• Sie saugen Regenwasser auf wie Schwämme: Berlin will 1000 grüne Dächer – es fehlen noch 993

Sie saugen Regenwasser auf wie Schwämme : Berlin will 1000 grüne Dächer – es fehlen noch 993

Gründächer-Projekte werden seit Sommer 2019 mit 2,7 Millionen Euro gefördert. Bisher wurden erst sieben Anträge genehmigt.

Gründächer entlasten unter anderem die Kanalisation. Hier: Die begrünten Dächer der Öko-Häuser des Architekten Frei Otto.
Gründächer entlasten unter anderem die Kanalisation. Hier: Die begrünten Dächer der Öko-Häuser des Architekten Frei Otto.Foto: Stephanie Pilick/dpa

„1000 Grüne Dächer“ heißt ein im Sommer 2019 aufgelegtes Förderprogramm, mit dem die Investitionsbank im Auftrag des Senats etwas für Wasserhaushalt, Mikroklima und Artenvielfalt in Berlin tun will.

Erreicht werden soll das durch Pflanzenbewuchs auf Häusern, mit einer Bodenschicht, die als Wasserspeicher dient. Ein Dreivierteljahr nach dem Start fehlen aber noch 993 Dächer, damit das Programm dem Namen gerecht wird.

Nach Auskunft der Umweltverwaltung sind bisher sieben Anträge positiv beschieden worden. Von den 2,7 Millionen Euro, die bis Anfang 2023 zur Verfügung stünden, seien gut 152.000 Euro gebunden – knapp sechs Prozent des Budgets.

Was nach einem Flop aussieht, ist nach Auskunft der Verwaltung der Beginn einer Erfolgsgeschichte: Rund 150 Interessierte hätten sich bei der Regenwasseragentur der Wasserbetriebe beraten lassen und 86 bei der Investitionsbank einen Vorantrag gestellt, um ihre Planung auf die Förderrichtlinien abzustimmen.

In diesen Bezirken sind bereits Gründächer genehmigt

Daraus hätten sich seit November 14 Hauptanträge ergeben – und „sehr, sehr viele werden folgen“. Bisher seien nur zwei Anträge abgelehnt und einer zurückgezogen worden. Alle bewilligten Projekte befänden sich in der inneren Stadt: zwei in Wedding sowie jeweils eins in Friedrichshain, Wilmersdorf, Kreuzberg, Steglitz und Charlottenburg. Bei einem Projekt handelt es um ein Ateliergebäude, die anderen sind Wohnhäuser. Von den noch offenen Anträgen betreffen die meisten Wohngebäude.

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Bei Neubauten wird nach Auskunft der Regenwasseragentur immer häufiger eine Kombination aus Grün- und Solardach geplant – was den Wirkungsgrad der Solarzellen durch den Kühleffekt an heißen Tagen sogar steigern könne.

Allerdings lässt sich diese Doppelnutzung aus statischen Gründen bei Bestandsbauten nur ausnahmsweise nachrüsten. Bei stark geneigten Dächern, wie sie in den Altbaugebieten dominieren, wird es auch mit Gründächern ohne Solaranlagen schwierig. Dabei würden Gründächer gerade in der Innenstadt helfen, um bei Regengüssen wie Schwämme das Wasser zu speichern und allmählich zu verdunsten, statt damit die Kanalisation zu überlasten.

Mit dem Förderprogramm werden bis zu 75 Prozent der Kosten oder maximal 60 000 Euro übernommen – und die Hälfte der Beratungs- und Planungskosten. Bei Projekten mit Vorbildcharakter im Sinne des Gemeinwohls können alle Material- und Ausführungskosten übernommen werden.

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