg ist bereits vor Jahren Niedersachsen gegangen, dort gehören die Regionalzüge dem Land, der Betrieb wird ausgeschrieben.

Mehrere Milliarden Euro sind eingeplant

Der Berliner Zeitplan ist extrem ambitioniert. Und die Kosten sind es auch. Statt der bislang genannten sechs Milliarden rechnet die Verkehrsverwaltung jetzt mit 7,7 Milliarden Euro. 2,7 Milliarden kosten die etwa 1300 Wagen. Diese sollen 30 Jahre halten.

Für die Instandhaltung in diesen 30 Jahren sind zwei Milliarden kalkuliert, für 15 Jahre Betrieb weitere drei Milliarden. Dass es unterschiedliche Zeiträume gibt, hat diesen Grund: Der Betrieb darf maximal für 15 Jahre ausgeschrieben werden.

Die Fahrgäste könnten irgendwann einmal, wenn alles gut geht, nicht nur von neuen Zügen, sondern auch von einer neuen Strecke profitieren. Denn die Werkstatt soll auf einer landeseigenen Fläche an der Schönerlinder Straße im Pankower Ortsteil Buchholz Nord gebaut werden. Also könnte die bislang in Wartenberg endende S75 bis Karower Kreuz verlängert werden.

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