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So könnte das "Kater Holzig"-Zukunftsprojekt aussehen: In der Holzmarktstraße in Friedrichshain planen die Macher ein Wohn-, Kultur- und Gewerbedorf.

© FSKA Architekten

Update

Projekt in Friedrichshain: "Kater"-Betreiber planen neuen Coup

Die Bar 25: legendär, der Nachfolger KaterHolzig: genauso erfolgreich. Jetzt bereiten sich die Betreiber auf ein neues Projekt vor: In Friedrichshain wollen sie ein Wohn-, Kultur- und Gewerbedorf entwickeln.

Keine schroffen Abweisungen am Lattenzaun mehr: Künftig kann jeder auf das Gelände in der Friedrichshainer Holzmarktstraße 25, wo man bis Herbst 2010 in der legendären „Bar25“ feierte – und so mancher vom Türsteher nicht hereingelassen wurde. Die Betreiber des „Kater Holzig“, darunter auch einstige Bar-25-Macher, wollen zurück auf die Fläche und dort unter dem Namen „Holzmarkt“ ein Wohn-, Kultur- und Gewerbedorf mit Club und Park entwickeln. Als Symbol für den Freigeist Berlins, als „Zukunftslabor“, in dem Kreativität und Wirtschaft miteinander verschmelzen, wie es im Konzept heißt – und wo Anwohner Gärtchen anlegen können. Westlich der Bahntrasse sollen bezahlbare Wohnungen entstehen.

In der Mitte der 12 000 Quadratmeter großen Fläche soll ein Dorf entstehen mit Marktplatz, Gassen und etwa 50 kleinteiligen Wohnungen, Gewerberäumen und Ateliers, mit Friseur, Weinladen, Musikgeschäft und Bäcker. Die Räume sollen zu „sozialverträglichen Preisen“ zeitlich begrenzt verpachtet werden, sagt Christoph Klenzendorf, Kater-Holzig-Betreiber und Mitglied der Interessengemeinschaft Holzmarkt, in der sich auch Unternehmer Michael Zehden und Radialsystem-Chef Jochen Sandig engagieren. Die Hälfte der Fläche soll ganzjährig als Park mitsamt Spreeuferweg offen sein. Gefeiert werden soll natürlich auch: Ein dreistöckiger Neubau soll Platz bieten für Partys, Theater, Kino, Ausstellungen. Vom Kater Holzig soll das Restaurant "KaterSchmaus" mitgenommen werden. Geplant ist ein Hotel mit 120 Zimmern. Klenzendorf rechnet mit 400 000 Besuchern im Jahr. Der Holzmarkt – bis ins 19. Jahrhundert hinein wurde hier wirklich mit Holz gehandelt – soll eine „offene, moderne und nachhaltige Alternative zu den Mediaspree-Plänen“ sein. „Uniforme Glasfassaden gibt es an der Spree genug“, sagt Klenzendorfs Partner Juval Dieziger.

Die Macher präsentieren das Projekt mit breiter Brust, schließlich wurde bisher alles, was sie anfassten, zu einem Erfolg. Die Bar 25 machte im Durchschnitt 1,1 Millionen Euro Umsatz pro Quartal. Nach deren Schließung zog man in neuer Besetzung im vorigen Sommer auf die gegenüberliegende Spreeseite, renovierte die Alte Seifenfabrik und verpasste der Mischung aus Club, Strandbar und Restaurant den Namen Kater Holzig. Nach Angaben der Betreiber werden die Geschäftszahlen der Bar 25 noch übertroffen. Im nächsten Jahr allerdings endet dort die Zwischennutzung.

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg unterstützt den Holzmarkt

Seit zwei Jahren werde der Holzmarkt geplant, sagt Klenzendorf, Tourismus, Wirtschaft und Bezirk seien mit dabei gewesen. Inklusive Grundstückserwerb rechnen die Macher mit Investitionen von 20 bis 30 Millionen Euro. „Berlin muss verstehen, dass wir einen Mehrwert für die Stadt schaffen“, sagt Dieziger. Der ist nun auf der Suche nach Geldgebern, die sich über eine Genossenschaft beteiligen wollen. Zehn Absichtserklärungen gebe es bereits. Die Macher hoffen nun auf eine politische Entscheidung zugunsten ihres alterntaiven Projekts. Denn das BSR-eigene Gelände wird an den Meistbietenden verkauft, gestern begann das bis Ende Mai dauernde Bieterverfahren. Ganz zum Ärger des Münchener Investors Christian Krawinkel, der dort Büros und Wohnungen bauen wollte und sich aufgrund „vorvertraglicher Absprachen“ als Investor sah. Die BSR bestreitet, das Gelände bereits versprochen zu haben, es habe sich nur um einen Vorbescheid gehandelt. Der Investor hat sich zurückgezogen. Am liebsten wäre Dieziger ein Erbpachtvertrag, dann allerdings müsste das Land das Gelände kaufen.

Unterstützung vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hat der Holzmarkt. „Ein sehr spannendes Konzept, das sehr gut geeignet wäre für den Standort“, sagt Bürgermeister Franz Schulz (Grüne). Gegenüber der BSR habe er angedeutet, die Idee zu bevorzugen. Die nötige Änderung des Bebauungsplans – es soll nur ein Drittel der genehmigten 44 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche entstehen – stellte er in Aussicht. Auch Berlins oberster Tourismuswerber Burkhard Kieker lobt des Projekt. Mit solch einer aufgelockerten Bebauung würde Berlin „beim Erwachsenwerden“ nicht die Fehler anderer Städte wiederholen. Wenn alles klappt, könnte der Holzmarkt 2015 öffnen. Früher, bereits diesen Mai, kommt eine Erinnerung an alte Zeiten ins Kino: der Film zur Bar 25.

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