Umbau der Flaniermeile in Berlin-Kreuzberg : Die Bergmannstraße ist jetzt abgepollert

Seit Monaten wird um die "Parklets" in der Kreuzberger Bergmannstraße gestritten. Nun hat der Bezirk zahlreiche Poller gegen Falschparker aufgestellt.

Foto: Jörn Hasselmann

Berlin und der Kampf gegen Falschparker: Mehrere Einmündungen und Kreuzungen in der Bergmannstraße in Berlin-Kreuzberg wurden in den letzten Tagen mit massiven Stahlpoller gesichert. Sie sollen Falschparker abhalten, die in der Vergangenheit rücksichtslos die Kreuzungen zugestellt hatten und Fußgänger gefährdet und behindert haben.

Nun wird über die Poller gestritten. "Reichen nicht Schraffieren und/ oder aufgemalte Halteverbots / Parkschilder aus?", schrieb ein Leser dem Tagesspiegel. Er macht sich Sorgen, dass die Feuerwehr "nicht mehr zur Menschenrettung an die Einsatzstelle gelangt".

Letztlich halten die Poller aus Sicht des Bezirksamtes nur den in der Straßenverkehrsordnung vorgeschriebenen Fünf-Meter-Bereich an Ecken frei. "Die einzige Sprache, die Autofahrer verstehen", lobte ein Kreuzberger bei Twitter die Poller.

Für Notfälle sind in den Pollerreihen Lücken von etwa 3,50 Meter gelassen, dass Fahrzeuge auf den Gehweg gelangen können. Tatsächlich kursieren bei Twitter bereits Fotos, die zeigen, dass selbst diese Lücken von Falschparkern missbraucht werden.

Die Poller sind Teil der am 8. Oktober 2018 testweise begonnenen „Berliner Begegnungszone“ in der Bergmannstraße zwischen Mehringdamm und Zossener Straße. Die Bezirksverordnetenversammlung von Friedrichshain-Kreuzberg hatte Ende Januar 2019 die Beendigung dieser Begegnungszone ab August 2019 beschlossen, um das Jazzfest auf der Bergmannstraße im September zu ermöglichen. Eigentlich sollte der Test über 18 Monate laufen.

Im Frühjahr 2018 wurden einige genannte Parklets – Holzpodeste mit Sitzgelegenheiten – am Straßenrand aufgestellt. Bei einer ersten Bürgerbefragung gaben Teilnehmer an, dass sie sich vor allem Verkehrsberuhigung und mehr Grün in der Straße wünschen. Wie berichtet, hielt die CDU das Projekt zur Verkehrsberuhigung, das der grüne Baustadtrat Florian Schmidt vorangetrieben hatte, für „Murks“. Als sich abzeichnete, dass das Bergmannstraßenfest durch die Parklets gefährdet ist, stimmten Ende Januar auch SPD und Linke für den Rückbau der Parklets.

Ob und wie dieser BVV-Beschluss umgesetzt wird, sei offen, hieß es im Bezirksamt. Ob die Parklets tatsächlich vorzeitig abgebaut werden, ist nicht sicher. Wie berichtet, ist auch die Verkehrsverwaltung des Senats bei dem Test dabei. Mit dem Jazzfest habe der Streit um die Bergmannstraße ohnehin nichts mehr zu tun, sagte Bezirkssprecherin Sara Lühmann am Dienstag dem Tagesspiegel. Dieses finde im Juli in der Kreuzbergstraße statt, also auf der anderen Seite des Mehringdamms. Die Poller, die neue Ampel und die Fahrradständer werden in jedem Fall bleiben.

Einige Autoparkplätze in der Bergmannstraße wurden für hunderte Fahrradständer genutzt.
Einige Autoparkplätze in der Bergmannstraße wurden für hunderte Fahrradständer genutzt.Foto: Jörn Hasselmann
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