• Stasi-Opfer-Gedenkstätten: Entlassung von Knabe: Schwere Vorwürfe gegen Kultursenator Lederer

Stasi-Opfer-Gedenkstätten : Entlassung von Knabe: Schwere Vorwürfe gegen Kultursenator Lederer

Der geschasste Gedenkstätten-Chef Hubertus Knabe bekommt Unterstützung von DDR-Bürgerrechtlerinnen. In einem gemeinsamen Brief werfen sie dem Berliner Senat einen politisches Manöver vor.

Hubertus Knabe, Ex-Leiter der Stasi-Gedenkstätte Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen.
Hubertus Knabe, Ex-Leiter der Stasi-Gedenkstätte Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen.Foto: imago/IPON

Die Rauswurf von Hubertus Knabe als Direktor der Stasi-Opfer-Gedenkstätten schlägt neue Wellen. Vier Mitglieder des Beirats der Gedenkstättenstiftung haben in einem offenen Brief an Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) gegen die Entscheidung des Stiftungsrats, Knabe zu entlassen, protestiert. Die vier Frauen fordern zugleich, dass Knabe wieder als Direktor eingesetzt werden müsse.

Unterzeichnet wurde der Brief von der Publizistin und DDR-Bürgerrechtlerin Freya Klier, der früheren DDR-Oppositionellen Heidi Bohley, der ehemaligen Vize-Landeschefin der Vereinigung der Opfer des Stalinismus Berlin-Brandenburg (VOS), Ex-Moderatorin Edda Schönherz, und der Passauer Politikwissenschaftlerin Barbara Zehnpfennig. Sie kritisieren, dass Knabe vom Stiftungsrat, dessen Vorsitzender Lederer ist, nicht angehört worden sei.

Vielmehr habe Knabe zwei Stunden warten müssen, dann habe der Senator ihm „ohne Anhörung oder Nennung konkreter Beschuldigungen die ordentliche Kündigung und sofortige Freistellung“ mitgeteilt. Dies sei ein eklatanter Verstoß gegen den Rechtsgrundsatz, dass immer auch die andere Seite angehört werden müsse, und lege den Verdacht einer Vorverurteilung nahe, heißt es in dem dreiseitigen Schreiben.

Der Stiftungsrat habe Knabe auch nicht mitgeteilt, was konkret gegen ihn vorliege. Die Unterzeichnerinnen kritisieren auch, dass die Mitglieder des Stiftungsrats vor der Entscheidung keine Rücksprache mit dem Beirat – beratend tätig bei „inhaltlichen und gestalterischen Fragen“ - gehalten habe.

Das Vorgehen sei „entwürdigend und von der Sachlage her keinesfalls gerechtfertigt“, schreiben die Unterzeichnerinnen: „Vielmehr erwecken diese Maßnahmen den Anschein einer Strafaktion, die sich eher als Reaktion auf seine politische Unangepasstheit denn als Antwort auf (vorgebliche) Verfehlungen deuten lässt.“

Direktorenposten sollen ausgeschrieben werden

Vor einer Woche hatte der Stiftungsrat einstimmig entschieden, Knabe zu beurlauben und zu kündigen – auch mit der Stimme der Vertreterin von Bundeskulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), die Knabe nicht mehr für haltbar hielt. Auslöser waren Vorwürfe, Knabes Vizedirektor Helmuth Frauendorfer habe Mitarbeiterinnen seit 2011 sexuell belästigt. Frauendorfers Anwalt räumte nach einem publik gewordenen Brief von Mitarbeiterinnen ein Fehlverhalten ein. Die Frauen hatten ein „eine Regelhaftigkeit übergriffiger Verhaltensmuster“, ein „Frauenbild der 50er Jahre“ und „strukturellen Sexismus“ in der Gedenkstätte beklagt.

Der Stiftungsrat entzog Knabe das Vertrauen, dass er „den dringend notwendigen Kulturwandel in der Stiftung“ einleiten oder glaubhaft vertreten könne. Die Direktorenposten sollen ausgeschrieben werden. Für den Übergang wurde die frühere Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, als Vertrauensperson eingesetzt.

Der Berliner Abgeordnete Kai Wegner (CDU) warf Lederer vor, Knabes Rauswurf von langer Hand geplant zu haben. Auch andere DDR-Opferverbände protestierten. Dieter Dombrowski, Vorsitzender der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft, der ebenfalls im Stiftungsrat sitzt, sagte am Montag, die Vertreter des Landes Berlin und des Bundes würden den Beirat in einer Sondersitzung in zwei Wochen ausführlich informieren.

Ein anderes Mitglied des Beirats zeigte sich am Montag irritiert vom offenen Brief an Kultursenator Lederer. Jens Gieseke vom Zentrum für zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF), der bereits in den Vorjahren intern Kritik am Arbeitsklima in der Gedenkstätte geäußert hatte, nannte den Brief einseitig.

Ich bin erstaunt, dass die Autorinnen kein einziges Wort des Mitgefühls für die betroffenen Mitarbeiterinnen äußern.“, sagte Gieseke dem Tagesspiegel. „Wir werden auch über die Mitverantwortung des Beirats für die entstandene Situation sprechen müssen.“

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