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Umstrittene Pläne im Berliner Nahverkehr : S-Bahn lässt Züge doch nicht durchfahren

Halensee und Hohenzollerndamm auslassen, um Verspätungen aufzuholen: Nach heftiger Kritik wurde der geplante Testlauf abgesagt. Mittwoch will die S-Bahn neue Ideen vorstellen.

Im Ver-Zug. Die S-bahn will nun weitere Schritte für mehr Pünktlichkeit präsentieren.
Im Ver-Zug. Die S-bahn will nun weitere Schritte für mehr Pünktlichkeit präsentieren.Foto: IMAGO

Der Plan war bis ins Detail ausgearbeitet – nun gibt ihn die S-Bahn schon im Vorfeld auf: Nach heftiger Kritik verzichtet sie darauf, Züge bei großen Verspätungen auf dem Südring ohne Halt durch die Stationen Halensee und Hohenzollerndamm fahren zu lassen. Der Test war, wie berichtet, vom 20. Juli bis 17. August angesetzt. Kritik kam unter anderem auch vom Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD).

Zu dem Vorhaben habe es „keine uneingeschränkte Zustimmung seitens der Kunden und des Bestellers“ gegeben, teilte die S-Bahn am Dienstag mit. Besteller des Verkehrs sind die Länder Berlin und Brandenburg. Das Vorhaben, verspätete Züge ohne Halt durch die beiden Stationen fahren zu lassen, war nicht abgestimmt worden.

Die S-Bahn will weitere Schritte für mehr Pünktlichkeit präsentieren

Die S-Bahn hatte darauf verwiesen, dass ein solches Modell erfolgreich in München und London praktiziert werde. S-Bahn-Chef Peter Buchner hatte aber auch schon vorher betont, wenn die Kunden das Projekt nicht akzeptierten, solle es aufgegeben werden.

Vorgesehen war, es nur zu Hauptverkehrszeiten anzuwenden, wenn die Züge im Abstand von fünf Minuten fahren. Im übrigen Zehn-Minuten-Takt sollten die Züge auch bei Verspätungen in jeder Station halten. Da die Züge der Linien S 41/42 ständig auf dem Ring fahren und ihn nicht verlassen, muss ein Zug bei einer großen Verspätung eine Runde aussetzen, um den Fahrplan wieder zu stabilisieren. Dies wollte die S-Bahn mit dem Durchfahren der Bahnhöfe ohne Halt vermeiden.

Neue Maßnahmen der "Qualitätsoffensive"

Die meisten Fahrgäste würden davon profitieren, hatte die S-Bahn argumentiert. Nur wenige hätten einen Nachteil gehabt, weil sie nach dem Durchfahren eine Station zurück hätten fahren müssen. Beim Fünf-Minuten-Verkehr wäre, warb die S-Bahn für ihr Vorhaben, der Zeitverlust gering geblieben.

Die Stationen Halensee und Hohenzollerndamm hatte sie ausgewählt, weil das Fahrgastaufkommen dort relativ gering ist und es außerdem keine Umsteigemöglichkeit zu anderen U- und S-Bahn-Linien gibt.
Am Mittwoch will die S-Bahn wie geplant andere Schritte ihrer „Qualitätsoffensive“ vorstellen, mit der die Fahrten pünktlicher und zuverlässiger werden sollen. Rund 180 „Bausteine“ hat die S-Bahn dafür lokalisiert.

Wesentlich verbessern lässt sich der Verkehr auf dem Ring, wenn man in einem Bahnhof einen weiteren Bahnsteig baut, wo Züge enden und abgestellt werden könnten. Im Bahnhof Westend ist einer sogar vorhanden; die immer wieder geforderte Wiederinbetriebnahme ist bisher aber gescheitert.

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