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"Disneyland für Touristen": Künstler der East Side Gallery streiten mit dem Land

An diesem Dienstag beginnt ein Prozess von Künstlern der East Side Gallery gegen das Land Berlin. Sie hatten sich geweigert, im Zuge der Sanierung ihre Bilder neu zu malen. Mehrere Werke wurden zerstört.

„Es geht doch weder um Kunst noch um das Mauergedenken. Die jetzige East Side Gallery ist bloß noch ein Disneyland für Touristen“, sagt Bodo Sperling aufgebracht. Es ist sehr kalt am Montagnachmittag auf der Pressekonferenz im Freien Museum Berlin in der Potsdamer Straße, auf der Sperling über den am heutigen Dienstag beginnenden Prozess gegen das Land Berlin informieren will. Doch auch ohne Heizung hat sich der Künstler längst warm geredet. Von „mutwilliger Zerstörung“ und „unerlaubter Vervielfältigung“ von Bildern durch das Land Berlin als Grundstückseigentümer der 1990 entstandenen Open-Air-Galerie ist die Rede, von „reiner Profitgier“ und einer „Friss oder Stirb“-Manier.

Der Hintergrund der Vorwürfe: Mehrere der 118 beteiligten Künstler hatten sich im Zuge der Sanierung der stark beschädigten East Side Gallery zum 20. Jahrestag des Mauerbaus geweigert, ihre Bilder entweder gegen eine Aufwandsentschädigung von 3000 Euro selbst neu zu malen oder von Künstlerkollegen nachmalen zu lassen. „Zu sagen ‚male dein Bild neu oder wir zerstören es’ ist ein ungeheuerliches Vorgehen“, sagt Sperlings Anwalt Hannes Hartung. Er hofft, dass der Ausgang des Prozesses vor dem Landgericht Berlin einen Präzedenzfall in Sachen Urheberrecht schaffen könnte. „Ich habe von 15 weiteren Künstlern die Vollmacht, ihre Interessen im Rahmen dieses Prozesses zu vertreten“, sagt Sperling. Während sein Bild mit Sandstrahler zerstört worden ist, sind die Bilder zweier anderer Künstler gegen ihren Willen von anderen Malern neu angefertigt worden. „Mir sind weniger die 25 000 Euro Schadensersatz wichtig, als vielmehr ein respektvoller Umgang mit der Kunst“, erklärt Sperling.

Und doch wird es im Rahmen des Prozesses möglicherweise noch um etwas anderes gehen: Sperling wirft den Verantwortlichen – neben dem Land Berlin waren das die mit dem Gesamtprojekt beauftragte „S.T.E.R.N. GmbH“ und die von dem Künstler Kani Alavi 1996 gegründete „Künstlerinitiative East Side Gallery“ – mangelnde Transparenz bei den Finanzen vor. Angeblich, so Sperling, seien 500 000 der zur Verfügung stehenden Summe von 2,2 Millionen Euro für „Firlefanz“ wie ein viel zu teures Gerüst und kostspielige Farbe ausgegeben worden. Der Verbleib eines Großteils der von der EU, dem Bund und Senat sowie der Lottostiftung bereitgestellten Mittel sei zudem überhaupt nicht nachvollziehbar, so der Künstler. „Wir möchten fragen, wo das Geld geblieben ist und erhoffen uns auch darauf Antworten in diesem Prozess“, sagt sein Anwalt.

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