• Staatsschutz ermittelte in Berlin: Gestohlene Stolpersteine: Keine Verbindung zu rechten Anschlägen

Staatsschutz ermittelte in Berlin : Gestohlene Stolpersteine: Keine Verbindung zu rechten Anschlägen

Ein Jahr nachdem in Neukölln 16 Stolpersteine entwendet wurden, hat der Staatsschutz keine Tatverdächtigen ermittelt.

Ein Loch wo früher ein Stolperstein war.
Ein Loch wo früher ein Stolperstein war.Foto: Paul Zinken/ dpa

In der Nacht zum 6. November 2017 wurden in Berlin-Britz 16 Stolpersteine entwendet, neun davon aus der Hufeisensiedlung. Ein Jahr später ist noch immer keiner der entwendeten Stolpersteine wieder aufgetaucht, zeigt die Antwort auf eine Anfrage der Abgeordneten Anne Helm und Niklas Schrader (beide Die Linke). Einen Zusammenhang zwischen dem Diebstahl der Stolpersteine und der rechten Anschlagsserie in Südneukölln sehen die Ermittler nicht.

„In einem Fall gab es lediglich einen örtlichen, jedoch keinen sachlichen Zusammenhang. Ansonsten ließ sich kein Zusammenhang zwischen den in der Ermittlungsgruppe RESIN bearbeiteten Brandstiftungen und Sachbeschädigungen und den hier in Rede stehenden Straftaten herstellen“, heißt es in der Antwort des Senats. Auch mögliche Tatverdächtige wurden bislang offenbar nicht ermittelt. Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus stufte die Entwendungen vor einem Jahr als antisemitisch ein, da die Stolpersteine entweder direkt an Juden erinnerten oder an Personen, die ihnen während der NS-Zeit halfen.

Nach der Diebstahlserie ermittelte der Staatsschutz, die Polizei bat die Anwohner um Mithilfe und Polizeitaucher durchsuchten angrenzende Gewässer. Dank Spenden konnten sämtliche Steine ersetzt werden. Gunter Demnig, der Künstler hinter dem Erinnerungsprojekt, zeigte sich bestürzt über die Neuköllner Diebstähle. Insgesamt wurden nach seinen Angaben von 70.000 verlegten Steinen etwa 600 herausgerissen. In Greifswald wurden einmal alle elf in der Stadt verlegten Steine herausgerissen, sagt Demnig. Die Kosten der Produktion und Verlegung eines Steines belaufen sich auf 120 Euro, die häufig über Spenden von Nachbarschaftsinitiativen finanziert werden.

Kommende Woche jähren sich die Pogrome vom 9. November 1938 zum 80. Mal. Neonazis und rechte Hooligans mobilisieren seit einigen Monaten für einen „Trauermarsch“ am 9. November am Hauptbahnhof. Verschiedene Berliner Bündnisse rufen parallel zu Gegendemos auf.

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