• Über 500 Betten für Corona-Patienten: Berliner Covid-19-Notklinik an der Messe ist fertig

Über 500 Betten für Corona-Patienten : Berliner Covid-19-Notklinik an der Messe ist fertig

Manchmal läuft ein Bau nach Plan – nach vier Wochen ist das Corona-Reservekrankenhaus fertig. Noch aber werden dafür Pflegekräfte gesucht.

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) und der SPD-Fraktionsvorsitzende Raed Saleh besichtigen das Zentrum.
Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) und der SPD-Fraktionsvorsitzende Raed Saleh besichtigen das Zentrum.Foto: Michael Kappeler/dpa

Nach einem Monat regen Aufbauens ist die Covid-19-Notklinik auf dem Berliner Messegelände fertig. Das sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Donnerstag im Abgeordnetenhaus.

Demnach verfügt das "Corona-Behandlungszentrum Jafféstraße" genannte Ad-hoc-Krankenhaus in Messehalle 26 über 500 Betten. Circa 100 der Plätze seien zudem mit Beatmungsgeräten ausgestattet. Die Covid-19-Notklinik wird nur dann mit Patienten belegt, wenn Berlins reguläre Krankenhäuser ausgelastet sind.

Derzeit sind nach Tagesspiegel-Informationen mehr als 40 Prozent der rund 20.000 Klinikbetten in Berlin leer. Wenn das Coronavirus allerdings, wie gerade in Lichtenberg geschehen, in Seniorenwohnanlagen und Pflegeheimen grassieren sollte, kann sich die Lage schnell ändern. Im "Corona-Behandlungszentrum" auf dem Messeareal sollen leichtere Covid-19-Fälle versorgt werden, schwere kommen planmäßig in die Charité.

Bei Bedarf könne das Behandlungszentrum auf bis zu 1000 Betten aufgestockt werden, sagte Senatorin Kalayci, die auch davon sprach, angesichts des Engagements aller Beteiligten eine "Gänsehaut bekommen" zu haben.

Der eigens aus der Pension in den Landesdienst gebetene Projektleiter, Berlins früherer Feuerwehrchef Albrecht Broemme, sprach immerhin von 300 weiteren Betten. Fest steht, dass für zusätzliche Plätze andere Hallen genutzt werden müssten: Halle 26 ist voll. Insgesamt sollten im Fall eines Ausbaus auf 800 oder mehr Betten 150 davon als Beatmungsplätze ausgestattet sein.

Ein Schild weist zum "Corona-Behandlungszenturm Jafféstraße".
Ein Schild weist zum "Corona-Behandlungszenturm Jafféstraße".Foto: Michael Kappeler/dpa

"Wir haben es wirklich geschafft, die Arbeiten in vier Wochen abzuschließen“, sagte Broemme dem Radiosender 105'5 Spreeradio. Das sei "vielen fleißigen Menschen geschuldet, die auch über Ostern gearbeitet haben", fuhr Broemme, der auch Präsident des Technischen Hilfswerk war, fort. "Ich freue mich, dass wir termingerecht fertig sind, ich freue mich noch mehr, wenn wir das Behandlungszentrum nicht brauchen."

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Erste leere Betten stehen im Corona-Behandlungszentrum Jafféstraße.
Erste leere Betten stehen im Corona-Behandlungszentrum Jafféstraße.Foto: Michael Kappeler/dpa

Noch allerdings wird Personal gesucht. Über die Ärztekammer hatten sich vergleichsweise viele Mediziner gemeldet, Pflegekräfte aber sind knapp - und wurden ja schon in den vergangenen Jahren von Kliniken teilweise mit Kopfprämien gesucht. Mindestens 500 Pflegekräfte bräuchte die Covid-19-Notklinik im Einsatzfall.

In diesen Tagen hatten Beschäftigte aus Krankenhäusern und Heimen immer wieder mehr Schutzmaterial, einen besseren Personalschlüssel und Tarif- statt Niedriglöhne für die Kollegen in den Tochterfirmen gefordert. Die Gewerkschaft Verdi schlug dem Senat einen Corona-Krankenhaus-Pakt vor.

Die Aktivisten projizierten Bilder von protestierenden Pflegekräften an die Fassade.
Die Aktivisten projizierten Bilder von protestierenden Pflegekräften an die Fassade.Foto: promo

Am Mittwoch projizierten Aktivsten entsprechende Bilder von protestierenden Pflegekräften mit einem Beamer auf die Fassaden des Gesundheitsministeriums und des Bundestags. Auch die Berliner Krankenhausgesellschaft hatte zuletzt erklärt, dass absehbar tausende Pflegekräfte allein in der Hauptstadt fehlen werden.

Wie berichtet, betreiben die landeseigenen Vivantes-Kliniken das Reservekrankenhaus auf dem Messegelände.

Vivantes-Leute prüfen nun die Qualifizierung und mögliche Dienstzeiten der Freiwilligen. Danach sollen Arbeitsverträge für zunächst sechs Monate ausgestellt werden.

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