• Streit in der Werkstatt der Kulturen: Fünf Frauen wollten Neuanfang, jetzt sind nur noch zwei übrig

Streit in der Werkstatt der Kulturen : Fünf Frauen wollten Neuanfang, jetzt sind nur noch zwei übrig

Erst zum Jahresanfang haben fünf Frauen die Trägerschaft der WdK übernommen. Nun treten drei von ihnen aus – sie fürchten um das Konzept des Projekts.

Louna Sbou, Nina Martin, Nathalie Mba Bikoro (hinten v.l.) und Tmnit Zere und Saskia Köbschall (vorne v.l.)
Louna Sbou, Nina Martin, Nathalie Mba Bikoro (hinten v.l.) und Tmnit Zere und Saskia Köbschall (vorne v.l.)Foto: Anna Wyszomierska/promo

Sie wollten das migrantische Kulturzentrum Werkstatt der Kulturen (WdK) neu aufstellen – und sind nun offenbar an ihren eigenen Visionen gescheitert. Erst zum Jahresanfang haben Louna Sbou, Nina Martin, Nathalie Mba Bikoro, Tmnit Zere und Saskia Köbschall die Trägerschaft der WdK übernommen. Nun hat sich das Team zerstritten.

In einem Schreiben, das dem Tagesspiegel vorliegt, erklären Tmnit Zere und Saskia Köbschall ihren Austritt als Gesellschafterinnen der neu gegründeten Trägerin „Kultur NeuDenken“. Nathalie Bikoro legt parallel ihr Amt als Künstlerische Leiterin des Hauses nieder. In der WdK verbleiben demnach Louna Sbou und Nina Martin, die außerdem Betreiberinnen des sogenannten Anti-Cafés „Be’kech“ in Wedding sind.

Zere, Köbschall und Bikoro begründen ihre Entscheidung mit den „Ereignissen der letzten Wochen“, ohne näher ins Detail zu gehen, was vorfiel. Sie würden „die Umsetzung unseres Konzepts für die Etablierung eines dekolonialen, queerfeministischen und kritischen Kunst- und Kulturortes für migrantisch-diasporische Communities in Gefahr sehen“. Außerdem wollen die Frauen sich mit ihrem Austritt der „Verantwortung für die Rolle, die wir im Rahmen der Auseinandersetzungen um die Ausschreibung des Kulturstandortes Wissmannstraße gespielt haben“, stellen.

Zuvor hatten der Berliner Migrationsrat und zahlreiche Künstler in einem offenen Brief an Kultursenator Klaus Lederer (Linke) die Neuausschreibung der WdK kritisiert. Die Unterzeichner warfen Lederer eine „Mitverantwortung an der Marginalisierung der (post-)migrantischen Stadtgeschichte“ vor.

Edwin Greve, Sprecher des Migrationsrates, sagte dem Tagesspiegel im Dezember: „Mit dem Ergebnis des Ausschreibungsverfahrens schließt sich ein weiterer Wirkungsraum für eine schwarze Frau in einer Leitungsposition einer Berliner Institution“ und verwies auf die bisherige Leiterin Philippa Ébéné. Leider seien alle Bemühungen des Migrationsrates, eine Neuausschreibung zu vermeiden, gescheitert.

Ehemalige Mitarbeiter sprechen von „Chaos“

In ihrem Konzept hatten die fünf Frauen betont, dass die „neue“ WdK ein Ort der migrantischen Gemeinschaft bleiben solle. Auch einen Großteil des Personals wollten sie weiter beschäftigen. Laut Informationen des Tagesspiegels ist dies allerdings nicht der Fall, ehemalige Mitarbeiter sprechen von „Chaos“.

Zere, Köbschall und Bikoro waren für den Tagesspiegel nicht erreichbar. Louna Sbou, die Gesellschafterin bleibt, bestätigte die Spaltung der Gruppe. Aktuell seien die Frauen noch im Gespräch über die Zukunft des Hauses, daher könne sie sich noch nicht genauer äußern.

[330.000 Leute, 1 Newsletter: Die Autorin dieses Textes, Madlen Haarbach, schreibt den Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Neukölln. Den gibt es hier: leute.tagesspiegel.de]

Auch der Senatsverwaltung für Kultur sei die Situation bekannt, sagt Sprecher Daniel Bartsch. Laut dem vorliegenden Schreiben wurde der Senat bereits im Januar informiert. Gewonnen hätte allerdings das Konzept, mit dem die fünf Frauen sich um die Trägerschaft bewarben – unabhängig von den Mitgliedern der Gesellschaft. Anfang der Woche soll es ein Gespräch zwischen Kulturstaatssekretär Torsten Wöhlert (Linke) und der „Kultur NeuDenken“ geben. Auch im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses soll das Thema besprochen werden.

Wie es mit dem bereits geplanten Programm weitergeht, ist unklar. Zere, Köbschall und Bikoro kündigen in ihrem Schreiben an, die kuratorischen Projekte „Decolonize the Green: Natur, Umwelt und koloniale Kontinuitäten“ und „Freistaat Barackia: 150 Jahre dekolonialer Urbanismus, Solidarität und Neu-Berliner Utopien“ unabhängig von der „Kultur NeuDenken“ umsetzen zu wollen.

Auf der Webseite wird aktuell die WdK-Neueröffnung für den 14. März angekündigt. Weitere Informationen sind nicht mehr einsehbar.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!