Schutzverein bittet um Spenden : "Die Tiere sind ja nicht in Kurzarbeit"

Im Tierheim Berlin versorgt der Verein weiter über tausend Tiere. Aber das fehlende Publikum sorgt für finanzielle Probleme - und innovative Lösungen.

Auch in Corona-Zeiten müssen die Tierheimbewohner weiter versorgt werden.
Auch in Corona-Zeiten müssen die Tierheimbewohner weiter versorgt werden.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Weil das Tierheim im Bezirk Lichtenberg für das Publikum gesperrt ist, bringt das den Tierschutzverein, der sich fast ausschließlich durch Spenden und Mitgliedsbeiträge finanziert, in große wirtschaftliche Schwierigkeiten. Auf einer Fläche von mehr als 16 Hektar versorgt der Verein, der das größte und modernste Tierheim Europas betreibt, jeden Tag rund 1.300 Tiere.

„Die Tiere sind ja nicht in Kurzarbeit“, sagt die Tierheim-Sprecherin Beate Kaminski: „Sie müssen auch weiter jeden Tag gefüttert und gepflegt werden.“ Die Pfleger arbeiten in getrennten Teams, um Ansteckungen zu vermeiden. Bisher aber gab es noch keinen Krankheitsfall.

Kaminski ist voll des Lobes über die Ehrenamtlichen, die als „Gassigeher“ mit Hunden unterwegs sind oder als „Streichelpaten“ für Katzen helfen. „Wir tun alle unser Bestes“, sagt sie.

Es werden auch weiterhin Tiere vermittelt, nur geht das nun alles über vorherige Absprachen und damit gezielter als früher. Die Mitarbeiter klären schon vorher ab, welcher Hund passen könnte, bevor ein Einzeltermin ausgemacht wird.

E-Sportler überweist großzügige Spende

Die aktuell größte Sorge sei, wie es mit den Spenden weitergehe. In der Krise sei es sehr schwer, für die Öffentlichkeit sichtbar zu bleiben. „Wir hoffen, dass uns die Menschen nicht vergessen.“

Schließlich sei bereits der „Tag der offenen Tür“ abgesagt, der am 16. August stattfinden sollte; auch das Tierschutzfestival müsse ausfallen. Das seien ganz wichtige Orte der Begegnung mit über 10.000 Besucher*innen, wo man Unterstützer finden und Spender ansprechen kann, sagt Beate Kaminski.

Sie freut sich deswegen über alle Berliner*innen, die das Tierheim unterstützen möchten. Ein großer Fan ist übrigens der E-Sportler und Youtuber Max Knabe, alias "Hand of Blood" aus Spandau. Er spendete kürzlich seine Gage von der Gamer-WM 2019 an das Lichtenberger Tierheim - über 39.000 Euro kamen dabei rum.

[Ob Lichtenberg oder Spandau: In unseren Tagesspiegel-Bezirksnewslettern berichten wir über die Krise und die Auswirkungen auf Ihre Nachbarschaft. Kostenlos und kompakt: leute.tagesspiegel.de.]

Kinder sollen Videos für Katzen aufnehmen

In der Krise zeigen sich die Tierfreunde innovativ. So hat man ein neues Kinderprogramm gestartet – damit die Katzen wieder froh sind. Derzeit muss nämlich das beliebte Leseprojekt „Kinder lesen Katzen vor“ pausieren, da das Tierheim geschlossen ist.

Kinder lesen Katzen vor ist ein bundesweites Projekt - hier lesen die Schülerinnen Saskia und Lily im Bremer Tierheim.
Kinder lesen Katzen vor ist ein bundesweites Projekt - hier lesen die Schülerinnen Saskia und Lily im Bremer Tierheim.Foto: Ingo Wagner/dpa

„Die Katzen sind schon ganz traurig und verstehen die Situation gar nicht“, schrieb das Tierheim an die Kinder: „Nun seid Ihr gefragt, denn Ihr könnt unseren Stubentigern helfen.“ Die Kinder werden nun dazu aufgerufen, sich eine eigene Tiergeschichte auszudenken, diese aufzuschreiben und laut vorzulesen – während sie sich dabei mit einem Handy per Audio oder Video aufnehmen.

Die ans Tierheim gemailten Hörgeschichten und Lesevideos werden dann über ein Tablet den Katzen vorgespielt, verspricht das Tierheim-Team. Daran haben sich schon etliche Kinder beteiligt. Diese Videos seien für die Kinder ein „Brückenschlag“, um den Kontakt zum Tierheim nicht zu verlieren.

[Dieser Artikel erschien zuerst im Tagesspiegel-Newsletter „Ehrensache“ - für alle, die Berlin schöner und solidarischer machen. Hier kostenlos erhalten: ehrensache.tagesspiegel.de.]

Per Zoom mehr über das Tierleben lernen

Sehr erfolgreich seien auch die wöchentlichen „Kinderkonferenzen“, wo über Zoom sich die Kinder beteiligen können. Dort können sie viel über Katzen oder Kaninchen oder das Leben der Schweine auf dem Bauernhof erfahren, oder auch gemeinsam basteln.

Außerdem gibt es einen Malwettbewerb für tierbegeisterte Kinder von 7 bis 12 Jahren. Wer malt Berlins schönstes Tierheimbild? Gefragt sind selbst gemalte oder gezeichnete Bilder von Tierheim-Tieren. Auf die Gewinner in zwei Alterskategorien warten je ein kleiner Preis und natürlich eine Urkunde.

Alle eingegangenen Bilder werden zudem später im Tierheim Berlin ausgestellt, einen digitalen Ausstellungsrundgang wird es schon Mitte Mai geben. Wer Katzen vorlesen möchte oder das Tierheim unterstützen will, findet alle Infos hier.

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