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Belastend. Auch ein Atlas mit Irokesenfrisur ist im Körperwelten-Museum ausgestellt.

© Kitty Kleist-Heinrich

Eröffnung "Körperwelten": Totentanz unter dem Fernsehturm

Die „Körperwelten“ haben einen schwachen Start. Das soll sich am Wochenende ändern. Die Kirche protestiert dennoch.

Die Polizei war da, das Fernsehen, Fotografen. Nur der Andrang blieb aus. Der erste Besuchertag im Körperweltenmuseum am Fernsehturm verlief unspektakulär. Rund 100 Besucher kamen bis zum Mittag. Das überschaubare Interesse wurde von Rurik von Hagens, dem Sohn des Gründers, mit einem Achselzucken kommentiert. „Einen Ansturm haben wir gar nicht erwartet.“ Erst am Wochenende könnte sich das ändern.

Ein junges Paar aus Lichtenberg hatte sich zehn Minuten vor Eröffnung eingefunden. Sie erwartete etwas Grusel, er interessante Einsichten in seinen Körper. Genau diese Mischung macht wohl den Erfolg der Körperwelten aus. Nach eigenen Angaben haben bislang 40 Millionen Menschen die seit 20 Jahren um die Welt tourenden Ausstellungen gesehen.

Der Bezirk Mitte kämpft weiter juristisch gegen das Museum, trotz mehrfacher Niederlagen am Verwaltungsgericht. Gegen den Beschluss vom 13. August habe man Beschwerde eingelegt, teilte Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD) mit. Der Bezirk sei weiter der Meinung, dass Plastinate Leichen im Sinne des Bestattungsgesetzes seien und ihre Ausstellung deshalb einer Genehmigung bedürfe. Jetzt muss sich das Oberverwaltungsgericht mit dem Streit befassen.

600 Besucher pro Tag

Bis dieses entscheidet, läuft die Ausstellung regulär weiter. Für die Macher geht es dabei um viel Geld. 1,3 Millionen Euro an Krediten habe man für den Umbau der ehemaligen Fernsehstudios ausgegeben, sagte Kuratorin Angelina Whalley. Damit sich das Museum rechnet, müssten durchschnittlich 600 Besucher am Tag kommen. Die Körperwelten-Ausstellungen, die durch die Städte der Welt touren, hätten bislang ausreichend Gewinn eingebracht, um die Plastinationswerkstatt in Guben und das Institut in Heidelberg zu finanzieren. Rund 15.000 Körperspender sind dort registriert, deutlich mehr Frauen als Männer. Rund 1500 sind verstorben und plastiniert.

In Berlin sind 20 Ganz- und rund 200 Teilkörperplastinate, also einzelne Organe oder Extremitäten, zu sehen. Die Ausstellungsfläche, 1.200 Quadratmeter, ist überschaubar. Nach einer Stunde hat man das Wesentliche gesehen.

Der Kirchenkreis Mitte der evangelische Kirche wollte das Museum in seinen Aschermittwochsgottesdienst einbeziehen. In einer Trauerprozession wollten die Teilnehmer am Abend vor dem Museum beten und „das Aschekreuz spenden“. Es gehe darum, der Toten zu gedenken, die dort ausgestellt seien, sagte eine Sprecherin. Diese Form der Präsentation hält die Kirche für eine Verletzung der Menschenwürde.

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